EM-Qualifikation

Die Reise an die EM wird für die Schweizer Nati kaum kompliziert

Der Däne Christian Eriksen, der in der Premier League bei Tottenham spielt, ist einer der wenigen Schweizer Gegner mit einem bekannten Namen.

Die Schweiz trifft in der EM-Qualifikation auf Dänemark, Irland, Georgien und Gibraltar – die Spiele finden zwischen März und November 2019 statt.

Die Auslosung war eine komplizierte Angelegenheit. Einige Teams durften aus politischen Gründen nicht in die gleiche Gruppe gelost werden. Andere wegen winterlichen Bedingungen an den Spielterminen im März und November nicht. Oder es durfte pro Gruppe nicht mehr als zwei Länder haben, welche zu den zwölf austragenden Verbänden der Endrunde gehören. Die EM 2020 wird erstmals über ganz Europa verteilt ausgetragen.

Auch die Schweiz war beim Prozedere von den Restriktionen betroffen. So wurde aus Topf 5 Aserbaidschan in die Schweizer Poule gelost, doch der Computer legte sein Veto ein. Mit Dänemark (Kopenhagen) und Irland (Dublin) gehörten der Gruppe D bereits zwei Länder mit Spielorten an. Aserbaidschan mit dem EM-Spielort Baku rutschte also in die Gruppe E, und die Schweiz bekam als fünften und letzten Gegner Gibraltar zugelost.

Die Schweizer blieben von heiklen Konstellationen weitgehend verschont. Ihnen wurde aus Topf 2 nicht Deutschland zugelost, sondern Dänemark. Aus Topf 3 nicht die Türkei oder Serbien, sondern Irland. Und aus Topf 4 nicht Rumänien, Griechenland oder Albanien, sondern Georgien. Nationaltrainer Vladimir Petkovic sagte hinterher: «Unsere Ambition ist die direkte Qualifikation. Das Ziel ist der Gruppensieg.»

Sollte die Schweiz diesen Ambitionen nicht gerecht werden und Platz 2 verpassen, könnte sie sich dank dem Gruppensieg in der Nations League im März 2020 über die Barrage für die Endrunde qualifizieren. Die eigentliche Qualifikation findet für die Schweiz von März bis November 2019 statt mit je zwei Spielen im März, September, Oktober und November.

Die Nati-Gegner im Porträt

Dänemark

Weltrangliste: 10.
EM-Teilnahmen: 8; EM-Bestresultat: Europameister (1992)

Eine einzige Niederlage nach regulärer Spielzeit – die Dänen haben ein gutes Länderspieljahr hinter sich. Für viel Aufsehen sorgten sie besonders abseits des Spielfelds wegen eines wüsten
Streits zwischen den Nationalspielern und dem nationalen Verband. Es ging um ein Verbot, individuelle Sponsorenverträge abschliessen zu dürfen. In der Folge bestreikte die A-Nationalmannschaft, die zwei Monate zuvor an der WM in Russland im Achtelfinal gegen den späteren Finalisten Kroatien im Penaltyschiessen den Kürzeren gezogen hatte, das Testspiel in der Slowakei. In der Folge musste ein Notfallteam einspringen, bestehend aus Akteuren unterklassiger Klubs oder Futsal-Spielern – es verlor 0:3. Nationaltrainer Age Hareide und Assistent Jon Dahl Tomasson hatten sich ebenfalls mit den Profis solidarisiert. Diese rehabilitierten sich nach dem Tage später erfolgten Zugeständnis des Verbands in der Nations League für die Posse: Mit dem Resultat des Aufstiegs in die höchste Liga. Noch ist man ein Stück weit entfernt von jenem «Danish Dynamite»-Team, das 1992 in Schweden sensationell Europameister wurde. Doch nach den Jahren des leisen Niedergangs ist in Dänemark unter Hareide seit dem Verpassen der EM-Endrunde 2016 wieder etwas am Entstehen. Wobei Spieler wie Christian Eriksen (Tottenham), Yussuf Poulsen (Leipzig) oder Goalie Kasper Schmeichel (Leicester) das Rückgrat bilden. (cbr)

Irland

Weltrangliste: 33.
EM-Teilnahmen: 3; EM-Bestresultat: Achtelfinal (2016)

