FC Basel
Die grosse Chance des Daniel Hoegh in Sevilla

Nachdem der routinierte Walter Samuel in Hinspiel gesperrt wurde, muss nun Daniel Hoegh beim FC Basel in die Bresche springen und zeigen, was er kann. Es ist die grosse Chance für den Dänen, der zuletzt, auch wegen einer Verletzung, lange keinen Ernstkampf mehr bestritt.

Sebastian Wendel
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Muss sich gegen Sevilla beweisen: FCB-Innenverteidiger Daniel Hoegh.

Muss sich gegen Sevilla beweisen: FCB-Innenverteidiger Daniel Hoegh.

KEYSTONE

Nein, Daniel Hoegh kann die Frage nicht verstehen. Er zuckt mit den Schultern und sagt: «Dann könnte ich ja gleich Selbstmord begehen.» Wie bitte? Und dann lächelt er noch dabei?

Natürlich übertreibt Hoegh. Die drastische Wortwahl soll nur die Antwort auf die Frage verdeutlichen, ob er noch oft an den 19. August 2015 denke: «Es macht einen kaputt, wenn man ständig über negative Erlebnisse aus der Vergangenheit nachdenkt.»

An jenem lauen Sommerabend trifft der FC Basel im Hinspiel der Champions League Playoffs auf Maccabi Tel Aviv. Am Ende steht es 2:2 nach einem – aus Basler Sicht – Spiel voller Pleiten, Pech und Pannen. Hauptfigur: Daniel Hoegh. Einerseits wird ein korrekter Treffer des Innenverteidigers annulliert.

Andererseits ist er bei beiden Gegentoren entscheidend beteiligt, das 2:2 in der 96. Minute muss er sogar ganz auf seine Kappe nehmen. In der Endabrechnung verpasst der FCB auch wegen Hoeghs Fehlern die Champions League. Für den 25-Jährigen, im Sommer als Ersatz für Fabian Schär verpflichtet, der erste Tiefpunkt beim neuen Arbeitgeber.

Lange Gesichter beim FC Basel nach dem Ausscheiden in der Champions League-Qualifikation gegen Maccabi Tel Aviv.

Lange Gesichter beim FC Basel nach dem Ausscheiden in der Champions League-Qualifikation gegen Maccabi Tel Aviv.

Keystone

Sieben Monate ist dies nun her. Und heute kehrt Hoegh in Sevilla aller Voraussicht nach auf die internationale Bühne zurück. Walter Samuel ist gesperrt, Manuel Akanji verletzt – da drängt sich der Einsatz von Hoegh geradezu auf. Ausser Trainer Urs Fischer hat eine andere, überraschende Variante in der Hinterhand.

Hoegh sagt gestern vor dem Abflug nach Sevilla: «Ich weiss wirklich nicht, ob ich spiele.» Doch habe er sich in den vergangenen Tagen viele Gedanken gemacht über die Partie. Wie er seinen Teamkollegen am besten helfen könne gegen die wirbligen Spanier. Vor allem aber ist Hoegh eine Sache klar geworden: «Das Spiel ist die grosse Chance für mich, dem Trainer zu zeigen, was ich kann.»

Profitieren vom Pech der anderen

Bis heute hat der Däne nämlich noch nicht den Beweis erbracht, für den FCB eine Verstärkung zu sein. Nach dem schwarzen Abend gegen Tel Aviv nimmt ihn Urs Fischer für das Rückspiel aus der Startelf.

Als Hoegh danach die Kurve zu kriegen scheint und unter anderem Teil der Mannschaft ist, die überraschend mit 2:1 beim damaligen Serie-A-Leader Fiorentina gewinnt, ereilt ihn das Verletzungspech: erst ein Muskelfaserriss in den Adduktoren, kurz darauf eine Knieverletzung inklusive Operation.

Der FC Basel mit Hoegh (hintere Reihe, ganz rechts) in der Startelf gewinnt bei der ACF Fiorentina mit 2:1.

Der FC Basel mit Hoegh (hintere Reihe, ganz rechts) in der Startelf gewinnt bei der ACF Fiorentina mit 2:1.

Keystone

Hoegh muss von der Tribüne aus zusehen, wie sich Walter Samuel und der blutjunge Manuel Akanji in der Hierarchie der Innenverteidiger an ihm vorbeischieben. Rückblickend sagt er: «Es war leichter zuzuschauen, als ich verletzt war und es mir die Gesundheit verbot, dem Team zu helfen. Als ich danach wieder bereit war, aber trotzdem nur zuschauen durfte, begann ich mir Fragen zu stellen.»
Daniel Hoegh würde sich diese Fragen wohl heute noch stellen, hätte sich das Schicksal vor wenigen Tagen nicht auf seine Seite gestellt. Das mag etwas unsensibel tönen angesichts dessen, dass sich Manuel Akanji einen Kreuzbandriss zuzog und ein halbes Jahr ausfällt. Doch vom Unglück des einen «profitiert» nun der andere: Hoegh.

