Fussball
Die Norweger spielen mit marokkanischer Verstärkung gegen die Schweiz

Auch im norwegischen Nationalteam gibt es immer mehr Spieler ausländischer Herkunft. «Das muss ein Zufall sein!», sagt der Sprecher der Königlichen norwegischen Botschaft in Bern. Er sei kein Fussballfachmann und habe nicht einmal gewusst, dass es in der Nationalmannschaft mehrere Spieler mit marokkanischer Abstammung gebe.

Markus Brütsch und Øyvind Herrebrøden
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«Sie können wohl einfach sehr gut Fussball spielen», meint der Sprecher der Königlichen norwegischen Botschaft in Bern als er von den marokkanischen Fussballtalenten in der Norwegischen Nationalmannschaft hört. «Es gibt in Norwegen nämlich nicht besonders viele Migranten aus Marokko. Die meisten der Afrikaner kommen aus dem Sudan und aus Somalia.»

Um der eigenen Mannschaft Mut zu machen, präsentiert die Botschaft in einem Video auf ihrer Website den Ausschnitt mit dem norwegischen Siegtor im WM-Qualifikationsspiel am 10.November 1996 in Bern. Er zeigt, wie Øyvind Leonhardsen nach einem Schuss von Tore Andre Flo den Abpraller verwertet.

Leonhardsen, Flo, Grodas, Haland, Berg, Johnsen, Nilsen, Rekdal, Mykland, Strandli, Østenstad – vor 16 Jahren trugen die Norweger noch norwegische Namen, derweil bei den Schweizern mit Pascolo, Vega, Subiat, Yakin, Sforza und Türkyilmaz schon damals zahlreiche Akteure auf dem Platz standen, die ihre Wurzeln nicht in der Schweiz hatten.

Mehr und mehr profitieren nun aber auch die Norweger von Einwanderern oder deren Söhnen. «Zu meiner Zeit gab es dies überhaupt nicht», sagt Jörn Andersen, der zwischen 1985 und 1990 27 Länderspiele für Norwegen bestritten und später in Locarno seine Karriere als Spieler beendet hatte. «Ganz klar, es ist ein Vorteil für Norwegen, wenn die technisch guten Migranten das Niveau spielerisch anheben», sagt Andersen.

«Moa» fehlt wegen Rückenbeschwerden

Einer wie Mohammed «Moa» Abdellaoue zum Beispiel, Norwegens Fussballer des Jahres 2011. Der 26-Jährige spielt bei Hannover 96 und Experten halten ihn zusammen mit Fulhams Brede Hangeland derzeit für den besten norwegischen Spieler. Glück für die Schweiz, dass der Stürmer (23 Länderspiele, fünf Tore), der als Sohn marokkanischer Eltern in Oslo zur Welt kam, morgen in Bern wegen Rückenbeschwerden ausfällt.

Die norwegischen Hoffnungen ruhen nichtsdestotrotz auf einem Offensivspieler marokkanischer Herkunft: dem formstarken Tarik Elyounoussi. Mit seiner Schnelligkeit ist er wichtig für das Konterspiel. Der 24-jährige Flügel war als 12-Jähriger mit seiner Familie nach Norwegen gekommen, spielte auch schon bei Heerenveen in Holland und ist seit August bei Rosenborg Trondheim unter Vertrag. Selbst noch nach seinem Debüt in einem Freundschaftsspiel für Norwegen hatte Elyounoussi darüber nachgedacht, ob er nicht doch für Marokko auflaufen solle. Auch Hassan El Fakiri von Brann Bergen, der 2004 den Einstand gab, als 35-Jähriger aber nicht mehr in der Nationalmannschaft steht, stammte aus Marokko.

Mit dem Belgier Paul Hauman trug zwar schon 1908 ein «Ausländer» das norwegische Trikot, in der Neuzeit aber war der in Saigon geborene Vietnamese Hai Ngoc Tran der erste «Fremde». Er wuchs in Norwegen auf, war mit 42 Einsätzen gar U21-Rekordnationalspieler und kam im A-Team 1999 zu einem Einsatz.

In den nächsten Jahren noch mehr Migranten

Der berühmteste Norweger mit einer Migrantenader ist John Carew, Sohn eines Gambiers und einer Norwegerin. Der 33-jährige 88-fache Nationalspieler mit Vergangenheit bei Valencia, Roma, Besiktas, Lyon, Aston Villa, Stoke und West Ham ist derzeit vereinslos und daher kein Thema für Nationalcoach Egil «Drillo» Olsen. Dafür stehen mit dem 20-jährigen Joshua King (ManUnited-Reserven; Vater Gambier, Mutter Norwegerin) und dem in Malmö geborenen 19-jährigen Valon Berisha (Red Bull Salzburg; die Eltern sind aus dem Kosovo nach Schweden geflüchtet und später nach Norwegen weitergezogen) zwei junge Talente ausländischer Herkunft im Aufgebot. Vor einem Monat in Island hatten auch noch Vadim Demidov (Frankfurt, russische Abstammung) und Alexander Tettey (Norwich; Ghana) im Kader figuriert.

Und es werden in den nächsten Jahren mit Sicherheit noch einige Migranten mehr. Ein Blick auf die Kaderlisten der norwegischen U-Teams stützt diese Prognose. Ein Problem ist dies im grossen Land mit nur fünf Millionen Einwohnern nicht. Spieler wie Elyounoussi und Abdellaoue gelten als bodenständig und sind überaus populär. Hauptsache, Elyounoussi trifft im Stade de Suisse.