Fussball

Die Nati und ihr Verteidigungs-Problem

Heute Abend trifft die Schweizer Nationalmannschaft in St. Gallen auf Kroatien. In der Innenverteidigung der Einheimischen dürften Steve Von Bergen und Johan Djourou auflaufen. Ob diese Besetzung den Ansprüchen einer WM genügt ist durchaus fraglich.

Mit 0:3 verloren die Young Boys das letzte Meisterschaftsspiel gegen den Tabellenvorletzten aus Sion. Gegen Walliser, die im bisherigen Saisonverlauf zumeist inferior auftraten und in 21 Spielen kümmerliche 17 Tore zustande brachten. Mittendrin und mit einem rabenschwarzen Abend: Steve von Bergen, Berner Abwehrchef. Bei allen drei Toren ist er mitschuldig. Sein Auftritt: Schlampig. Ebendieser Von Bergen hat in der Nationalmannschaft einen Stammplatz. Er ist der einzige Innenverteidiger, der das von sich behaupten kann.

Abwehr Situation derzeit bedenklich

Vom Auftritt letzte Woche mal abgesehen, waren die Leistungen des YB-Abwehrpatrons über die letzten Jahre hinweg zumeist solid. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Dies reicht bei Ottmar Hitzfeld derzeit um in der zentralen Abwehr unumstritten zu sein.

Dass dies so ist, ist bedenklich. Und nur der Fall, weil die alle anderen Innenverteidigungs-Kandidaten diese Saison straucheln. Die einen spielen konstant ziemlich schlecht. Andere gar nicht. Und dann gibt es noch die Verletzten. Die Situation um unsere Abwehrzentrale präsentiert sich knapp hundert Tage vor der Weltmeisterschaft in Brasilien besorgniserregend.

Djourou Teil der schlechtesten Abwehr Deutschlands

Neben Von Bergen dürfte beim WM-Test gegen Kroatien heute Abend aller Voraussicht nach Johan Djourou auflaufen. Djourou spielt in Hamburg. Beim HSV. Beim grössten Krisenklub der Bundesliga also. Mit der schlechtesten Abwehr aller 18 Mannschaften. Was Djourou und seine Verteidigungs-Kollegen Woche für Woche in der Defensive abliefern, grenzt zuweilen an Slapstick. Regelmässig setzte es Kanterniederlagen ab. Auch wenn sich dank Neu-Trainer Mirko Slomka die Situation bei den Norddeutschen glücklicherweise etwas entspannt hat – Djourou ist im Moment eher ein Unsicherheitsfaktor denn ein Stabilisator.

Verletzte Hoffnungsträger

Beim erfolgreichen Abschluss der WM-Qualifikationskampagne im Herbst verteidigte noch der Basler Shootingstar Fabian Schär neben Von Bergen. Der Newcomer fügte sich mit drei Toren in fünf Spielen blendend ein. Auch wenn er defensiv ebenfalls nicht über alle Zweifel erhaben agierte (4:4 gegen Island). Leider verletzte sich Schär vor der Winterpause am Knie und fiel bis heute aus. Für die WM wird er wohl wieder fit sein. Aber ob Schär rechtzeitig wieder in Top-Form kommt, um unserer Nati in Brasilien Stabilität zu verleihen darf bezweifelt werden.

Sein Schicksal teilt Fabian Lustenberger. Der Schweizer zählt bei Hertha Berlin eigentlich zu den Teamstützen. Doch ein Muskelfaserriss setzt ihn derzeit ausser Gefecht. Und auch wenn «Lusti» fit ist: Hitzfeld setzte bislang kaum auf den Hertha-Kapitän.

Klose im Abseits

Einer dem man Ende letzte Saison noch zugetraut hätte auf lange Sicht die Verteidigungs-Probleme der Nati zu lösen steckt momentan in einer schwierigen Situation. Timm Klose reifte bei Nürnberg zu einer Teamstütze. Für geschätzte 7,5 Millionen Franken – für einen Verteidiger eine ausserordentlich hohe Summe – wechselte der Ex-Thuner zu Beginn dieser Spielzeit nach Wolfsburg. Doch nach anfänglich schwachen Leistungen fand sich Klose bald auf der Ersatzbank der «Wölfe» wieder. Wo er bis heute noch Stammgast ist. Für die Schweizer Nationalmannschaft ist Klose derzeit kein Thema.

Bleibt noch Phillippe Senderos. Der alte Abwehr-Haudegen wechselte nach vier Jahren Ersatzspieler-Dasein bei Fulham kürzlich nach Spanien zum Traditionsverein Valencia. Dort startete er verheissungsvoll. Bis ihn mal wieder eine kleinere Blessur zurückwarf. Diese hat er nun zwar überstanden, doch mit seiner Verletzungsanfälligkeit und mangelnden Schnelligkeit kann er keine Dauerlösung für die Schweiz sein.

Allerdings stellt sich die Frage, ob es bessere Alternativen gibt. Und diese muss man derzeit leider mit Nein beantworten. Hoffentlich gibt es in Brasilien kein böses Erwachen.

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