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Die Einzelkritik: Gefühlte 90 Prozent Ballbesitz, aber richtig gut war keiner

Die Enttäuschung war bei den Nati-Spielern nach dem 0:0 ins Gesicht geschrieben. Von einer schwachen Leistung mochte zwar keiner sprechen, dafür haderten sie mit der ungenügenden Chancenauswertung. Die Einzelkritik der Spieler in der Übersicht.

René Weber aus Nikosia
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Xherdan Shaqiri verpasste gleich mehrere 100-prozentige Chancen
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Haris Seferovic, der Eren Derdiyok vorgezogen wurde, konnte trotz guten Ansätzen nicht überzeugen
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Die Schweiz spielt auswärts in Zypern nur 0:0

Xherdan Shaqiri verpasste gleich mehrere 100-prozentige Chancen

Keystone

Das Ambiente in der Garage des GSP-Stadions, in der die Schweizer Nationalspieler nach dem 0:0 gegen Zypern den Medienvertretern Auskunft erteilten, war kalt und grau. Irgendwie war dies passend zur Leistung, die sie zuvor abgeliefert hatten. Entsprechend düster war das Bild, welches Xherdan Shaqiri und Co. abgaben.

Eren Derdiyok, der eine Viertelstunde vor Schluss eingewechselt worden war, sprach mit hängendem Kopf von einem «vergebenen Big Point. Es ist einfach nur schade».

Die Schweiz habe ihre zahlreichen Möglichkeiten nicht ausnützen können, sagte auch Haris Seferovic, der anstelle Derdiyoks in der Startaufstellung gestanden hatte.

«Ich bin sehr, sehr enttäuscht. Wir hätten die drei Punkte verdient gehabt. Aber wir waren im Abschluss einfach zu wenig konsequent», so Seferovic.

Im Gegensatz zum Resultat beurteilte der bei Novara Calcio in der Serie B spielende Luzerner seine persönliche Leistung positiv: «Über das gesamte Spiel bin ich mit mir zufrieden. Ich bin viel gelaufen und habe dem Team geholfen. Was fehlte war der Treffer - schade. Möglichkeiten hatte ich einige.»

Speziell über seine letzte Chance, als er kurz vor Spielende den Ball aus der Nahdistanz nicht am zypriotischen Torhüter vorbeibrachte, ärgerte er sich. «Die hätte ich einfach machen müssen», erklärt Seferovic.

Emeghara: «Egal wie, wir hätten gewinnen müssen»

Frustriert war Innocent Emeghara, der auf der Position als Nummer 10 begonnen hatte, dort aber wenig bewirken konnte und nach der Pause in der Garderobe bleiben musste.

«Heute war nicht mein Spiel. Trotzdem hätte ich gerne weitergespielt. Dann hätte ich das, was ich nicht gut gemacht habe, in der zweiten Halbzeit bestimmt besser gemacht.»

Emeghara sprach von einem insgesamt schwierigen Spiel, einem hartnäckigen Gegner und davon, dass die Schweiz mehrere hundertprozentige Möglichkeiten nicht habe verwerten können. «Egal wie, hier hätten wir gewinnen müssen - und das wäre auch verdient gewesen», so Emeghara.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge beurteilte Yann Sommer, der in Nikosia den gesperrten Diego Benaglio zwischen den Pfosten vertreten hatte, das Spiel und seine eigene Leistung.

«Ich war nicht nervöser als vor jedem Spiel mit dem FC Basel. Mir ist es dann auch nicht schlecht gelaufen. Dass ich kein Gegentor hinnehmen musste, freut mich natürlich, lieber hätte ich aber 3:2 gewonnen», so der Basler.

Mit dem 0:0 könne die Schweiz nicht zufrieden sein, auch wenn sie ihre Ungeschlagenheit in der WM-Qualifikation wahren konnte.

«Wir hatten gefühlte 90 Prozent Ballbesitz und mehrere ausgezeichnete Möglichkeiten. Leider haben wir es verpasst, den Sack zuzumachen», so Sommer.

Er sei in einigen Momenten nahe der Verzweiflung gewesen. «Die Zyprioten haben nur auf Konter gespielt. Einzig beim Pfostenschuss hatten sie auch ein wenig Pech.» Insgesamt hätten die Schweizer den Gegner im Griff gehabt und könnten deshalb «mit dem einen Punkt nicht zufrieden sein», so Sommer.

Die Einzelkritik der Nati-Spieler

Yann Sommer (Note: 5, der Beste)
Richtig gut war keiner. Immerhin war Sommer zur Stelle, wenn er gebraucht wurde, und erledigte seine Pflicht.

Stephan Lichtsteiner (3,5)
Erstaunlich matt. Wenig gelungene Läufe, schwache Flanken. Immerhin defensiv gewohnt solid.

Johan Djourou (4,5)
Zog sich bei einem Zusammenprall eine Kopfverletzung zu und musste raus. Zuvor gute Partie. Ohne Fehler.

Steve von Bergen (4,5)
Wie seine Partner zumeist solid. Anfangs teilweise unnötiges Risiko. Konnte das Spiel nicht ankurbeln.

Ricardo Rodriguez (3,5)
Zu Beginn unsicher. Steigerte sich mit jeder Minute. Allerdings keine brauchbaren Flanken.

Valon Behrami (3)
Kämpferisch gut, baute aber ab. Seine Pässe in die Spitze waren zu wenig präzis. War in den ersten Spielen besser.

Gökhan Inler (3)
Sein schwächstes Länderspiel seit langem. Kaum Ideen, Ungenauigkeiten im Passspiel, dazu einige Ballverluste.

Xherdan Shaqiri (3)
Hat er das Toreschiessen verlernt? Hätte das Spiel in die gewünschten Bahnen lenken können. Müssen. Mehrmals.

Innocent Emeghara (3,5)
Offensiv in Ordnung, Killerinstinkt alleine vor dem Tor fehlte. Viele unnötige Ballverluste in der eigenen Platzhälfte.

Valentin Stocker (4,5)
Zu Beginn viel Zug zum Tor, gute Übersicht. Hätte ein Tor verdient. In der zweiten Halbzeit wie alle abgebaut.

Haris Seferovic (4,5)
Startelf-Debüt gelungen. Viele Balleroberungen, gute Pässe. Nach der Pause unsichtbar. Bis er den Matchball vergab.

Granit Xhaka (4)
Kam in der Pause für Emeghara rein. Offensiv wirkungslos, als Ballverteiler immerhin einige gelungene Aktionen.

Philippe Senderos (4,5)
Kam für den verletzten Djourou. Defensiv unterfordert. Seine Tore von 2005 hätte es gebraucht.

Eren Derdiyok (-)
Kam in der 76. Minute für Behrami. Zu kurzer Einsatz
für eine Bewertung.

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