Bibiana Steinhaus
Die Bundesliga tanzt nach ihrer Pfeife

Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus wird als erste Frau Bundesliga-Spiele leiten – ein Meilenstein im deutschen Fussball.

Elisabeth Huther
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Bibiana Steinhaus.key

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Bibiana Steinhaus würde am liebsten «anonym» bleiben. «Keine, dann ist alles gut», antwortete die Schiedsrichterin auf die Frage, welche Überschrift sie nach ihrem ersten Einsatz in der Fussball-Bundesliga gerne lesen würde. Am Wochenende ist es so weit: Sie leitet das Spiel Hertha BSC gegen Werder Bremen. Schon ihre Medienpräsenz im Vorfeld des Debüts macht deutlich, dass ihr Wunsch sicher nicht in Erfüllung gehen wird.

Schliesslich wird Bibiana Steinhaus eine der letzten Männer-Festungen zu Fall bringen. Dabei war das gar nicht ihr Ansinnen. «Ich hatte nie vor, einen Emanzipationsweg zu beschreiten. Ich tue nur, was ich liebe», erklärte die 38-Jährige.

Dabei war der Ausgangspunkt ihrer Karriere durchaus ungewöhnlich. Denn eigentlich sollte aus Steinhaus eine Schwimmerin werden. «Ich war mit meiner Mutter ein Kleid für den Abschlussball aussuchen, passte aber in keines richtig rein», sagte sie: «Ich bin damals leistungsmässig geschwommen und hatte den typischen Körper einer Schwimmerin mit breiten Schultern. Das war der Moment, in dem ich entschieden habe, nicht mehr ins Wasser zu gehen.»

Es folgte eine imposante Laufbahn als Unparteiische. Sechsmal war Steinhaus Schiedsrichterin des Jahres, sie leitete in Deutschland 80 Zweitliga-Spiele, und seit 2009 ist sie bei zahlreichen Frauen-Turnieren im Einsatz, zuletzt bei der EM in den Niederlanden.

Nach zehn Jahren in der 2. Liga steigt sie nun in die Bundesliga auf. Für Schiedsrichterchef Lutz Michael Fröhlich war es «einfach an der Zeit», dass die Polizeihauptkommissarin den Sprung in die Eliteklasse schafft. Das höhere Tempo bereitet Steinhaus keine Sorgen. «Ich habe noch intensiver gearbeitet, eine Schippe draufgelegt.» Bis Steinhaus irgendwann bei einer Männer-WM aufläuft, ist es noch ein sehr weiter Weg.

Doch der erste Schritt dahin wird am Wochenende gemacht: Dann tanzen die Bundesliga-Profis erstmals nach ihrer Pfeife.