Es sind gerade ziemlich aufregende Tage für Michael Lang. Seit vergangenem Mittwoch weiss er, dass er mit dem Schweizer Nationalteam den WM-Achtelfinal gegen Schweden bestreitet. Nun wechselt er kurz davor auch noch den Verein.

Am Freitag wurde offiziell, was schon lange Gegenstand von Spekulationen war. Lang verlässt den FC Basel in Richtung Bundesliga. Borussia Mönchengladbach heisst sein neuer Verein. Der 27-jährige Ostschweizer unterschrieb einen Vertrag bis 2022.

Basel erhält gut drei Millionen Franken Ablösesumme. Um über seinen Wechsel zu reden, dafür reichte Langs Energie am Freitag nicht mehr. Er hinterliess einige PR-Statements und Floskeln via Klub-TV («ich werde ewig mit dem Verein verbunden bleiben»).

Die Schweizer Kolonie in Mönchengladbach wächst damit weiter. Ab nächster Saison stehen fünf Nationalspieler bei den «Fohlen» unter Vertrag. Sommer, Elvedi, Zakaria und Drmic heissen die künftigen Teamkollegen, die Lang bereits jetzt an der WM um sich herum hat.

Herausragende Schweizer Jugendarbeit

Erst kürzlich hat Gladbachs Sportdirektor Max Eberl in der «Schweiz am Wochenende» erklärt, warum er Schweizer Fussballer derart mag. «Die Schweizer Jugendarbeit im letzten Jahrzehnt war herausragend. Man spürt, da ist etwas gewachsen.»

So richtig Fahrt aufgenommen hat die Karriere von Lang bei GC. Erst unter Ciriaco Sforza, dann unter Uli Forte hat er sich zum dominierenden Rechtsverteidiger der Super League entwickelt. Der Wechsel zum FC Basel war folgerichtig.

Und auch in Rotblau fand sich Lang rasch zurecht. Imponierend ist nicht zuletzt seine offensive Wirkung. Zehn Tore erzielte er für den FCB in der vergangenen Saison, darunter drei in der Champions League. Mario Gavranovic ist der einzige Nationalspieler, der in seinem Klub erfolgreicher war.

Im Nationalteam profitiert er nun von der Sperre von Lichtsteiner. Das Fehlen des Captains ist zwar wegen dessen Siegeswille und Leidenschaft auf dem Platz ein herber Verlust. Doch sportlich gesehen ist Lang ebenbürtig. Auf dem Feld harmonierte er bei seinen letzten Nati-Einsätzen ausgezeichnet mit Xherdan Shaqiri. Gerade gegen defensive Teams (wie zum Beispiel Schweden) kann Lang eine Waffe sein.

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An Akzeptanz gewonnen

Dass er während vieler Jahre hinter Captain Lichtsteiner anstehen muss, war für Lang nie ein Problem. «Ich war nie frustriert und werde es nicht sein», sagte er zu Beginn des WM-Camps in der Schweiz. «Natürlich ist es einfacher, zu akzeptieren, wenn ein Spieler wie Lichtsteiner vor mir steht. Er hat schliesslich die beste Karriere von uns allen gemacht.» Das Spiel gegen Schweden wird nun zum verdienten Karriere-Highlight.

Über die Jahre hat Lang festgestellt, dass er im Team trotz seiner Rolle als Ersatzspieler an Akzeptanz gewonnen hat. «Vor vier Jahren bin ich mit grossen Augen nach Brasilien gereist und habe alles wie ein Schwamm aufgesaugt», sagt er, «nun spüre ich von überall her Vertrauen. Nur wenn das der Fall ist, kann man auch etwas zurückgeben.»

Wie Lang über Wechsel und WM-Achtelfinal denkt, blieb am Freitag offen. Dafür lud der Schweizer Fussballverband mit dem am Donnerstag Vater gewordenen Breel Embolo zu einer Baby-Medienkonferenz. Um 22.15 Uhr Ortszeit.