Serbien

Deutschland: Nun droht sogar das frühe Aus

Der Schock sitzt tief. Deutschland verliert gegen Serbien mit 0:1 und muss nun Ghana schlagen, um in die Achtelfinals zu kommen.

Jogi Löw

Der Schock sitzt tief. Deutschland verliert gegen Serbien mit 0:1 und muss nun Ghana schlagen, um in die Achtelfinals zu kommen.

Der Euphorie folgt der Katzenjammer. Nach dem Sieg gegen Australien unterlag Deutschland gegen Serbien 0:1 (0:1). Damit muss Deutschland den letzten Gruppengegner Ghana unbedingt schlagen.

Thomas Niklaus, Port elizabeth

Joachim Löw war kaum zu beruhigen. Der Bundestrainer schrie, er tobte, er schmiss Wasserflaschen, und als das Spiel zu Ende war, hatte er endgültig genug von seiner Mannschaft und vom Geschehen auf dem Platz. Beim Abpfiff machte Löw auf dem Absatz kehrt, winkte verärgert ab und stürmte in den Kabinengang.

Auf das Abklatschen mit dem Trainer mussten die deutschen Spieler verzichten. Gegen Ghana geht es nun darum, mit einem Sieg das erste Vorrunden-Aus einer DFB-Auswahl bei einer WM-Endrunde zu verhindern. «Diese Situation wollten wir nicht haben», sagte Löw.

Gegen Serbien verlor Deutschland nicht nur das Spiel. Es verlor auch Miroslav Klose durch einen Platzverweis, und es verlor seinen Zauber, den es im ersten Gruppenspiel beim 4:0 gegen Australien ausgestrahlt hatte. Gleich nach Gelb-Rot für Klose geriet Deutschland durch Milan Jovanovic in Rückstand, doch selbst in Unterzahl hätte es beinahe zum Ausgleich gereicht.

Sami Khedira aber traf nur die Latte, und Lukas Podolski vergab ziemlich kläglich einen Handselfmeter. «Im Abschluss war es für uns nicht der glücklichste Tag», erklärte Löw. «Wir haben es in der eigenen Hand, die Achtelfinals zu erreichen, dass wir jetzt mehr unter Druck sind, ist klar», betonte Löw. Und ergänzte: «Wir haben genug Qualität. Wir dürfen den Kopf nicht hängen lassen. Wir werden die nächste Runde erreichen.»

Keine Zweifel

Um den Spielern Mut zu machen, eilte DFB-Präsident Theo Zwanziger in die Kabine. Löw und Zwanziger sahen dort in frustrierte Gesichter. «Die Mannschaft ist momentan enttäuscht und auch etwas niedergeschlagen», berichtete der Bundestrainer. Dennoch hat er keinen Zweifel an den Spielern, keinen Zweifel am Weiterkommen. Die Mannschaft, beteuerte Löw, «hat auch die Willenskraft, die nächste Runde zu erreichen».

Eine Leistungssteigerung ist gegen Ghana dringend geboten. Gegen die gewiss nicht übermächtigen Serben, die das erste Spiel gegen Ghana verloren hatten, kam die deutsche Mannschaft nicht ins Spiel. Der Spielaufbau war lange eher behäbig, Kombinationen blieben im Ansatz stecken, Flanken flogen ins Nirgendwo.

In der zweiten Halbzeit stimmte in Unterzahl der Einsatz – doch nicht einmal ein Elfmeter. «Beim heutigen Spiel ist viel gegen uns gelaufen», sagte Löw. Und zählte auf: gelb-rote Karte, unmittelbar danach das 0:1, viele vergebene Chancen in der zweiten Halbzeit, der Elfmeter-Fehlschuss, «natürlich war das nicht einfach wegzustecken».

Hinzu kamen auch Probleme wie jene von Holger Badstuber. Der hatte auf seiner linken Seite den flinken Milos Krasic nicht im Griff, vor allem nicht beim Tor: Krasic flankte in die Mitte auf den 202 Zentimeter langen Nikola Zigic, der vom 32 Zentimeter kleineren Lahm und Mertesacker bewacht wurde, Zigic köpfelte in die Mitte, der ungedeckte Jovanovic drückte den Ball über die Linie.

Genug Chancen

Nach der Pause zogen sich die Serben zurück, Löw peitschte seine Mannschaft nach vorne. Doch mit der Chancenverwertung haperte es. Vor allem Podolski sündigte, scheiterte vor dem Penalty zweimal freistehend. Unverständlich, dass er dennoch zum Elfmeter antrat. Danach kam trotz der Einwechslung von Cacau, Mario Gomez und Marko Marin nur noch wenig. Die Serben besassen bis zum Abpfiff gute Chancen, weitere Treffer zu erzielen.

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