Wettskandal
Die Bundesanwaltschaft wusste über getürkte Spiele Bescheid

41 - so hoch ist die Anzahl Spiele, die im Zeitraum von 2008 bis 2011 in der Schweiz verschoben worden sind. Die Bundesanwaltschaft hatte Kenntnis von sämtlichen angeblich manipulierten Partien. Warum hat sie das nicht öffent

Von Sebastian Wendel, Etienne Wuillemin und Markus Brütsch
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Die Zahl der manipulierten Spiele in der Schweiz ist deutlich höher als angenommen (Symbolbild)

Die Zahl der manipulierten Spiele in der Schweiz ist deutlich höher als angenommen (Symbolbild)

Keystone

Genannt hat die Zahl Andreas Bachmann von der Staatsanwaltschaft Bochum an der gestrigen Pressekonferenz von Europol. Eine Zahl, die überrascht: Denn bis gestern waren der Schweizer Öffentlichkeit nur 28 manipulierte Spiele bekannt.

Bei den Ermittlungen im Jahr 2009 standen vor allem Partien aus der Challenge League unter Verdacht sowie das Europa-League-Spiel zwischen dem FC Basel und Levski Sofia und das U21-EM-Qualifikationsspiel zwischen der Schweiz und Georgien. Seither wurden fünf Fussballer zu bedingten Geldstrafen verurteilt, vier weitere - darunter David Blumer, Christian Leite und Darko Damjanovic - im letzten November wegen mangelnder Beweislage vor dem Bundesgericht freigesprochen.

Von den restlichen 13 Spielen wusste man hierzulande bis gestern nichts - zumindest nicht in der Öffentlichkeit. Die Bundesanwaltschaft hingegen hatte Kenntnis von sämtlichen 41 angeblich manipulierten Partien; nicht anders ist ihre Stellungnahme auf die entsprechende Anfrage der «Nordwestschweiz» zu deuten: «Soweit die Schweiz betroffen ist, handelt es sich um der Bundesanwaltschaft bereits bekannte Spiele, welche zum Teil im letzten Herbst zur Anklage geführt haben.»

Überraschte Schweizer

Der Schweizer Fussballverband äussert sich unwissend und zurückhaltend zu den neusten Enthüllungen rund um den Wettskandal, solange er nicht über genauere Informationen seitens der Ermittler verfügt. Präsident Peter Gilliéron hat unmittelbar vor dem Abflug der Schweizer Delegation nach Athen davon erfahren - am Mittwoch trifft die Nati dort in einem Testspiel auf Griechenland. «Ich habe es nur gelesen, weiss noch nicht mehr. Ich bin überrascht und warte auf Informationen. Sobald wir diese haben, werden wir reagieren», so Gilliéron.

Er ist Mitglied des Uefa-Exekutivkomitees und hat aus dessen Reihen bislang nichts Neues über den Wettskandal gehört. Marco von Ah, der Kommunikationschef des SFV, ergänzte die Aussagen des Präsidenten: «Wissen wir mehr, werden wir die Schuldigen mit aller Kraft zur Rechenschaft ziehen. So, wie das im bereits vom Bochumer Landgericht abgehandelten Wettskandal von 2009 geschehen ist.»

Swiss Football League überrascht

Auch bei der Swiss Football League zeigte man sich über die Meldungen von Europol vollkommen überrascht. «Wir haben bis zum jetzigen Zeitpunkt von Europol keinerlei Informationen erhalten», sagte ihr Sprecher Philippe Guggisberg gestern Nachmittag. Dass 41 Spiele der Schweizer Meisterschaft davon betroffen seien, liess ihn aus allen Wolken fallen.

Europol-Direktor Wainwright kündigte an, den gestern präsentierten Bericht an den europäischen Fussballverband Uefa weiterzuleiten. Dieser reagierte mit einer Stellungnahme: «Die Uefa ist sich über das Manipulations-Problem im Klaren. Wenn wir die Details des Berichts erhalten, werden unsere zuständigen Disziplinar-Organe die notwendigen Schritte prüfen.»

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