Schweizer Nati

Der steile Aufstieg von Djibril Sow und die Erinnerungen an Captain Inler

Wohin führt ihn sein Weg? Djibril Sow beim Training mit der Schweizer Nationalmannschaft. Noch ist er nicht Stammspieler – doch das wird sich ändern.

Wohin führt ihn sein Weg? Djibril Sow beim Training mit der Schweizer Nationalmannschaft. Noch ist er nicht Stammspieler – doch das wird sich ändern.

Djibril Sow ist 22 Jahre jung. Dabei hat er schon mehr erlebt als andere Fussballer während der ganzen Karriere. Nun drängt er ins Nationalteam – die Geschichte eines aussergewöhnlichen Wegs.

Die Laune ist prächtig, als das Training endet. Manuel Akanji schleicht sich neben die TV-­Kameras, spielt Journalist und fragt Djibril Sow: «Was braucht es, damit wir am Freitag Georgien schlagen?» Sow setzt eine ernste Miene auf, antwortet: «Am besten ­einfach den Akanji draussen ­lassen.» Gelächter.

22 Jahre jung ist er. Und doch hat er innert kürzester Zeit schon mehr erlebt als manch einer während der ganzen Karriere als Fussballer. FC Zürich, Mönchengladbach, YB – und nun Eintracht Frankfurt. Das ist die Kurzversion. Doch es lohnt sich, einen Blick auf die erstaunliche Geschichte zu werfen.

2015: Der erste Wechsel in die Bundesliga

Als 18-Jähriger wechselt Sow 2015 vom FC Zürich zu Borussia Mönchengladbach. Genau wie Nico Elvedi ist ihm der Weg zu den Profis beim FCZ versperrt. Der Durchbruch in der Bundesliga gelingt zwar nicht. Er kommt auf drei Einsätze für die Fohlen, spielt meist in der Regionalliga. Doch schon damals prophezeit ihm Manager Max Eberl im Gespräch mit dieser Zeitung einen tollen Weg.

Djibril Sow (rechts) im Duell mit dem damaligen FCB-U21-Stürmer Cédric Itten. Sow ist der Weg beim FCZ von der U21 zu den Profis versperrt.

Djibril Sow (rechts) im Duell mit dem damaligen FCB-U21-Stürmer Cédric Itten. Sow ist der Weg beim FCZ von der U21 zu den Profis versperrt.

Sow bei Mönchengladbach: Zu Einsätzen reicht es meist nur in Testspielen und der Regionalliga.

Sow bei Mönchengladbach: Zu Einsätzen reicht es meist nur in Testspielen und der Regionalliga.

Sow selbst sagt heute: «Ich würde auch im Rückblick genau denselben Weg wählen. Die zwei Jahre in Mönchengladbach haben mir geholfen, um zu verstehen, was es braucht, um ein guter Bundesliga-Spieler zu sein. Dazu habe ich die deutsche Mentalität aus nächster Nähe kennengelernt.»

2017: Die Rückkehr zu YB, Sow dirigiert und trifft

2017 kehrt Sow in die Schweiz zurück. Und wird bei YB ein Schlüsselspieler auf dem Weg zum ersten Meistertitel seit 1986. Den Stempel des «Gescheiterten» aus der Bundesliga ist er schnell los. Er lenkt das YB-Mittelfeld, ist wie geschaffen für den umschaltschnellen, aber stabilen Fussball von Adi Hütter. Im Sommer folgen bereits wieder Angebote aus Deutschland und Italien. Doch Sow einigt sich mit YB-Sportchef Christoph Spycher schon früh darauf, ein weiteres Jahr zu bleiben. «Eine Karriere muss perfekt geplant sein. Man hat keine zweite», sagt er einmal.

In seinem zweiten YB-Jahr lernt Sow die Champions-League-Bühne kennen. Es endet erneut mit dem Meistertitel. YB-Legende Marco Wölfli adelt ihn in der YB-Meisterbeilage der «Berner Zeitung» mit den Worten: «Seine Sprüche sind selten, aber treffend. Ich denke, er wird manchmal ein wenig unterschätzt, aber das muss kein Nachteil sein. Djibi wird eine Riesenkarriere machen. Irgendwann werden wir voller Stolz sagen dürfen: Der hat mal bei YB gespielt!»

2019: Wieder Bundesliga, Eintracht Frankfurt

Nun fühlt sich Sow bereit für den nochmaligen Schritt in die Bundesliga. Trainer bei Frankfurt ist erneut Adi Hütter. «Gewiss ist es kein Nachteil, dass wir schon zusammengearbeitet haben. Und doch war es ein neues Kennenlernen. In einem Jahr passiert viel», sagt Sow. Aber noch bevor das Abenteuer beginnt, wird er gebremst. Bis Ende August fehlt er wegen eines Sehnenanrisses im Oberschenkel. Umso bemerkenswerter ist, wie mühelos er sich in den vergangenen Wochen im Team festbeisst. Mit dem Highlight des 5:1-Sieges gegen Bayern München vor 11 Tagen, wo ihm auch das erste Tor für Frankfurt gelingt. Trotzdem sagt Sow: «Ich bin noch nicht dort, wo ich sein will. Ich werde mich weiter verbessern, vor ­allem was Auftritt und Präsenz angeht.»

Wer dem erst 22-Jährigen zuschaut, fühlt sich manchmal an den langjährigen Schweizer Captain Gökhan Inler erinnert. Seine Bewegungen, die vielen Ballberührungen, die klugen, kurzen Zuspiele, dazu der aufrechte Blick. Noch ist Sow nicht Stammspieler des Nationalteams. Doch es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis sich das ändert.

Ein Mittelfeld mit Granit Xhaka, Denis Zakaria und Sow – es könnte auf Jahre hinaus das Gerüst des Nationalteams sein.

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