WM 2018
Die FIFA leitet Verfahren gegen Xhaka und Shaqiri ein – SFV verteidigt die Spieler

Am Tag nach den kontrovers diskutierten Jubel-Gesten von Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri im Spiel gegen Serbien stellte sich der SFV vor die beiden Spieler. Für den Verband waren dies keine politische Statements, sondern sehr emotionale Affekthandlungen.

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Sorgten mit dem Jubel nach ihren Toren gegen Serbien für hitzige Diskussionen: Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri

Sorgten mit dem Jubel nach ihren Toren gegen Serbien für hitzige Diskussionen: Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri

KEYSTONE/LAURENT GILLIERON

Der Doppeladler-Jubel von Granit Xhaka und Xherdan Shaqiribeim 2:1-Sieg der Schweiz gegen Serbien bleibt womöglich nicht ohne juristische Folgen.

Wie die FIFA in einem Schreiben mitteilte, leitete sie ein Verfahren gegen die beiden Nationalspieler ein. Auch gegen den serbischen Fussballverband sei ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden und gegen Serbiens Trainer Mladen Krstajic laufe eine Voruntersuchung, so der Weltverband.

In der Meldung des internationalen Verbands steht:

«Die Disziplinar-Kommission der Fifa hat ein Verfahren gegen die Schweizer Spieler Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri wegen dem Tor-Jubel während des Matchs Schweiz gegen Serbien eröffnet. In Zuge des selben Spiels ist auch ein Disziplinar-Verfahren gegen den serbischen Fussballverband eröffnet worden. Dies wegen Fan-Störungen und dem Zeigen von politischen und beleidigenden Messages von serbischen Fans. Weiter ist eine Voruntersuchung gegen den serbischen Nationaltrainer Mladen Krstajic eröffnet worden wegen angeblichen Äusserungen nach dem Match.»

Der Nationalmannschaftsdelegierte Claudio Sulser platzierte am Samstagnachmittag ein Statement, das durchaus als die allfällige Verteidigungsstrategie des SFV angesehen werden kann.

«Der Jubel mit dem Doppeladler war eine spontane Reaktion. Es war eine sehr emotionale Affekthandlung, die nicht mit Wissen und Willen geschehen ist», so der Tessiner über die Jubel-Gesten von Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri, welche den 2:1-Sieg vom Vortag gegen Serbien überlagerten.

Sulser ist Anwalt und hat früher für die FIFA-Disziplinarkommission gearbeitet. Er weiss, was von Seiten des Weltverbandes auf die beiden Spieler Xhaka und Shaqiri zukommen könnte. In der Theorie besteht die Gefahr einer Sperre, weil der Jubel mit den zum albanischen Doppeladler geformten Händen von der FIFA als politische Aussage interpretiert werden könnte.

Claudio Sulser

Claudio Sulser

Keystone

Während Sulser davon ausging, dass der SFV im Falle eines Verfahrens gute Argumente zur Verteidigung der Spieler hätte («Es ist nicht schwarz oder weiss, sondern eine Interpretationsfrage.»), rechnete SFV-Generalsekretär Alex Miescher nicht mit Post der Disziplinarkommission.

Das SFV-Statement vom Nachmittag lautete: «Die Angst ist nicht sehr gross. Man müsste dann aber auch genau hinschauen, was sonst für Gesten kommen, wenn man dies ausdehnt auf Politisches und Religiöses. Das würde dann schnell ziemlich kompliziert.»

Versteckte Kritik an den Serben

Miescher distanzierte sich zwar von politischen und religiösen Zeichen auf dem Fussballplatz, plädierte aber für Verständnis für die beiden Schweizer Nationalspieler mit Wurzeln im Kosovo.

«Es gibt durchaus Momente von grosser Emotionalität, in denen wir als Funktionäre oder als Medien uns nicht vorstellen können, wie sich ein Spieler fühlt. Da war zum einen die sportliche Dramaturgie, und gegen Serbien war es ganz allgemein so, dass sich nicht nur die Schweiz fragen muss, wie eine Prise Politik auf den Rasen kommen konnte. Da hatte es einige Mitspieler.»

Serbischer Protestbrief

Der serbische Verband hat sich mit einem Protestbrief an die FIFA über die Leistung von Schiedsrichter Felix Brych beim 1:2 gegen die Schweiz beschwert. Die FIFA bestätigte den Eingang des Schreibens. Weitere Angaben machte der Weltverband nicht.

Serbische Medien kritisierten Brych scharf. Die schlimmste Entgleisung leistete sich aber Coach Mladen Krstajic. «Ich würde ihn nach Den Haag schicken, damit man ihm den Prozess macht, so wie man uns den Prozess gemacht hat», sagte er vor Journalisten.