Meisterfeier

Die letzten Schritte: Den Meistertitel im Sack und das Ende vor Augen

Urs Fischer kurz nach dem Abpfiff.

Urs Fischer kurz nach dem Abpfiff.

FCB-Trainer Urs Fischer gewinnt die Meisterschaft überlegen und kann auch noch das Double holen. Trotzdem muss er gehen. Eine Annäherung an einen Mann, der in Basel nie verehrt wurde und wird.

Während die Spieler längst in Champagnerlaune sind, geht Urs Fischer schweigend an den Journalisten vorbei. Der Kopf gesenkt, den Blick abgewendet, in sich gekehrt. Eben hat der FC Basel den 20 Titel – den achten in Serie – klargemacht. 2:1 gegen den FC Luzern, vorübergehend 24 Punkte Vorsprung auf Verfolger YB. Die Dominanz wirkt in Zahlen noch einmal erschreckender für die Konkurrenz.

Die Lage des Fischers ist speziell. Schon Ende April gewinnt er die Meisterschaft, Ende Mai spielt er im Cupfinal gegen den FC Sion. Wie Sportdirektor Georg Heitz sagt „als Aussenseiter“. Gut möglich, dass Fischer den Mythos Sion – die Walliser haben alle 13 bisherigen Cupfinals gewonnen – besiegt und gleichzeitig das Double mit dem FCB holt. Trotzdem muss er Ende Saison gehen. Raphael Wicky ist von der neuen Klubführung um Bernhard Burgener und Marco Streller bereits als Nachfolger gesetzt.

Wir, nicht ich

„Natürlich wurmt es einen, wenn man im Sommer gehen muss und nicht mehr Teil dieses tollen Vereins sein kann“, sagt der amtierende Trainer. Wie gehen Sie damit um, dass Sie trotz diesem Erfolg im Sommer gehen müssen?, wurde Fischer gefragt. Es ist bezeichnend, dass er selbst auf eine so persönliche Frage nicht in der Ich-Form antwortet. Er sagt „man“ – und er meint es. Denn nicht nur er muss gehen, sondern auch sein Staff.

Fischer ist ein Team-Player. Zwar steht er am Kopf dieser Mannschaft, er entscheidet. Aber er weiss heute genauso wie er das schon als Spieler, als Captain beim FC Zürich, wusste, dass einer allein nichts bewegen kann. Es ging ihm nie um seine Person, immer um das Team, den Verein. Wie sonst hätte der FCB so souverän durch alle Irrungen und Wirrungen der letzten Wochen kommen sollen? Urs Fischer war bald nach dem bekannt wurde, dass Präsident Bernhard Heusler und Sportdirektor Georg Heitz gehen werden, klar, dass auch seine Zeit gekommen ist.

Man merkte es ihm zuweilen ein bisschen an. Zumindest erscheint es im Rückblick so. „Äxgüsi“, tönte es dann. Es folgten Rechtfertigungen, Gegenargumente und –fragen. Er habe genug Zeit gehabt, sich auf den Abgang im Sommer einzustellen. „Der Verein hat da sehr offen und korrekt mit mir kommuniziert“, sagt Fischer. Und: „Für mich war trotzdem von Anfang an klar, dass wir das so durchziehen, wie wir es angefangen haben.“

Sein Abgang war nicht zuletzt ein Symbolakt. Bernhard Burgener und Marco Streller, die neuen starken Männer beim FCB, wollen den kompletten Neuanfang. „Für immer Rot-Blau“ ist ihre Losung. Sie wollen den FCB zurück zu seinen Wurzeln führen. Mehr Identifikation schaffen. Eigengewächse bringen. Kein Zweifel, dass auch Urs Fischer das gekonnt hätte.

Rau und laut

Aber Fischer ist Zürcher. „Nie eine vo uns“, schrieben ein paar Fans bei seiner Vorstellung auf ein grosses Banner am Stadion. Und als er gestern bei der Meisterparty auf dem Barfi auf den Balkon tritt, da skandieren die Fans zwar seinen Namen. Aber es wirkt eher wie ein Akt der Höflichkeit, wie bei einem Kind, das von seinem Vater aufgefordert wird Danke zu sagen. Das war nicht zu vergleichen mit den frenetischen Schreien für einen Taulant Xhaka oder Matias Delgado.

Der FC Basel wird nach dem Sieg der Meisterschaft von den Fans auf dem Barfi gefeiert

Der FC Basel wird nach dem Sieg der Meisterschaft von den Fans auf dem Barfi gefeiert

Als das Team am frühen Samstagmorgen, kurz vor 1 Uhr, ins Papa Joe’s kommt, warten die Spieler am Eingang zum Lokal. Auf Urs Fischer, ihren Trainer. Sie sowie die gegenwärtige Klubführung wissen, was sie an ihm haben. Er ist kein Schauspieler, kein Blender, auch kein eloquenter Mann von Welt. Sprachlich ist er weit weniger versiert als sein designierter Nachfolger Raphael Wicky. Und trotzdem hat Fischer Charisma. Rau und laut ist seine Stimme. Seine Ansprachen sind direkt, ohne Umwege, auch bei unangenehmen Dingen. Nie kam es unter ihm zu „atmosphärischen Störungen“ wie einst unter Yakin. Oder zu groben Meinungsverschiedenheiten mit der Klubführung wie unter Sousa.

Die Arbeit zuerst

Fischer kann führen, weiss, wie ein Team funktioniert, wie Menschen denken und fühlen. Und er weiss, dass er dabei immer auch Vorbild sein muss. Es ist nicht möglich, so überlegen Meister zu werden, wenn da nicht einer mit einer schier ungeheuerlichen Konsequenz vorangeht. Arbeitermentalität. Nie nachlassen. Immer weiter. Oder in den Worten Fischers: „Wir haben uns genau gleich morgens um 7 Uhr getroffen, obwohl wir 21 Punkte Vorsprung haben. Die Mannschaft hat das Präventionsprogramm vor dem Training mit der gleichen Konsequenz absolviert mit 4 Punkten Vorsprung am Anfang der Meisterschaft wie zuletzt mit 21 Punkten.“

In blauen Jeans, Pullover in Altrosa und dunkelblauer Daunenjacke marschiert Fischer mit seinem Team kurz nach 2 Uhr aus dem Papa Joe’s. Weitergehts ins Noohn gleich nebenan. Das Team unter sich, keine Presse. Es ist kurz nach 3 Uhr als Urs Fischer das Lokal verlässt. Als einer der ersten überhaupt. Es geht weiter. Der Cupfinal am 25. Mai steht an. Das nächste grosse Ziel. Viel Arbeit für Urs Fischer und sein Team. „Wir haben vorher noch vier Meisterschaftsspiele. Auch die gilt es korrekt zu absolvieren. Wir müssen unsere Form halten“, sagt Fischer.

FC Basel: Der Weg zum zweiten Stern

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