Degen sticht
Die Schiedsrichter gehören professionalisiert!

David Degen (33) ist ein ehemaliger Fussballer. In der Kolumne «Degen sticht» schreibt er, was ihn im Fussball gerade bewegt. In seiner neuesten Kolumne fordert er, dass die Super-League-Schiedsrichter zu Profi-Schiedsrichtern werden – zu solchen, die ihr Amt als Unparteiische vollamtlich ausüben.

David Degen
David Degen
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Das Spiel zwischen dem FC Sion und den Young Boys vom 13. März hat die Schiedsrichter-Diskussion erneut entfacht.

Das Spiel zwischen dem FC Sion und den Young Boys vom 13. März hat die Schiedsrichter-Diskussion erneut entfacht.

Keystone

Seit Wochen brodelt es wieder – die Schiedsrichter auf unseren Fussballfeldern sind einmal mehr in die Schlagzeilen geraten. Fehlentscheide häufen sich und die hitzige Diskussion gipfelt in einer Strafanzeige des charismatischen Sitten-Präsidenten Christian Constantin gegen Schiri Amhof. Die Kontroverse rund um die Unparteiischen hierzulande hat somit eine neue Dimension angenommen. Auch ich selbst war als emotionaler Aggressivleader nicht immer mit jedem Schiedsrichter-Entscheid einverstanden und habe mich oft zur unnötigen Geste oder einem direkten Gedankenaustausch hinreissen lassen.

Emotionen sind im Spiel, Fehler passieren – dann «klepfts» halt mal. Doch nach 90 Minuten und dem Kältebad sollten die Gemüter wieder runtergekühlt und ein fairer wie professioneller Umgang möglich sein. Schuld am Fiasko und einer Reihe an Fehlentscheiden sind nämlich nicht die Refs selbst, sondern die einmal mehr schlafende Liga. Die Liga besteht aus zehn Profivereinen. Jeder Spieler einer jeder Mannschaft in der Super League hat 100% seiner Ressourcen zur Verfügung, sich als Vollprofi seinem Job als Fussballspieler zu widmen. Die Schiedsrichter hingegen sind Amateure. Sie arbeiten die ganze Woche in ihrem Beruf und müssen am Wochenende vor möglicherweise 30 000 pfeifenden Zuschauern innert Sekundenfrist die richtige Entscheidung treffen. Eigentlich unmöglich.

Der Verband unter der Führung des lethargischen Präsidenten Peter Gilliéron sollte endlich die Initiative ergreifen, den hiesigen Schiedsrichtern auf die Sprünge zu helfen. Nur noch Profi-Schiedsrichter in einer Profi-Liga. Danach kann man objektiv und fair bewerten, ob einer seinem Job gewachsen ist oder eben nicht. Von einem Amateur hingegen heroische Taten zu erwarten, ist nicht nur utopisch, sondern schlicht auch unfair. Schafft endlich die Voraussetzungen für ein gutes Spiel. Es handelt sich beim Fussball schliesslich nicht um Krieg, von welchem wir aktuell bedauerlicherweise zur Genüge haben, sondern um die schönste Nebensache der Welt. Ein respektvoller und fairer Umgang sollte möglich sein. Reicht euch die Hand. Für den Sport. Für den Frieden.