Young Boys: Die erkämpfte Ruhe

Der Winterschlaf dauert nun schon sechs Wochen. Zumindest von aussen hat man den Eindruck, die Young Boys müssten sich von den Anstrengungen einer kräftezehrenden Vorrunde mit 33 Pflichtspielen erholen. Aus dem Lager des Tabellenführers ist in all dieser Zeit nämlich nicht viel zu hören gewesen.

Während der Titelkonkurrent FCB mit vielen und namhaften Transfers dicke Schlagzeilen produzierte, ist es in Bern ruhig geblieben. Hätte sich der junge Stammgoalie David von Ballmoos nicht eine Schulterluxation zugezogen und müsste nach einer Operation nicht bis weit in die Rückrunde hinein pausieren, würde man sich fast schon fragen, ob es die Young Boys überhaupt noch gibt. «Das ist gut so, wenn von aussen der Eindruck entsteht, bei YB herrsche Ruhe», sagt Christoph Spycher. «Doch nachdem ich Sportchef geworden bin, habe ich mich bald von der Illusion verabschiedet, eine Transferperiode verlaufe auch mal ruhig.»

Christoph Spycher: Sportchef bei den Young Boys.

Christoph Spycher: Sportchef bei den Young Boys.

Wenig überraschend haben die guten Leistungen und Ergebnisse in Meisterschaft und Cup dazu geführt, dass Spieler von YB begehrt sind und manche Klubs in grösseren Ligen über eine Verpflichtung von Akteuren wie Verteidiger Kassim Nuhu oder Stürmer Roger Assalé nachdenken.

Zwar sind, wie in einer Ausbildungsliga üblich, auch die Berner an guten Transfereinnahmen interessiert, sie haben nun jedoch alles darangesetzt, ihre hervorragende Ausgangslage nicht mit schwerwiegenden Abgängen zu schmälern. «Verschiedene unserer Spieler stehen im Rampenlicht, und es hat sicher auch einige Überzeugungsarbeit gebraucht, damit uns keiner verlassen hat», sagt Spycher. «Aber die Spieler sind klar in ihrer Ansage und wollen den Weg mit uns bis zum Ende gehen.» Dort soll der Gewinn eines Titels stehen.

So ist die Frage, wie YB auf den Ausfall von Keeper von Ballmoos reagiert, die wichtigste geblieben. Spycher lässt keinen Zweifel offen, dass der Leader zeitnah das Engagement eines Torhüters vermelden wird. Allerdings will er nicht sagen, ob dieser als Nummer 1 nach Bern kommt oder als starker Ersatz für Marco Wölfli, die bisherige Nummer 2.

YB-Goalie David von Ballmoos fällt mit einer Schulterverletzung rund drei Monate aus.

YB-Goalie David von Ballmoos fällt mit einer Schulterverletzung rund drei Monate aus.

Natürlich hat Spycher mitverfolgt, wie hektisch die Winterpause in Basel verläuft. «Frei und Stocker sind zurück und mit Campo ein weiterer interessanter Spieler. Aber mit Akanji und Steffen hat der FCB auch zwei wichtige Abgänge gehabt», sagt Spycher. «Doch wir wollen nicht gross auf die Konkurrenz schauen, sondern uns ganz bewusst auf die eigene Leistung konzentrieren.»

Der 39-Jährige befürchtet nicht, YB könnte am grossen Erwartungsdruck zerbrechen. Es ist etwas vom Schönsten, einen solch positiven Druck zu spüren», sagt Spycher. «Wir alle spüren eine grosse Vorfreude auf die Rückrunde. Im Wissen, dass wir etwas Grosses erreichen können. Deshalb legen wir als geschlossene Einheit noch eine Schippe drauf.»

FC Basel: Der Umbruch 2.0

Im Sommer 2017 wechselte der FC Basel die Führung, im Winter 2018 erfasste die Welle der Erneuerung das Team. Plakativ gesprochen. Auch im Sommer bekam die Mannschaft ein leicht neues Gesicht. Eigentlich wollte man nur den Sturm ersetzen. Dann kam der überraschende Rücktritt von Captain Matias Delgado. Der FCB geriet ins Straucheln. Und so holte man Cedric Itten und Albian Ajeti zurück in die rotblaue Heimat.

Das Team fing sich, verkürzte den Rückstand von einst acht Punkten auf YB auf deren zwei. Zuletzt eilten die Basler von Sieg zu Sieg. Da muss man nichts ändern. Ausser man muss. Denn die Basler überzeugten nicht nur in der Meisterschaft, sie glänzten auch in der Königsklasse, stellten Rekorde auf (höchster Sieg, Punkterekord) und schlugen einmal mehr das grosse Manchester United. Solche Erfolge setzen andere Kräfte in Bewegung als das bescheidene Abschneiden der Berner in der Europa League. Da kommen Millionen ins Rollen.

Der FC Basel schafft einen Exploit gegen Manchester United.

Der FC Basel schafft einen Exploit gegen Manchester United.

Eigentlich wollte Marco Streller das Team zusammenhalten. Aber irgendwann ist bei jedem Spieler die Schmerzgrenze erreicht. So bei Manuel Akanji, der Basel für 25 Millionen Franken Richtung Dortmund verliess. Noch immer ist Streller auf der Suche nach einem Nachfolger. Eigengewächs Eray Cümart scheint in Sion festzustecken, Timm Klose sei kein Thema, Leo Lacroix war es nicht, könnte nun aber doch auf den Plan treten. Quasi im Dreiecksgeschäft: Akanji zur Borussia, Neven Subotic von dort zu St-Etienne, wo dann Lacroix die Freigabe erhalten könnte für Basel. Aber auch ein bisher nicht genannter Spieler könnte es werden. Das Scouting-Netz des FCB erstreckt sich um den ganzen Globus.

Es ist dies die letzte grosse Aufgabe von Marco Streller. Eine, die ihn ordentlich auf Trab hält. So war er während der vergangenen beiden Tage nicht erreichbar. Trotzdem ist klar: Kommt es nicht zu einem verrückten LastMinute-Angebot, verlässt vom Kern der Mannschaft niemand mehr den Klub. Um Michael Lang und Mohamed Elyounoussi gab es immer wieder Gerüchte. Beide dürften bleiben.

Neu zum Kern gehören zwei alte Bekannte: Fabian Frei und Valentin Stocker. Beide wissen, wie man Meisterschaften in der zweiten Hälfte drehen kann, beide stehen für eine Philosophie, die nur der FCB erfolgreich (mit der Ausnahme von Kuzmanovic) umsetzen kann: jene der Rückholaktionen.

Valentin Stocker ist zurück beim FC Basel.

Valentin Stocker ist zurück beim FC Basel.

Während Stocker Steffen ersetzen wird – dieser wollte den FCB verlassen, um seine Chancen für ein WM-Aufgebot zu erhöhen –, ist die Sache bei Frei ein bisschen komplexer. Zusammen mit Samuele Campo soll er Delgado ersetzen. Er mit seiner Persönlichkeit, Campo mit seinem feinen Fuss. Ob der FCB YB noch abfangen kann, wird zu einem grossen Teil auch davon abhängen, wie sich Frei in das funktionierende Gefüge im defensiven Mittelfeld einfügen kann. An Qualität jedenfalls hat der Serienmeister kaum verloren. YB kann kommen.

Transferübersicht der Super-League-Klubs: