Bestes Spiel?

Ich habe zwei Mal vier Tore geschossen. Einmal mit Servette gegen Sion. Ab da zeichnete sich der Weg in Richtung Ausland ab. Das zweite Mal beim 4:3 mit Rennes gegen Marseille. Seitdem war ich nicht mehr «le petit Suisse», sondern wurde ernst genommen. Das Spiel hat mir die Tür nach Dortmund geöffnet. Dort habe ich in fast jedem Derby gegen Schalke getroffen – das war vom Erlebnis her etwas vom Schönsten und lässt mich in Dortmund wohl nie mehr vergessen.

Schlechtestes Spiel?

Ooh, da gibt es viele (lacht). Während der Anfänge in Rennes verschoss ich einen Penalty gegen Strassburg. Hätte ich ihn rein gemacht, hätte ich das nächste Mal wohl von Anfang an gespielt. Stattdessen war mein Platz auf der Bank noch gefestigter. Ich habe mir nach einem schlechten Match viele Gedanken gemacht, doch so weit, dass ich alles hinterfragt habe, ging ich nie. Umgekehrt habe ich nie den Pfau gemacht, wenn ich drei Tore erzielt habe.

Bester Gegenspieler?

Vom Gesamtbild her ist es Fabio Cannavaro aus den Spielen gegen Italien. Er strahlt eine gewaltige Aura aus, hat Charisma, ein unglaubliches Stellungsspiel, und obwohl er klein ist, gewinnt er fast jedes Kopfballduell. Es gab noch andere, an denen ich mir die Zähne ausgebissen habe: Roberto Ayala von Valencia, Mario Yepes von Paris St. Germain oder Cris von Lyon.

Bester Mitspieler?

Was heisst schon bester Mitspieler? Ich ordne das anders ein: Es gibt Mitspieler, die ich nie vergessen werde. Sebastian Kehl, weil er ein klassischer Chef war, fussballerisch und als Typ. Oliver Monterrubio in Rennes, der stets ein paar Kilos zu viel auf den Rippen hatte, leicht untersetzt war aber auf einen linken Fuss vertrauen konnte, den ich so nie mehr gesehen habe. Von den Anlagen her war es Yoann Gourcuff. Als er in Rennes als 17-Jähriger zu den Profis kam, dachte ich: wow! Er hatte die Grösse, die Dynamik, war muskulös und technisch ausgereift.

Bester Trainer?

Ich habe von jedem Trainer das Positive und Negative mitgenommen. Also im Sinne von: So will ich es später auch mal machen, so nicht. Mein bester Trainer ist eine Mischung von alldem. Geprägt haben mich die drei Jahre in Rennes mit Laszlo Bölöni, ich war der einzige Spieler, der ihn mit «Du» ansprechen durfte. Jürgen Klopp in Dortmund war rhetorisch unglaublich stark – zu jeder Frage hatte er die passende Antwort.

Schlechtester Trainer?

Natürlich habe ich auch schlechte Erfahrungen gemacht. Diejenigen, die es betrifft, wissen Bescheid.

Bester Freund?

Im Fussball stimmt die Chemie mit vielen, bis sich die Wege trennen und der Kontakt abbricht. Eine gute Handvoll zähle ich heute zu meinen Freunden. Mit Monterrubio, Kehl und Roman Weidenfeller tausche ich mich regelmässig aus. In Basel sind es Beni Huggel und Marco Streller, mit denen ich auch privat verkehre.

Beste Entscheidung?

Es war eher eine Abmachung mit meiner Familie: Als ich vor der Profikarriere stand, versprach ich, dass ich nie einen Transfer nur des Geldes wegen mache. Nach der ersten Saison in Luzern hätte ich für einen super Lohn nach Italien gehen können. Ich entschied mich für Servette. Fortan entpuppte sich jeder Wechsel als nachhaltig. Rennes als erste Auslandstation war genau das Richtige, um mich an das Fremde zu gewöhnen. Die Begeisterung in Dortmund möchte ich nicht missen. Als ich meine Frau Nina aus Dortmund mit nach Basel nahm, gingen wir ein Risiko ein. Wer kann schon wissen, ob ein Mensch aus dem Ruhrpott sich in der Schweiz wohl fühlt und die Beziehung das aushält? Im Nachhinein war es die beste Entscheidung meines Lebens.

Schwierigste Entscheidung?

Ich habe versucht, mich auf jeden Entscheid längere Zeit vorzubereiten. Seien es Transfers, der Rücktritt aus der Nati oder derjenige als Profifussballer. Einmal habe ich nicht auf mein Bauchgefühl gehört: Nach dem Wales-Match hätte ich sofort aus der Nati austreten sollen.