Der Tick mit dem Abklatschen

Ist er bereit für die grosse Herausforderung gegen die ausserordentlich heimstarken Sevillaner (16 Heimsiege in Serie)? «Ich bin zumindest nicht nervös, das ist schon mal kein schlechtes Zeichen. Und ich habe mit meinem früheren Klub Odense schon einige grosse Spiele bestritten. Wobei ein Achtelfinal in Sevilla natürlich eine neue Dimension ist.»

Lädierter Knöchel Im Hinspiel musste Rechtsverteidiger Michael Lang in der Halbzeitpause wegen Knöchelproblemen in der Kabine bleiben. Nun kam raus: Der 25-Jährige hat sich gemäss «Blick» eines der Aussenbänder im rechten Fuss gerissen. Trotzdem sind die Chancen gut, dass Lang heute auflaufen kann. «Ich bin optimistisch, dass es reicht. Aber eine endgültige Entscheidung fällen wir erst am Spieltag.» Definitiv fehlen werden dem FCB Walter Samuel (gesperrt), Philipp Degen, Jean-Paul Boetius, Andraz Sporar, Manuel Akanji (alle verletzt) sowie Naser Aliji (nicht spielberechtigt). (wen)
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Lädierte Schulter FCB-Assistenztrainer Marco Walker erschien gestern mit einer Manschette um die linke Schulter am Flughafen. Auflösung: Der «Ranger» (Walkers Spitzname) ist im Training gestürzt und hat sich dabei die Schulter geprellt. (wen)
Mögliches Penaltyschiessen Zum Duell vom Punkt kommt es, wenn es nach 90 Minuten regulärer Spielzeit und weiteren 30 Minuten Verlängerung immer noch 0:0 steht. Statistisch gesehen eher unwahrscheinlich: Im Stadion von Sevilla gab es in dieser Saison noch kein 0:0 – und der FCB hat auswärts bislang immer ein Tor erzielt. FCBCoach Urs Fischer: «Penaltyschiessen haben wir nicht geübt. Aber ich habe die Schützen im Kopf.» (wen)
Heimstärke Vor dem Hinspiel in Basel war die Auswärtsschwäche von Sevilla das grosse Thema. 180 Grad anders sieht es aus, wenn Sevilla im heimischen «Estadio Sanchez Pizjuan» antritt: Unglaubliche 16 Mal in Folge hat das Team von Trainer Unai Emery nach einem Heimspiel den Platz als Sieger verlassen, dabei unter anderem gegen den FC Barcelona, Real Madrid und Juventus Turin gewonnen. «Wenn wir uns diese Statistik zu Herzen nehmen würden, müssten wir gar nicht antreten», sagt Urs Fischer. Der FCB-Coach macht die Heimstärke von Sevilla an der Atmosphäre im Stadion fest: «Vom System und von den Laufwegen spielt Sevilla immer gleich. Aber wenn 40 000 Fans das Team anfeuern in diesem tollen Stadion, dann pusht das enorm.» Laute Fans ist sich der FCB vom St. Jakob-Park gewohnt. So sagt Fischer: «Das Hinspiel hat gezeigt, dass wir gegen Sevilla bestehen können. Wir müssen nun aber noch eine Schippe drauflegen, um eine reelle Chance auf die Viertelfinals zu haben.» (wen)

Lädierter Knöchel Im Hinspiel musste Rechtsverteidiger Michael Lang in der Halbzeitpause wegen Knöchelproblemen in der Kabine bleiben. Nun kam raus: Der 25-Jährige hat sich gemäss «Blick» eines der Aussenbänder im rechten Fuss gerissen. Trotzdem sind die Chancen gut, dass Lang heute auflaufen kann. «Ich bin optimistisch, dass es reicht. Aber eine endgültige Entscheidung fällen wir erst am Spieltag.» Definitiv fehlen werden dem FCB Walter Samuel (gesperrt), Philipp Degen, Jean-Paul Boetius, Andraz Sporar, Manuel Akanji (alle verletzt) sowie Naser Aliji (nicht spielberechtigt). (wen)

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Falls nötig, muss Hoegh heute auch mal härter zulangen, um die Spanier das Fürchten zu lehren. Etwas, das man dem smarten Dänen mit dem Gesicht eines Schwiegermutter-Traums (Hoegh ist glücklich vergeben) gar nicht zutraut.

Er lächelt und sagt: «Keine Angst. Ich bin zwar ein guter Junge, aber auf dem Platz kann ich auch unangenehm sein.» Bevor er ins Flugzeug steigt, verrät er noch ein Geheimnis. Ein Ritual, das ihm sehr wichtig ist: «In der Kabine muss ich mit allen Spielern, dem Trainerstaff und den Betreuern abklatschen, bevor ich raus auf den Platz gehe. Wenn ich merke, einen vergessen zu haben, beschäftigt mich das andauernd.» Bleibt zu hoffen, dass dies heute Abend nicht passiert.