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Die Grasshoppers schnuppern an der Höhenluft

GC reist als Leader nach Thun. Seit Montag aber haben die Hoppers eine neue Schwachstelle: Abwehrpatron Stéphane Grichting hat sich verletzt. Damit klafft in der neu eingekauften «Achse» eine Lücke.

Jetzt ist es sogar schon Uli Forte passiert. Die gute Tabellensituation sei nur eine Momentaufnahme, hatte der GC-Trainer wieder und wieder gepredigt, immer tiefgestapelt. Und nun sagte er über seinen viel gelobten Keeper Bürki: «Roman ist für einen Goalie noch im Babyalter, und trotzdem ist er schon so gut. Er wird eine grosse Karriere machen.» Vor wenigen Monaten noch stellten die Grasshoppers die schlechteste Mannschaft der Liga. Sie kauften sich aus dem Kellermief heraus und geniessen nun als Leader die Höhenluft. Die Gefahr besteht, dass sie sich daran berauschen.

GC täte nicht gut daran. Forte weiss das und arbeitet dagegen an. Zu zerbrechlich ist das Gerüst, auf dem die Tabellenführung seines Teams gebaut ist. Da ist zum einen die Offensive, die aus den vielen Chancen noch immer zu wenige Tore produziert. Aber weiter betrifft das auch Bürki, der am Montag den neuen Torlos-Rekord aufstellte und zwei Minuten danach einen Elfmeter festhielt. Er ist fortan der Liebling der Massen.

Lang für Grichting

Nun spielte Bürki zwar bisher meist gut. Aber den grössten Anteil an der defensiven Stabilität tragen seine Vorderleute, sie lassen kaum Torchancen zu. Bürki baut auch in dieser Spielzeit neben guten Aktionen immer wieder Fehlerchen und Fehler in sein Spiel ein: am ersten Spieltag gegen Sion, als er Léo ein Tor schenkte. In St. Gallen, wo er beim Herauslaufen bisweilen Schwächen zeigte. Und vor zwei Wochen rammte er im Stadtderby den FCZ-Stürmer Chermiti so um, dass er sich über einen Elfmeterpfiff nicht hätte beschweren dürfen. «Ich muss noch konstanter werden», sagt er deswegen auch.

Seit Montag haben die Grasshoppers eine weitere Schwachstelle. Vieles hängt bei ihnen von der Gesundheit der neu eingekauften «Achse» ab, das ist bekannt. Nun klafft in dieser ein erstes Mal eine Lücke: Abwehrchef Stéphane Grichting wird der jungen Mannschaft für rund einen Monat nicht helfen können. Er riss sich in der Startphase des Spiels gegen St. Gallen das rechte Aussenband. Michael Lang rückte danach für den Routinier in die Innenverteidigung, Taulant Xhaka spielte rechts in der Viererkette.

Und die neue Formation musste sich gleich beweisen: Weil die Grasshoppers vorne ihre Konter zu schlampig ausspielten, gerieten sie hinten unter Druck. Klammert man den zweifelhaften Elfmeter jedoch aus, kamen die Gäste zu keiner klaren Torchance. Der neuen Abwehrreihe ging zwar die Sicherheit Grichtings ab, doch sie bestand den Stresstest. Forte wird sie wohl auch in Thun so aufstellen, nach der Leistung vom Montag vertraut er ihr. Aber was wäre, wenn sich dazu Vilotic - oder noch schlimmer, Salatic – verletzen?

Heimvorteil Kunstrasen

Fortes Mannschaft soll im Oberland die letzten Leistungen bestätigen. Vergleicht man ihre spielerische Qualität mit dem Thuner Kader, müsste sie die drei Punkte locker einfahren. Das dachten letzte Woche auch schon die Young Boys. Der FC Thun spielte mit Leidenschaft, erzielte zwei späte Kontertore und siegte verdient. Die Leistung in Luzern drei Tage später war zwar deutlich schlechter, doch dies muss für heute nichts bedeuten: Bernard Challandes' Mannschaft holte drei ihrer vier Siege zu Hause. Auf dem nun mehr einzigen Kunstrasen der Liga. Er ist die grosse Thuner Waffe gegen den Tabellenführer. Und der Grund, warum Uli Forte sogar die Favoritenrolle abschiebt.

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