EM 2016
Die EM war ein Geldregen für den Gastgeber Frankreich

Der Fussball hat 1,27 Milliarden Euro mehr in der Kasse des Gastgebers gespült: die EM war für Frankreich ein Segen.

Rainer Kalb und Jan Mies
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1,27 Milliarden Euro Gewinn brachte die EM dem Gastgeber Frankreich.

1,27 Milliarden Euro Gewinn brachte die EM dem Gastgeber Frankreich.

Keystone

Mehr Pizza, mehr Bier und mehr Geld: Die EM 2016 war für Frankreich ein Segen. Dank ausländischer Touristen und zahlungskräftiger einheimischer Fans wächst das Bruttoinlandsprodukt um 1,27 Milliarden Euro.

Die Pizza-Kette Domino, der Marktführer im Heimliefer-Service, verkündete stolz, dass bei den Spielen Frankreichs zwischen 18 und 23 Uhr jede Sekunde fünf Pizzas bestellt wurden. Das macht 115 000 pro Abend, ein Zuwachs von 70 Prozent im Vergleich mit normalen Abenden. Die Brauerei Kronenbourg teilte mit, dass sie gegenüber einem herkömmlichen Juni/Juli 40 Millionen Liter mehr von ihrem Gebräu verkauft hat. Die Hotels in Nizza und Lille melden eine Buchungsquote von 90 Prozent. In Nizza waren die Hotels an Spieltagen zu 100 Prozent ausgebucht, in Lille bis zu 95 Prozent.

Nathalie Hénaff, Wirtschaftsbeauftragte am Zentrum für Recht und Wirtschaft im Sport an der Universität von Limoges, resümierte: «Wir hatten mit 40 Prozent ausländischer Touristen gerechnet. Am Ende waren es 60 Prozent der 2,5 Millionen in den Stadien. Und dabei haben wir noch keine Auswertung über die Fanzonen, die in der Regel gut besucht waren.»

Es geht auch ohne Platini

Allerdings beklagt Frankreich auch einen Steuer-Ausfall von 150 bis 200 Millionen Euro – Zugeständnisse an die Europäische Fussball-Union Uefa. Dafür wurden für die EM 100 000 neue Jobs geschaffen, 20 000 davon für den Bau oder die Renovierung der Stadien. Bleiben sollen am Ende 25 000 Vollzeit-Arbeitsplätze. Grösster Gewinner aber sind die Sponsoren des Turniers. Sie schöpfen 50 Millionen ab, ohne sie in Frankreich zu versteuern.

Michel Platini blieb derweil unsichtbar. In seinem Wohnzimmer, im Bistro an der Ecke, wo auch immer – den Final der EM zwischen seinen Franzosen und Portugal verfolgte der für vier Jahre gesperrte Uefa-Präsident schon, aber trotz Einladung nicht im Stade de France von St- Denis. Für die Uefa, und das wird den 61-jährigen Platini wohl am meisten kränken, ist das nicht weiter schlimm.

«Ohne seine Vision und Unterstützung in den vergangenen fünf Jahren wäre die EM nie so ein Erfolg geworden», erklärte Interimsgeneralsekretär Theodore Theodoridis zwar am Freitag mit viel Pathos. Die Bilanz-Pressekonferenz der Uefa machte aber überdeutlich: Die EM 2016 hat im Grundsatz funktioniert. Ohne Platini.

Schon allein finanziell gesehen war das Turnier ein Erfolg – und eine Goldgrube: Einnahmen in Höhe von 1,93 Milliarden Euro stehen nur 1,1 Milliarden Euro Ausgaben gegenüber (der Gewinn beträgt 830 Millionen Euro). «Wir sind sehr zufrieden», sagte Turnierdirektor Martin Kallen.

Auch Platini hatte sein Turnier, an dem er als Funktionär wegen der Sperre durch die Fifa-Ethikkommission nicht teilnehmen durfte, verteidigt. Es war schliesslich das letzte Mal nach altem Vorbild. Die WM 2018 wird im krisengeschüttelten Russland gespielt. Bei der EM 2020 gibt es 13 Gastgeber, worüber sich bislang nur die Reiseunternehmen freuen. Zwei Jahre später wird die WM erst im Winter gespielt – in der Wüste von Katar.

Diskutiert wurde in Frankreich aber auch. Der Modus nach der Aufstockung auf 24 Teams, die Torarmut in der Vorrunde, die wenig attraktiven Spiele – dieUefa-Offiziellen mussten sich verteidigen. «Es ist immer sehr schön, ein bis zwei Cinderella-Storys pro Turnier zu haben»,sagte Theodoridis: «Dieses Mal waren es Wales und Island.»