Super League

Die meisten Schweizer Profi-Klubs zögern Trainingsbeginn hinaus

In vielen Klubs bleibt der Rasen ungenutzt, obwohl ein Training wieder möglich wäre.

In vielen Klubs bleibt der Rasen ungenutzt, obwohl ein Training wieder möglich wäre.

Mit Beginn der Woche war vom Schweizer Profifussball ein Lebenszeichen erwartet worden. Nun verzichtet der Grossteil der Teams auf die Wiederaufnahme des vom Bund abgesegneten Mannschaftstrainings.

Dies zeigt, wie hoch die Hürden zurück zum Spielbetrieb sind.

Der neuste Dämpfer kam am Donnerstag in Form eines Communiqué der Swiss Football League. Fünf Abschnitte, 266 Wörter, in denen kommuniziert wurde, dass die Vertreter der 20 Schweizer Profiklubs am 29. Mai an einer "ausserordentlichen Generalversammlung über die Weiterführung" der Super League und Challenge League entscheiden würden. Weiter schrieb die SFL, den Profi-Klubs sei es nach eigenem Gutdünken ab dem 11. Mai und unter Einhaltung von Sicherheitsmassnahmen grundsätzlich wieder gestattet zu trainieren.

Es folgte die Passage, die die getätigten Planspiele der Teams auf den Kopf stellte: "Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) teilte der SFL unverbindlich mit, dass die Klubs ab dem Moment des Trainingsstarts keine Kurzarbeit mehr geltend machen können." Für die Teams bedeutet dies: Wer ab dem 11. Mai seine Spieler wieder zum Training auf die Anlage holt, wird noch mehr Geld verlieren, als durch den Lockdown ohnehin schon. Nur die in die Challenge League abgestiegenen Grasshoppers und der Leader der Super League, St. Gallen, nehmen das frühzeitige Ende der staatlichen Unterstützung offenbar in Kauf.

Andere schwenkten kurzfristig um. Basel, Lugano und Thun hatten bis zu den News der Liga ebenfalls mit dem Trainingsauftakt am 11. Mai gerechnet, nun soll im Tessin und in Basel ab dem 18. und in Thun ab dem 25. Mai wieder mit der Mannschaft trainiert werden. Der FC Zürich will sogar erst am 28. Mai wieder einsteigen, am Tag vor der Generalversammlung. Präsident Ancillo Canepa hatte im Hinblick auf Geisterspiele gegenüber dem Schweizer Fernsehen gesagt, die Situation der Fussballklubs sei zu vergleichen mit einem Gastronomen, "der den Koch wieder einstellen und Lebensmittel kaufen kann, aber keine Gäste empfangen darf". Das Ende der Kurzarbeit würde in dem von Canepa gemalten Bild bei gleichbleibenden Voraussetzungen dann wohl einer Lohnerhöhung für den Koch entsprechen.

Kritik an der SFL und am Schutzkonzept

Lucien Valloni, der Präsident der Spielergewerkschaft der Schweizer Fussballprofis (SAFP), sieht in der Häufung solcher Aussagen ein Problem. "Mir geht es zu oft um wirtschaftliche Interessen", sagt er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Dabei sollte es in erster Linie um die Gesundheit der Spieler gehen. Valloni und die SAFP traten vergangene Woche in der Diskussion um die Fortsetzung der Meisterschaft durch eine Umfrage bei den Spielern der Schweizer Profiligen plötzlich auf den Plan. 140 Profis antworteten der SAFP innerhalb von drei Tagen, 64 Prozent von ihnen wollen demnach die Saison nicht fortsetzen.

Für Valloni ist die "schlechte Kommunikation" der Liga für die negative Haltung der Spieler mitverantwortlich. Zuviele Punkte seien nach wie vor unklar. Zudem wirft Valloni der SFL vor, dass sie sich trotz anders lautender Vereinbarungen bei der Ausarbeitung der Schutzkonzepte nicht mit der Gewerkschaft absprechen würde. Aber besonders in Bezug auf die Massnahmen, mit denen die Sicherheit der Spieler gewährleistet werden sollen, besteht zwischen Liga und SAFP Dissens. Das Schutzkonzept für den Schweizer Profifussball sieht keine regelmässigen Coronatests bei Fussballern und Beteiligten vor, für die Gewerkschaft sind sie essenziell. "Liegt einem die Gesundheit der Spieler wirklich am Herzen, geht es ohne regelmässige Tests nicht", sagt Valloni.

Die SFL wollte sich auf Anfrage nicht zum Zwist mit der SAFP äussern, der stellvertretend für die komplizierte Situation der Liga steht. Ihre Lösungen müssen den Ansprüchen aus verschiedensten Bereichen genügen, dabei sind selbst die Klubpräsidenten bisher einem gemeinsamen Nenner nie nahe gekommen. Während Sion-Präsident Christian Constantin und Angelo Renzetti vom FC Lugano vehement den Abbruch fordern, kommt dies für die Grasshoppers nicht in Frage. Es droht ein juristisches Nachspiel für den Fall des Abbruchs, ebenso aber wenn die Meisterschaft fortgesetzt wird. In rund drei Wochen werden die Klubs der SFL darüber entscheiden, sofern der Bundesrat am 27. Mai nicht noch ein Veto einlegt. Dann herrscht immerhin Klarheit, ein Konsens bleibt Utopie.

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