Abstiegsdrama

Die Canepas lassen ihren FC Zürich nicht hängen

„Den Satz, ich übernehme die Verantwortung und trete zurück, werden Sie von mir nie hören“, sagt FCZ-Präsident Ancillo Canepa am Freitagmittag, eineinhalb Tage nachdem sein Klub in die Challenge League abgestiegen ist.

Ansonsten redet Canepa viel, sagt aber wenig. Immerhin lässt er durchblicken, dass das System Canepa als Alleinherrscher, als Präsident und Sportchef in Personalunion, gescheitert ist. Canepa will zumindest bei der Aufarbeitung der Abstiegs-Saison externe Personen beiziehen, „die eine gewisse Distanz zum Klub und zu mir haben“.

Die Frage, ob er künftig einen Sportchef einsetzen wird, lässt er unbeantwortet. „Wir werden über die Strukturen nachdenken und diese eventuell verbessern. Wird der Sportchef Canepa vom Präsidenten Canepa nun entlassen? „Nein, bestimmt nicht. Wie gesagt, wir werden uns jetzt Gedanken über die Strukturen machen. Egal zu welchem Schluss wir kommen: Ich werde mich nicht aus sportlichen Belangen raushalten.“

Rücktritt ausgeschlossen: Anchillo Canepa will FCZ-Präsident bleiben

Rücktritt ausgeschlossen: Anchillo Canepa will FCZ-Präsident bleiben

Bleibt alles beim alten? FCZ-Präsident Anchillo Canepa schliesst einen Rücktritt aus. Zwei Tage nach dem Ausscheiden aus der Superleague gibt sich der umstrittene Boss des FC Zürich kämpferisch.

Anpassen wird der FCZ auf jeden Fall die Ticketpreise und die Sponsoring-Ansätze. Wobei der FCZ bis dato noch keinen Hauptsponsor für die neue Saison hat.

Auch was das Kader betrifft, ist noch vieles ungewiss. Nur die Verträge des russischen Altstars Alexander Kerschakow, des langjährigen Aussenverteidigers Philippe Koch und des brasilianischen Missverständnisses Vinicius laufen aus.

Alle anderen Spieler haben laufende Verträge ohne Ausstiegsklausel. Und weil Canepa es versäumt hatte, eine Challenge-League-Klausel in die Verträge einzubauen, werden die Spieler die gleichen Gehälter beziehen wie in der Super League. Weil die Mehrzahl der Spieler auf dem Markt nicht begehrt sind, respektive andernorts nie den FCZ-Lohn kassieren würden, wird die Kaderbereinigung für Canepa extrem schwierig. In diesem Zusammenhang wirkt seine Aussage „wir können die Kaderplanung nun nach wirtschaftlichen und sportlichen Gesichtspunkten vorantreiben“ etwas gar naiv.

Anchillo Canepa gibt Fehler zu

Anchillo Canepa gibt Fehler zu

Der FCZ-Präsident gibt zu, in der vergangenen Saison Fehler gemacht zu haben. Es gehe jetzt aber nicht um Schuldzuweisungen, sagt der umstrittene Präsident weiter.

Die Trainerfrage, ob Uli Forte bleibt, will Canepa aus Rücksicht auf die Vorbereitung des Cupfinals vom kommenden Sonntag gegen Lugano erst mal hinten anstellen.

„Jetzt geht es auch um die Verantwortung“, begründet Canepa die Fortsetzung seiner Tätigkeit. „Den Satz, ich übernehme die Verantwortung und trete zurück, werden Sie von mir nie hören. Im Gegenteil. Der FCZ wir wieder zum Erfolg zurückkehren. Klar ist: Einen Profiklub in der Schweiz zu führen und zu finanzieren ist eine Herkulesaufgabe.“ Zur Erinnerung: Das Ehepaar Canepa hält 90 Prozent der Aktien.

Gab es in den letzten Jahren Menschen, die den FCZ übernehmen wollten? „Ja“, sagt der 63-Jährige. „Kurzfristig ist indes kein Verkauf geplant. Aber ich werde die Aktien auch nicht mit ins Grab nehmen.“

Zu welchem Preis würden Sie überhaupt verkaufen? Canepa: „Ich sage nur: Ein Fussballklub hat beträchtliche stille Reserven in Form von Spielern, die er selbst ausgebildet hat. Das hat seinen Preis. Vor ein paar Jahren hat mir jemand das absurde Angebot gemacht, die Aktien für einen Franken zu verkaufen.“ Sind Sie denn bereit, die Aktien breiter zu streuen? „Ich habe immer gesagt: Leute, die sich dafür interessieren, sind herzlichst willkommen, sich bei mir zu melden“, sagte Canepa, erhob sich und schob ein „drücken Sie uns etwas den Daumen für Sonntag“, ein.

Der Weg in den Cupfinal

Am Sonntag steht der diesjährige Absteiger FCZ im Letzigrund gegen den letztjährigen Aufsteiger Lugano im Schweizer Cupfinal. 

FC Lugano:

1. Runde: Castello (2. Liga interregional) - Lugano 0:2. - Sechzehntelfinals: Bellinzona (2. Liga interregional) - Lugano 2:3 n.V. - Achtelfinals: Winterthur - Lugano 0:2. - Viertelfinals: Lugano - Köniz (Promotion League) 2:0 n.V. - Halbfinals: Luzern - Lugano 1:2.

FC Zürich: 

1. Runde: Tavannes/Tramelan (2. Liga interregional) - Zürich 1:6. - Sechzehntelfinals: Wohlen - Zürich 0:1. - Achtelfinals: Young Boys - Zürich 1:3. - Viertelfinals: Thun - Zürich 1:4. - Halbfinals: Sion - Zürich 0:3.

Das Palmares der Finalisten:

FC Lugano:

Dreimal Schweizer Meister: 1938, 1941, 1949. Dreimal Cupsieger: 1931, 1968, 1993.

FC Zürich:

Zwölfmal Schweizer Meister: 1902, 1924, 1963, 1966, 1968, 1974, 1975, 1976, 1981, 2006, 2007, 2009. Achtmal Cupsieger: 1966, 1970, 1972, 1973, 1976, 2000, 2005, 2014.

Autor

François Schmid-Bechtel

François Schmid-Bechtel

Meistgesehen

Artboard 1