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Die europäischen Ligen in der Entscheidungsphase: Nervenkitzel und Langeweile

Die Meisterschaft in den europäischen Ligen neigt sich dem Ende zu. Die Titelfrage ist aber noch lange nicht in allen Ländern geklärt.

Fabian Soland
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Die Anhänger von Leicester freuen sich darauf, «Geschichte zu schreiben».Keystone

Die Anhänger von Leicester freuen sich darauf, «Geschichte zu schreiben».Keystone

KEYSTONE

Die Würfel in der Super League sind gefallen. Der FC Basel wird auch in der laufenden Saison die Meisterschaft gewinnen. Die Vollzugsmeldung ist nur noch Formsache. Doch wie sieht es in den anderen europäischen Ligen aus? Wo wird ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen bis zum Schluss erwartet und wo steht der Meister bereits fest?

Spannung bis zum Ende

Spanien (Primera División): Die momentane Ausgangslage verspricht Hochspannung. Die ersten drei Teams Barcelona (82 Punkte), Atlético Madrid (82 Punkte) und Real Madrid (81 Punkte) trennt drei Runden vor Schluss nur ein mageres Pünktchen. Dass alle drei Mannschaften in den verbleibenden Spielen die maximale Ausbeute von neun Punkten holen, scheint durchaus realistisch. Trifft dieses Szenario ein, darf sich Barcelona zum zweiten Mal in Folge zum spanischen Fussballmeister küren lassen. Das heisst somit, dass Atlético (deutlich schlechteres Torverhältnis als Barcelona) sowie Real Madrid auf einen Fehltritt Barcelonas hoffen müssen. Spannende Entscheidungen in der Primera División sind keine Seltenheit. Bereits in den letzten beiden Jahren entschieden Kleinigkeiten über Triumph und Niederlage. So setzte sich Barcelona 2015 mit zwei Punkten Vorsprung gegen Real Madrid durch und Atlético Madrid in der Saison 2013/2014 mit deren drei gegenüber Barcelona und Real Madrid (punktgleich).

Restprogramm Barcelona: Real Betis (a), Espanyol Barcelona (h), FC Granada (a).

Restprogramm Atlético: Rayo Vallecano (h), Levante DU (a), Celta Vigo (h).

Restprogramm Real: Real Sociedad (a), Valencia (h), Deportivo La Coruna (a).

Kurz vor der Entscheidung

England (Premier League): Die grosse Überraschung könnte schon morgen Tatsache werden. Noch sind in der englischen Premier League drei Runden zu spielen und zwei Teams im Rennen um den Meistertitel. Leicester City (76 Punkte) und Tottenham Hotspur (69 Punkte). Holen die «Foxes» im nächsten Spiel mindestens gleich viele Punkte wie die «Spurs», stehen sie zum ersten Mal in ihrer Vereinsgeschichte als Meister fest. Es wäre die Krönung einer unglaublichen Saison, die so niemand erwartet hat. Erst 2014 stieg Leicester nach 10 Jahren Premier-League-Abwesenheit wieder in die höchste englische Liga auf – und sicherte sich den Klassenerhalt in extremis. Nun steht die Mannschaft von Coach Claudio Ranieri an der Spitze einer der besten Ligen der Welt. Sinnbildlich dafür steht Jamie Vardy. Noch vor vier Jahren kickte er in der fünfthöchsten Liga beim Provinzverein Fleetwood Town. Nun steht er mit Leicester kurz davor, englischer Meister zu werden, hält den Rekord für die meisten Spiele in Folge (11) mit mindestens einem Treffer und hat noch immer die Chance, Premier-League-Topskorer zu werden. Am anderen Ende der Gefühlsskala befindet sich Gökhan Inler. Der als Königstransfer gefeierte Mittelfeldregisseur verfolgt das «Wunder von Leicester» weitgehend von der Ersatzbank aus.

