Clasico
Die grosse Rückkehr des uruguayischen Beissers

Luis Suárez bestreitet, nach seiner WM-Beissattacke und dem Wechsel von Liverpool zu Barcelona, heute sein erstes Spiel für den FC Barcelona – und das ausgerechnet im «Duell der Giganten» in Spanien gegen Real Madrid.

Manuel Meyer, Madrid
Merken
Drucken
Teilen
Will seine Zähne diesmal nur beim Torjubel zeigen: Luis Suárez.

Will seine Zähne diesmal nur beim Torjubel zeigen: Luis Suárez.

keystone

Heute schaut die Fussball-Welt nach Madrid: Real Madrid spielt gegen den FC Barcelona. Das ist mehr als nur ein Fussballspiel. Das ist ein Politikum. Es ist der «Clásico». Zwei der besten Mannschaften der Welt stehen sich gegenüber.

Iniesta, Neymar, Benzema, der WM-Torschützenkönig James – die Liste der Spieler, die um 18 Uhr den Rasen des legendären Santiago Bernabéu Stadions betreten werden, liest sich wie das Who is who des internationalen Fussballs. Vor allem aber ist es ein Duell zwischen den zwei besten Spielern der Welt: Lionel Messi und Cristiano Ronaldo. Letzterer ist in Top-Form. In acht Liga-Spielen versenkte der Portugiese den Ball bereits 15-mal im Netz. Mit mittlerweile 70 Toren in der Champions League fehlen ihm nur noch zwei Tore, um den Rekord seines Real-Vorgängers Raúl zu brechen. Und Messi kann heute ausgerechnet im Stadion des Erzrivalen in die Geschichte des spanischen Fussballs eingehen. Er braucht ein Tor, um den historischen Rekord des legendären Telmo Zarra von 251 Liga-Treffern auszugleichen.

Problemfall und Ausnahmekönner

Trotzdem beherrschen weder Messi noch Ronaldo derzeit die Schlagzeilen. Die gehören Luis Suárez. Zwar lässt sich Barça-Trainer Luis Enrique nicht in die Karten blicken, doch Uruguays Fussball-Superstar dürfte im «Duell der Giganten» wohl sein erstes Pflichtspiel für den FC Barcelona bestreiten. Nach seiner Beissattacke gegen den Italiener Giorgio Chiellini sperrte die Fifa den 27-Jährigen noch während der WM in Brasilien vier Monate lang für sämtliche Pflichtspiele. Zwar entschuldige sich Suárez bei Chiellini und versprach öffentlich, «dass es nie wieder einen Zwischenfall wie diesen geben werde». Doch neben Sperren für rassistische Äusserungen war es bereits die dritte «Beissattacke» des rebellischen Südamerikaners.

Angst vor dem Karriere-Aus

Die Fifa blieb darum hart. Suárez wurde von allen Fussball-Aktivitäten verbannt, durfte nicht einmal ein Stadion betreten und erst nach einem Einspruch beim Training des FC Barcelona mitmachen. «Die ersten zwei Monate der Sperre waren am schlimmsten, weil ich mich nicht einmal mehr als Fussballer fühlte», erklärte Suárez in einem TVInterview. «Ich dachte sogar, dass ich meine Karriere ruiniert habe», sagte Suárez. Er hatte Angst, der FC Barcelona würde vor seiner ausgemachten Verpflichtung einen Rückzieher machen. Dennoch entschieden sich die Katalanen, den polemischen Torschützenkönig der Premier League für 81 Millionen Euro vom FC Liverpool zu kaufen. «Als mich mein Manager Pere Guardiola anrief und sagte, der Wechsel sei perfekt, habe ich zu weinen begonnen.»

Lob von Messi

Nun schauen alle auf ihn. Der Druck ist enorm. Viele fragen sich, ob er der enormen Anspannung eines «Clásicos» und seiner viel beobachteten Rückkehr standhalten kann und nicht zubeisst? Ist er nach vier Monaten in Form für ein Spitzenspiel?

Der Uruguayer gibt sich selbstbewusst und positiv: «Ich kann es kaum glauben, dass es bald wahr wird», erklärte Suárez auf der Vereins-Website und ergänzte: «Ich bin hungrig nach Titeln.» Teamkollege Dani Alves hat daran keine Zweifel: «Er ist ein Killer vor dem Tor», versicherte Barcelonas Rechtsverteidiger. Grosses Lob kommt sogar vom Argentinier Messi: «Ich freue mich sehr auf Suárez. Er ist wirklich eindrucksvoll», so der viermalige Weltfussballer.

Doch Suárez erwartet ein schwieriges Szenario für seinen ersten Einsatz. Reals Sturm ist in Bestform: Bale, James, Benzema und Cristiano Ronaldo schiessen 3,75 Tore pro Spiel. Hoffentlich macht das den «Vampir von Natal» nicht erneut wütend!