Schwierigste Phase?

Mit Abstand waren das die ersten Wochen in Rennes. Ich rate jedem jungen Spieler, der zum ersten Mal ins Ausland geht, so schnell wie möglich eine Wohnung zu suchen. Ich Idiot war vier Monate im Hotel, um eine Absicherung zu haben, falls es in Rennes nicht hinhauen sollte. Der Trainerstab hat mir deutlich zu verstehen gegeben, dass ich ein «Nichts» bin. Wobei ich erwähnen möchte, dass der Klub immer hinter mir stand. Mit Chefscout Luc Redon habe ich viel gesprochen, er hat mich in dieser Phase über Wasser gehalten. Plötzlich kamen fünf gute Spiele und schliesslich wurden es drei unglaublich tolle Jahre.

Grösste Überraschung?

Dass mich die Atmosphäre in Dortmund so nachhaltig prägt, hätte ich nie gedacht. Ich bin mit dem Virus «BVB» infiziert.

Schlimmste Reise?

Die übelsten Erinnerungen habe ich an das Playoff-Spiel 2005 in der Türkei. Angefangen beim Empfang am Flughafen, über die Ausschreitungen im Stadion und zum Schluss die Fahrt zurück zum Flughafen. Der Flug auf die Färöer-Inseln ist ein wahres Abenteuer. Erst schüttelt es dich beim Landeanflug heftig durch. Zum Trainieren mussten wir auf eine andere Insel und entschieden uns für die Überfahrt für Schnellboote. Im Stadion hat sich die Hälfte der Spieler erbrochen. Dann die Europacup-Reisen mit dem FCB nach Moldawien, Georgien, Aserbaidschan – alles Länder, die ich als Privatperson nie bereist hätte. «Schlimm» ist dafür die falsche Bezeichnung, «speziell» trifft es besser.

Schönstes Trikot?

Die goldenen Nati-Trikots von 2008 kann ich mir leider nicht auf die Fahne schreiben, da war ich verletzt. Das rosa-pinkige Auswärtsdress, das wir beim FCB in der letzten Saison hatten, hat mir sehr gut gefallen – obwohl es von vielen Modeexperten verrissen wurde. Den Wow-Effekt hatte ich vielmehr bei getauschten Trikots. Beckham, Ribéry, Cannavaro, Ballack, Schweinsteiger – keine schlechte Auswahl. Stolz macht mich, dass ich noch ein Trikot von Giovane Elber ergattern konnte.

Schlimmstes Hotel?

Das Hotel in Genf beim ersten Auswärtsspiel in dieser Saison war der Tiefpunkt meiner Karriere. Nicht wegen der Räumlichkeiten, aber in der Lobby gab es von morgens bis abends Portwein – mehr muss ich nicht sagen. Mir ist es egal, ob das Hotel drei, vier oder fünf Sterne hat. Es gibt zwei Kriterien: keine Haare im Bett und im Badezimmer und gutes Essen. In Trainingslagern sollte das Hotel einen guten Wellnessbereich haben. Ich bin ein Typ, der oft in der Sauna sitzt.

Schönster Rasen?

Meine Favoriten waren die Plätze in Osasuna, Santander und Valencia, als wir mit Servette im Uefa-Cup dort gespielt haben. Spanischer Rasen ist immer perfekt gepflegt. Auch der Platz im Zürcher Letzigrund ist zu 90 Prozent in einem Topzustand.

Schlechtester Platz?

Mein erstes Trainingslager mit dem FC Luzern verbrachten wir in Podgorica (Montenegro; d. Red). Die Betten bestanden aus einer dünnen Matratze und einem Holzbrett. Rasen suchte man auf dem Platz vergebens, da war nur Dreck. Solche Dinge prägen. Heute fliegt man schon mit der U16 im Winter nach Spanien. Ich kann von mir sagen, dass ich auch die andere Seite gesehen habe. Die Jungen können sich heutzutage nur auf den Sport konzentrieren. In Thun mussten wir die Trainingskleider noch selber waschen. Was hilft dir mehr für die Karriere? Selbstständigkeit oder Rundumbetreuung? Geschadet hat es mir nicht.

Schlimmste Fussballerfrisur?

Die Mannschaft von Hansa Rostock der Achtziger war obenrum nicht gerade hochklassig bestückt (lacht). Vorne kurz, hinten lang, wenn möglich mit Schnauz; wer spielt heute noch mit Schnauz? Der Busch von Valderrama war Kult, wie die Mähne von Higuita. Spieler wie Mario Balotelli wechseln jeden Tag die Frisur … furchtbar.