Restprogramm Leicester: Manchester United (a), Everton (h), Chelsea (a)

Restprogramm Tottenham: Chelsea (a), Southampton (h), Newcastle United (a)

Deutschland (Bundesliga): Die gleiche Kombination wie in der Premier League besteht in der Bundesliga. Drei Spielrunden vor Schluss gibt es mit Bayern München (81 Punkte) und Dortmund (74 Punkte) noch zwei mögliche Meisterkandidaten. Und wie in England hat der Zweitplatzierte sieben Punkte Rückstand auf den Leader. Um frühzeitig als Meister festzustehen, müssen die Bayern heute gleich viele Punkte einfahren wie ihr erster Verfolger Dortmund. Dies dürfte für die erfolgsverwöhnte Mannschaft von Pep Guardiola Formsache sein. Das Hauptaugenmerk liegt bei den Bayern auf der Champions League. Sollte Guardiola die Bayern ohne Champions-League-Titel verlassen, wird er als gescheitert gelten – trotz drei Meistertiteln, mindestens einem DFB-Pokalsieg (Final 2016 zwischen Bayern und Dortmund am 21. Mai), einem Super-Cup- und einem Klubweltmeisterschafts-Sieg.

Restprogramm Bayern: Mönchengladbach (h), Ingolstadt (a), Hannover (h).

Restprogramm Dortmund: Wolfsburg (h), Frankfurt (a), Köln (h).

Österreich (Bundesliga): Auch in Österreich können sich noch zwei Teams Hoffnungen auf den Titel machen. Vier Runden vor Saisonende steht Red Bull Salzburg mit 64 Punkten auf Platz eins und Rapid Wien mit 58 Punkten auf Platz zwei. Mittendrin im Meisterrennen sind mit Christian Schwegler und Dimitri Oberlin (beide Salzburg) zwei Schweizer mit ganz unterschiedlichen Rollen. Das 18-jährige Nachwuchstalent Oberlin bestritt die Saison hauptsächlich in der zweiten Mannschaft, kam aber zu zehn Einsätzen (zwei Tore) in der ersten Mannschaft. Der erfahrene Schwegler gehörte nach überstandener Verletzung Anfang Saison zu den Stammkräften in der Verteidigung und absolvierte 18 Partien über die volle Distanz sowie drei Teileinsätze (ein Tor).

Restprogramm Salzburg: Austria Wien (a), Graz (h), Grödig (a), Wolfsberg (h).

Restprogramm Rapid: Grödig (a), Mattersburg (a), Altach (h), Admira Wacker (a).

Der Meister steht fest

Italien (Serie A): Nach dem Sieg gegen die AC Fiorentina konnten es sich die Spieler von Juventus Turin, darunter der Schweizer Stephan Lichtsteiner, am nächsten Tag gemütlich machen und vor dem Fernseher verfolgen, wie ihr letzter Verfolger Napoli gegen die AS Roma mit 0:1 verlor. Somit war klar: Juventus ist drei Runden vor Schluss nicht mehr einzuholen und zum fünften Mal in Serie italienischer Fussballmeister. Beeindruckend ist vor allem, wie dieser Titel zustande kam. Nach zehn gespielten Runden lag die «alte Dame» abgeschlagen auf Rang 12 – 11 Punkte hinter Leader Roma. Seither ging kein einziges Spiel mehr verloren.

Griechenland (Super League): Bereits seit dem 28. Februar 2016 und somit sechs Runden vor Schluss stand Olympiakos Piräus als Meister fest. Die Saison, die seit dem 17. April 2016 beendet ist, war ein Durchmarsch des griechischen Rekord- (43 Titel) und sechsfachen Serienmeisters. 27 Punkte Vorsprung auf das zweitplatzierte Panathinaikos Athen und nur fünf Punkte weniger als das Punkte-Maximum (90 Punkte bei 30 Runden) konnte sich Piräus zu Buche schreiben lassen. Im Gegensatz zu seinem Verein war es für den Schweizer Nationalspieler Pajtim Kasami eine eher durchzogene Saison. In nur gerade zehn von dreissig Partien stand der Mittelfeldspieler über 90 Minuten auf dem Platz, neun Teileinsätze kamen dazu (2 Tore).

Frankreich (Ligue 1): Auch in Frankreich war die Meisterschaft eine One-Team-Show. Paris Saint-Germain sicherte sich den Meisterpokal bereits acht Runden vor Schluss mit einem 9:0-Sieg beim Schlusslicht aus Troyes. Noch nie stand ein Klub in Frankreich früher als Meister fest. Für das Star-Ensemble rund um Zlatan Ibrahimovic ist es der fünfte Meistertitel in Serie und trotzdem wird diese Saison mit einem faden Beigeschmack in die Geschichte eingehen. Denn PSG sehnt sich nach höheren Sphären – namentlich nach einem Erfolg in der Champions League. Doch nach dem Ausscheiden im Viertelfinal gegen Manchester City bleibt einmal mehr nur die Hoffnung. Die Hoffnung auf nächste Saison.

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