Gerade einmal 3.6 Millionen Euro bekam der FC Bayern München im Jahr 1988 für Lothar Matthäus von Inter Mailand überwiesen. 2 Millionen zahlten die Bayern vier Jahre später für die Rückhol-Aktion des Weltmeister-Captains von 1990 und Weltfussballers von 1991.

Nur eine Generation später erhält man im internationalen Fussball für drei Millionen niemanden mehr, der sich bereits einen Namen gemacht hat. Nein, es werden sogar Unsummen für Spieler investiert, die höchstens eine Option für die Zukunft darstellen könnten.

Die 10 teuersten Transfers aller Zeiten

Auch in der aktuellen Transferperiode nimmt der Wahnsinn seinen Lauf. 38 Millionen bezahlte Manchester United für den 22-jährigen ivorischen Innenverteidiger Eric Bailly an den FC Villarreal. Das entspricht dem Fünffachen seines Marktwerts. Und fliegt ein Vogel, folgt direkt der Rest des Schwarms. Chelsea London holt den jungen Belgier Batshuayi für 39 Millionen, Liverpool den Senegalesen Mané für 41 Millionen. Viel Geld für Spieler, die nicht jedem geläufig sein dürften. Auch dank der unerschöpflichen Finanzkraft der Engländer gilt: Wer nicht mitbietet, verliert. So katapultieren sich die Transfersummen in immer höhere Sphären. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Als der Franzose Zinédine Zidane 2001 für 73.5 Millionen von Juventus Turin zu Real Madrid wechselte, rieben sich ebenfalls viele die Augen, doch irgendwo war eine solche Summe für einen Weltklasse-Fussballer noch gerechtfertigt. Auch als Cristiano Ronaldo Zidanes Rekord mit seinem Wechsel von Manchester United zu Real Madrid 2009 knackte, war es immerhin einer der besten Fussballer der Welt, der hier für eine Mondsumme von 94 Millionen über den Ladentisch ging. Das hat sich geändert.

Der Franzose Paul Pogba, gewiss ein guter Fussballer mit ausgezeichneten Voraussetzungen für eine grosse Karriere, soll jetzt angeblich für 120 Millionen Euro von Juventus zu Manchester United wechseln. Die Berater feilschen nur noch um Details. Damit wäre er mit einem Schlag der teuerste Spieler aller Zeiten. Ein 23-Jährger, der in seiner Karriere noch keinen grossen Titel gewonnen hat. Juventus hat das noch nicht eingenommene Geld übrigens schon wieder reinvestiert: in Gonzalo Higuain (90 Millionen) und Miralem Pjanic (32 Millionen).

Die teuersten Transfers von 1960-heute

Doch nicht nur in Europa wird zu utopischen Summen eingekauft. China verwirrt den Markt mit seinen Wucher-Preisen noch mehr. Mitläufer bekommen in China Verträge, mit denen sie nach der Karriere ausgesorgt haben. Vor allem Südamerikaner aber auch immer mehr Europäer nehmen die beinahe unausschlagbaren Angebote dankbar an. Der ersten chinesischen Transferwelle im Winter (Ramirez, Jackson Martinez oder Gervinho) folgt jetzt (Hulk, Pelle, Ujah) die nächste.

Durch das viele Geld, das aus China, England oder auch den USA in den Markt flutet, gehen auch Schweizer Top-Transfers in den Wogen unter. Die 22.5 Millionen Euro, die Schalke 04 für Breel Embolo an den FC Basel überwiesen hat, wären bis 1996 Rekord gewesen. In der aktuellen Wechselperiode fungiert der Embolo-Transfer noch auf Rang 23, doch das wird nicht so bleiben. Das Transferfenster ist noch bis Ende August geöffnet.