Es ist schon das fünfte Mal, dass sich die Schweiz und die Republik Irland in einer WM- oder EM-Qualifikation über den Weg laufen. In drei der vier Kampagnen standen die Schweizer am Ende vor den Iren, und 2004 und 2006 nahmen sie dann im Gegensatz zu den Insulanern auch am jeweiligen Turnier teil. Unter dem Strich ist aus Schweizer Sicht die Bilanz nach 16 Länderspielen mit nur fünf Siegen und acht Niederlagen aber negativ. Allerdings haben sich die beiden Nationalmannschaften gegensätzlich weiterentwickelt. Ungeachtet einer 0:1-Niederlage der Schweiz im Testspiel am Karfreitag 2016 in Dublin. Die Iren sind in der Weltrangliste die Nummer 33, die Schweizer die Nummer 8. In der Nations League haben
sich die Iren sieglos aus der B-Liga in Richtung C-Klasse verabschiedet, die Schweizer sich aber in der A-Liga den Gruppensieg geholt. Jetzt hoffen die Iren, unter dem neuen alten Trainer Michael Joseph «Mick» McCarthy an frühere, erfolgreichere, Zeiten anzuknüpfen. Der 59-Jährige hat vor einer Woche Martin O’Neill abgelöst. Unter McCarthy hatte sich Irland 2002 letztmals für eine WM qualifiziert. Immerhin war es bei den beiden letzten Europameisterschaften dabei. Verfügten die Iren einst mit John Aldridge, Roy Keane und Robbie Keane über Spieler mit Reputation, so stellen sie derzeit eine eher namenlose Equipe. Einer der bekannteren Spieler ist noch Captain Seamus Coleman (Everton). (br)

Georgien

Weltrangliste: 89.
EM-Teilnahmen: keine


Die Zahlen sind beeindruckend: Fünf Siege, ein Unentschieden, null Niederlagen und 12:2 Tore – Aufstieg. Die Krux ist nur: Sie stammen aus der D-Liga der Nations League mit den Gegnern Kasachstan, Lettland und Andorra. Im Fifa-Ranking liegt Georgien auf Rang 89 und wartet noch immer auf eine WM- oder EM-Teilnahme. Allerdings wurde der Verband auch erst 1990, nach der Auflösung der Sowjetunion, gegründet. Und immerhin stellt der georgische Fussball einen Europacupsieger. 1981 gewann Dinamo Tiflis den Wettbewerb der Cupsieger, damals noch als Mitglied des sowjetischen Verbandes. Lediglich zwei Mal standen sich Georgier und Schweizer bisher gegenüber. In der EM-Qualifikation 2004 gab es für die Schweiz in Tiflis ein 0:0, in Basel einen 4:1-Sieg. Die Schweizer reisten an die Endrunde nach Portugal, die Georgier blieben zu Hause. Trainiert werden die Kaukasier seit 2016 vom 54-jährigen Slowaken Vladimir Weiss. Wie bei Irland fehlen auch Georgien grosse Namen. Gab es früher noch einen Schota Arweladse (Ajax Amsterdam), Lewan Kobiaschwili (Schalke 04) oder Michail Kawelaschwili (GC, FCZ, Luzern, Sion, Aarau, FCB), so muss man heute zufrieden sein, solche wie Valerian Gwilja und Otar Kakabadse zu kennen, die beide für den FC Luzern auflaufen. Solomon Kvirkvelia von Lok Moskau und das 19-jährige Supertalent Giorgi Chakvetadse von Gent haben es international am weitesten gebracht. (br)

Gibraltar

Weltrangliste: 194.
EM-Teilnahmen: keine


Es gibt sie doch noch, die ganz kleinen Fussballnationen. Gibraltar gehört allein schon wegen seiner Einwohnerzahl (35 000) dazu. Aber auch fussballtechnisch. Oder können Sie einen einzigen Fussballer des Landes von der Südspitze der iberischen Halbinsel benennen? Macht nichts. Nach San Marino ist Gibraltar jedenfalls die zweitschlechteste Nation Europas. Im Jahr 2013 wurde das Land vollwertiges Mitglied der Uefa, seither punktete der Zwergstaat nie
in einem WM- oder EM-Qualifikationsspiel, kassierte stattdessen einige hohe Niederlagen. Trotzdem ist es gefährlich, Spiele gegen den krassen Aussenseiter als bereits gewonnen zu betrachten. Das musste jüngst in der Nations League nebst Armenien auch Liechtenstein erfahren; 1:2 unterlagen beide Nationen auswärts. Im Fürstentum sprachen sie danach von einer Blamage. Gegen die Schweiz hat Gibraltar bislang noch nie gespielt. Die Mannschaft besteht ausschliesslich aus Feierabendfussballern der einheimischen Liga oder tiefen Ligen Englands. Gibraltars Trainer Julio Ribas ist seit diesem Sommer im Amt, er ist ein Weltenbummler des Fussballs, der im Schnitt alle zwei Jahre den Arbeitgeber wechselt. Der 61-jährige Uruguayer gilt als Hitzkopf, heute an der Seitenlinie und früher als Spieler. Einmal musste er gar eine Nacht im Gefängnis verbringen, nachdem er als Coach eine Massenschlägerei angezettelt hatte. (cbr)

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