Von oben oder von unten? Von der Tribüne aus oder von der Trainerbank? Axel Thoma muss sich erst noch mit Trainer Michael Skibbe absprechen, wo er während der Spiele der Grasshoppers Platz nehmen soll. Wo auch immer: Die Amtszeit des neuen Sportchefs beginnt am Sonntag gleich mit einem Knüller: Dem Derby gegen den Super-League-Leader FC Zürich.

GC hat den 50-jährigen Deutschen mit einem Dreijahresvertrag vom FC Wil weggelockt. Im Campus hat er gestern sein neues Büro bezogen. Von diesem aus will Thoma den Rekordmeister wieder dorthin führen, wo dieser einen guten Teil seiner Geschichte verbracht hat: in die Spitzengruppe des Schweizer Fussballs. Sein Ziel lautet, in den kommenden Jahren so gut zu arbeiten, dass sein bis im Jahr 2017 laufender Vertrag von den Zürchern dereinst verlängert wird.

Nach gut sieben Jahren in der Ostschweiz als Sportchef und in Doppelfunktion mit dem Trainerjob hat Thoma den Schritt aus der geschützten Werkstatt FC Wil ins Haifischbecken Grasshopper Club gewagt. In diesem sind in den letzten Monaten viele Protagonisten, von Ex-Präsident André Dosé bis Ex-Sportchef Dragan Rapic, weggebissen worden.

Sportchef in Polen

Doch damit soll nun Schluss sein. Die Phase der Bereinigung ist zu Ende. Sagen Präsident Stephan Anliker und Verwaltungsrat Martin Keller. «Das Hauptproblem bei GC war die fehlende Kontinuität», sagt Thoma, der in seiner Wohngemeinde Büsingen einmal im Monat im Gemeinderat sitzt. Er ist überzeugt, einen genügend grossen Rucksack für diese Aufgabe mitzubringen. Als Spieler hatte er ein wenig Bundesligaerfahrung mit dem VfB Stuttgart gesammelt; er war Trainer und Sportchef bei verschiedenen Vereinen, auch für kurze Zeit in Polen bei Gornik Zabrze. «Ich bin überzeugt davon, dass ich den Verein sportlich und wirtschaftlich vorwärtsbringen und viel bewegen kann.» Nicht aber im «Fall Salatic». «Es ist nicht die Meinung, dass Thoma da als Mediator auftritt», sagt Keller. Der Ball bleibt beim Verwaltungsrat und bei den Juristen, nachdem der frühere Captain gerichtlich das Trainingsrecht bei GC erstritten hatte.

Der Talentförderer

Thoma, bei GC verantwortlich für die erste Mannschaft und den Nachwuchs, ist in der Branche gut vernetzt und hat zuletzt in Wil bewiesen, dass er aus wenig viel zu machen vermag. Er hat gar manchen Spieler in der Pampa entdeckt, ihn geschliffen und in die Super League gebracht. «Er ist ein Kenner des Schweizer Fussballs und ein Talentförderer», sagt Keller und hofft, dass nun auch GC von diesen Qualitäten Thomas profitieren wird. Dieser sagt: «Meine Lieblingstransfers sind, wenn ein Spieler von der U21-Mannschaft den Sprung ins Fanionteam schafft.» Keller denkt, dass Thoma in jeden Bereich des zuvor sorgfältig erstellten Profils passt. «Er ist eine starke und unabhängige Persönlichkeit und kompatibel zu unserer Struktur.»

Wer den GC-Verantwortlichen Anliker und Keller zuhört, erhält den Eindruck, als betrachteten sie die gestrige Vorstellung des neuen Sportchefs vor einem beachtlichen Medienaufgebot als Startschuss in eine neue, vielversprechende Ära. «Der Verwaltungsrat kann sich nun zurückziehen und der strategischen Arbeit widmen», sagt Anliker, «der operative Bereich ist bei Thoma und Geschäftsführer Manuel Huber in guten Händen.» Trainer Michael Skibbe sagt: «Mit Thomas Anstellung hat der Klub schärfere Konturen und die Mannschaft einen Ansprechpartner.» Keller setzt noch einen drauf: «Die GC-Führung ist geeinter als je zuvor. Das ist die Basis, um einem starken Sportchef das Feld zu überlassen.» Der Spagat zwischen den sportlichen und finanziellen Ansprüchen reize ihn, sagt Thoma.