Florenz
Deshalb wollen die Fiorentina-Fans Sousa nicht als Trainer

«Willkommen in der Hölle»: Schon vor der Bekanntgabe, dass Sousa neuer Fiorentina-Trainer ist, heissen ihn die Fans alles andere als herzlich willkommen ...

Céline Feller
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Fiorentina-Fans sind wenig erfreut über ihren neuen Trainer
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Doch nicht nur Hauswände, auch Böden...
...oder Briefkästen sind mit dem Schriftzug «verziert», der Sousa als «Buckligen» beschimpft.
Andere Schriftzüge begrüssen Sousa ganz herzlich mit «Willkommen in der Hölle».

Fiorentina-Fans sind wenig erfreut über ihren neuen Trainer

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Wirklich beliebt war Paulo Sousa bei den Fans des FC Basel nie. Zu distanziert, zu kalt, nicht herzlich. Und nicht deutschsprechend. Auch die guten Resultate, das Erreichen der Champions-League-Achtelfinals und der Gewinn des Meistertitels konnten dies nie ändern.

Manch ein Fan gibt auch zu, nicht unbedingt traurig zu sein, dass er den FCB verlassen wird. Keine schöne Tatsache für Sousa.

Doch dass es noch schlimmer geht, hätten wohl die Wenigsten gedacht. Doch es geht. Und wie. Noch nicht einmal offiziell als Trainer der AC Fiorentina vorgestellt, wird er schon wieder weggewunschen. «Sousa gobbo di merda», also «Scheiss-Buckliger», wurde heute riesig an eine Hauswand mitten in Florenz gesprayt.

In der Stadt zieren Briefkästen, andere Wände oder Böden weitere Schriftzüge wie «Sousa du Buckliger» oder «Willkommen in der Hölle.» Gezeichnet sind die Beschimpfungen immer mit der Jahreszahl 1926, dem Gründungsjahr der AC Fiorentina.

Die buckligen Turiner

Wollen gegnerische Fans die Anhänger von Juventus Turin beschimpfen, nennen sie sie «gobbo», was auf deutsch so viel wie «Buckliger» heisst. Der Grund dafür beruht auf der Tatsache, dass die Trikots von Juve in den 1950er Jahren einen Buckel auf dem Rücken der Spieler formten, sobald diese zu rennen begannen.

Doch was haben die Tifosi schon vor Amtsantritt für ein Problem mit dem Portugiesen?

Eigentlich gibt es darauf eine ganz simple Antwort: Sousa spielte von 1994 bis 1996 für einen Ligakonkurrenten Fiorentinas: Juventus Turin. Und die Geschichte zwischen Juve und Fiorentina ist, gelinde gesagt, bewegt.

Fast 400 Kilometer trennen die beiden Städte und damit die beiden Vereine. Und dennoch sind die beiden mit die grössten Rivalen im italienischen Fussball. Treffen die beiden Mannschaften aufeinander, ist es immer mehr als nur ein Spiel. Es ist eines der heissesten Derbys der Serie A. Wenn nicht gar das Heisseste. Seit 32 Jahren prägen Hass und Wut diese Partien.

Gestohlene Titel und grässliche Botschaften

Doch was liegt dieser tiefen Abneigung und der grossen Rivalität zugrunde, wenn nicht die geografische Nähe?

Zum einen stehen zwei gestohlene Meisterschaften zwischen den Vereinen. Im Kampf um den Meistertitel der Saison 1981/1982 kommt es zu einem Showdown am letzten Spieltag. Juve spielt gegen Catanzaro und Fiorentina gegen Cagliari. Am Ende holt Juve den Scudetto, weil ein glasklarer Penalty gegen sie nicht gepfiffen wird – und Fiorentina gleichzeitig ein Tor aberkannt wird, das hätte zählen müssen.

Fortan schimpfen die Fans der Fiorentina, man habe ihnen den Titel geklaut. «Meglio secondi che ladri» (Lieber Zweiter als ein Dieb) wird in den Wortschatz der AC-Fans aufgenommen. Doch es ist erst der Anfang der Abneigung zwischen den beiden Fanlagern.

Denn war es zu dieser Zeit noch einseitiger Hass, machten sich die Fiorentina-Fans mit einer äusserst makaberen Botschaft unbeliebt. Am 30. Mai 1985 verlieren beim Heyseldrama, einer der dramatischsten Stadion-Katastrophen, 39 Juve-Fans ihr Leben. Und was machen die Fiorentina-Fans? Statt dem Feind zu kondolieren, basteln sie Plakate mit der Aufschrift «39 Bucklige weniger».

Von nun an dominiert nur noch Hass. Hinzu kommen noch ein Uefa-Cup-Finale, in dem Fiorentina dem Feind Juve unterliegt, und ein Transfer von Roberto Baggio, dem Hoffnungsträger von Fiorentina, zum Erzrivalen aus Turin.

Dass Sousa keines dieser Ereignisse als Juve-Spieler erlebt hat, weil sie sich alle vor seiner Zeit als Spieler der Alten Dame abspielten, ist egal. Für die Fiorentina-Fans bleibt er ein «gobbo». Dieses Bild zu ändern, würde einen sehr langen Sousaschen Prozess erfordern.