Champions League
Die «schöne Zarin» aus Marseille gegen den bayrischen Fussball-König

Sie ist schön und die mächtigste Frau im europäischen Fussball - Margarita Louis-Dreyfus. Ihm platzt gelegentlich der Kragen, doch er ist der «Mister Bayern» schlechthin - Uli Hoeness. Unbändigen Ehrgeiz und eiskaltes Kalkül verbindet die beiden.

Elia Diehl
Drucken
OM-Chefin Margarita Louis-Dreyfus und Bayern-Präsident Uli Hoeness.

OM-Chefin Margarita Louis-Dreyfus und Bayern-Präsident Uli Hoeness.

Keystone

Heute Abend treffen zwei Giganten des europäischen Fussballs aufeinander: Olympique-Marseille-Chefin Margarita Louis-Dreyfus und Bayern-Präsident Uli Hoeness. Sie ist die mächtigste und einflussreichste Frau im europäischen Fussball, er der erste wahre und wohl beste Fussballmanager. Und beide wissen was sie wollen: Gewinnen!

Deschamps will sich entschuldigen

Didier Deschamps, Trainer von Bayern Münchens Champions-League-Gegner Olympique Marseille, will sich am Mittwochabend vor dem Viertelfinal-Hinspiel an der Côte d'Azur beim deutschen Nationalspieler Bastian Schweinsteiger für einen ungewollten Versprecher entschuldigen.

Der Weltmeister von 1998 und Europameister von 2000 hatte auf einer Pressekonferenz von Marseille drei Tage nach der Auslosung zu den Stärken der Bayern gesagt: «Sie haben Lahm, Boateng und Scheissneiger....»

Am Dienstagabend erklärte Didier Deschamps dazu: "Ich habe nie Deutsch gelernt, so Fehler können passieren. Ich werde mich aber bei Bastian Schweinsteiger persönlich und auch bei Bayern München dafür entschuldigen."

Das eigentliche Duell am Mittwochabend findet aber auf dem Rasen statt. Olympique Marseille empfängt im heimischen Stade Vélodrome den Basel-Bezwinger Bayern München zum Hinspiel des Champions-League-Viertelfinale. In der Analyse richtet sich der Blick aber auf die Tribüne und die schillernden Chefs der beiden Klubs.

Wie die Faust auf's Auge

Marseille ist eine Stadt der Gegensätze. Verkommene Häuser und luxuriöse Villen, glänzende Yachten und schmutzige Öltanker, arabische und europäische Kultur, Reichtum und Kriminalität, mediterrane Behäbigkeit und florierende Industrie - alles scheint zu einer einzigartigen Masse zusammen zufliessen. Marseille - eine bodenständige Arbeiterstadt mit Herz und dennoch voller Liebe für Glamour, Geld und das Schöne.

Umso mehr scheint auch Margarita Louis-Dreyfus zur Stadt und seinem Fussballclub Olympique Marseille (OM) zu passen. Die russische Jetsetterin, Unternehmerin und Milliardärin versprüht in Pelz und High-Heels den Glamour der High Society. Sie ist Chefin und Eignerin des Fussballvereins OM und passt eigentlich so gar nicht zur traditionsreichen und wichtigsten Identitätsquelle in der Arbeiterstadt Marseille. Aber in Marseille ist alles etwas anders.

«Business ist Business»

Die «schöne Zarin» übernahm 2009, nach dem Tod ihres Mannes Robert Louis-Dreyfus, das Zepter beim Fussballklub Olympique, von welchem der französisch-schweizerische Geschäftsmann Louis-Dreyfus seit 1996 Hauptanteilseigner war. Die Erbin des Milliardenvermögens versprach ihrem Mann, den Verein nach dessen Tod in seinem Sinne weiterzuführen.

Fussball interessierte die schöne Russin eigentlich überhaupt nicht, Olympique liess bei ihr keine leidenschaftliche Gefühle aufkommen. Doch die Geschäftsfrau strebt nach wirtschaftlichem Erfolg, sie will Gewinn. «Ich mag OM», sagte sie einst, «aber Business ist Business». Und so räumte sie im maroden Verein mit Strenge und Kalkül auf, die Köpfe rollten in der Führungsetage. Trotz anfänglicher Ablehnung der traditionalistischen OM-Fans, Margarita Louis-Dreyfus wurde zur erfolgreichsten und einflussreichsten Frau im europäischen Fussball.

Der weibliche «Hoeness Lite»

Bayern-Präsident Uli Hoeness schuf seinerseits in seinen 30 Jahren als Fussballmanagern von Bayern München eines der erfolgreichsten und solidesten Sportunternehmen überhaupt. Auch er führte die Bayern mit eisenharter Hand und wirtschaftlichem Scharfsinn. Den Ehrgeiz, das Streben nach Gewinn und unternehmerische Professionalität ist den beiden gemein. Doch Hoeness lebt von seiner unbändigen Fussballleidenschaft, was sich in aufbrausenden, ungezügelten und lauten Interviews und dem anschwellenden Hals und roten Kopf des hitzigen Münchners doch immer wieder zeigt.

Marseille - Bayern München LIVE

Das Viertelfinal-Hinspiel der Champions League zwischen Marseille und Bayern München können sie am Mittwochabend live auf dem Sender TF1 mitverfolgen.

Der französische Sender überträgt die Partie ab 20.35 Uhr.

So gesehen ist die Chefin von Olympique Marseille als eine abgespeckte und weibliche Version des grossen Uli Hoeness. Im heutigen Viertelfinal-Hinspiel ist Bayern der klare Favorit. Präsentieren sich die Münchner nicht nach dem Gusto des Präsidenten sind rote Köpfe beinahe schon garantiert. Dass in Marseille bei einer Niederlage wieder Köpfe rollen, ist kaum zu erwarten. Nie war Olympique seit dem Gewinn der Champions League 1993 erfolgreicher als zur Zeit.

Aktuelle Nachrichten