Fussball
Der Präsident des FC Sion erhält eine Platzsperre von 14 Monaten und eine Busse

Es wird spannend am Sonntag im Tourbillon. Wird es Christian Constantin wagen, beim Super-League-Spiel zwischen dem FC Sion und dem FC St. Gallen aufzukreuzen? Hat der Sittener Präsident die Unverfrorenheit, sich über die Platzsperre hinweg- und wie gewohnt auf seinen Tribünenplatz zu setzen?

Markus Brütsch
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Kämpferischer Sion-Präsident: Die Strafe wird Christian Constantin nicht auf sich sitzen lassen.

Kämpferischer Sion-Präsident: Die Strafe wird Christian Constantin nicht auf sich sitzen lassen.

KEYSTONE

Am Donnerstag nämlich hat die Disziplinarkommission (DK) der Swiss Football League (SFL) unter Daniele Moro bekannt gegeben, wie Constantin für seinen Ausraster vom 21. September bestraft wird. Dieser hatte nach dem Spiel in Lugano den Teleclub-Experten Rolf Fringer tätlich angegriffen und mit Schlägen und Fusstritten malträtiert.

Die DK entschied, Constantin mit einer 14-monatigen Platzsperre und einer Busse von 100 000 Franken zu belegen. Sie taxiere das Vorgehen als überaus schwerwiegenden Verstoss gegen die Verhaltensregeln des Fussballverbandes, schrieb die SFL und hob in der Urteilsbegründung hervor, dass ein Klubpräsident in erhöhtem Mass verpflichtet sei, sich vorbildlich für Fairplay und Respekt einzusetzen. Constantin habe in diesem Fall diese Pflicht grob verletzt.

Die Platzsperre gilt für die Super League, die Challenge League, den Schweizer Cup und die Spiele der A-Nationalmannschaft. Das Verfahren gegen Constantins Sohn Barthélémy indes läuft noch. Dieser soll gegenüber Fringer Morddrohungen ausgesprochen haben.

Stadionzutritt ab sofort untersagt

Christian Constantin ist derweil ab sofort der Zutritt zu den Stadien, zum Spielfeld, zur technischen Zone, zur Mannschaftskabine sowie zur Mixed-Zone verwehrt. Er darf am Spieltag weder auf der Tribüne noch in irgendeinem anderen Stadionsektor Platz nehmen. Der Entscheid kann innert fünf Tagen beim Rekursgericht der SFL angefochten werden. Die Richter haben einem allfälligen Rekurs gegen die Platzsperre die aufschiebende Wirkung entzogen.

Die DK berücksichtigte bei ihrem Urteil auch, dass sie in der Vergangenheit schon mehrfach Disziplinarverfahren gegen den Walliser hatte durchführen müssen. Am 5. Dezember 2004 hatte Constantin am Ende des Spiels seiner Mannschaft in Kriens dem Schiedsrichter Markus von Känel das Bein gestellt.

Christian Constantin hat eine Sperre von 14 Monaten einzuhalten.

Christian Constantin hat eine Sperre von 14 Monaten einzuhalten.

KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Er soll auch dessen Assistenten in den Unterleib getreten haben. Schlüssig nachgewiesen konnte ihm dies aber nicht. Weil die damals ausgesprochene Strafe von 30 Monaten Boykott (keine Funktionen ausüben) ein paar Jahre später auf eine viermonatige Platzsperre reduziert wurde, stellt sich nun die Frage, ob die Sanktionen gegen Constantin vom Rekursgericht und eventuell später vom internationalen Sportgerichtshof (CAS) erneut drastisch gesenkt werden.

Doch legal ins Stadion?

«Diese Möglichkeit besteht», sagt Moro, «allerdings könnte sich die Strafe auch verschärfen.» Falls Constantin sich entscheidet, Rekurs einzulegen, ist es möglich, dass das zuständige Gericht sagt, es teile die nicht aufschiebende Wirkung nicht und Constantin könnte am Sonntag ganz legal ins Stadion gehen.

Moro räumt ein, dass es nicht einfach sei, eine solche Strafe umzusetzen, die Klubs aber verpflichtet seien, an der Umsetzung mitzuwirken. Sollte dies nicht der Fall sein, könnte gegen den Verein ein Disziplinarverfahren eröffnet werden.
Der Basler Sportrechtsexperte Martin Kaiser hält das Urteil im Fall Constantin für übertrieben: «Eine Sperre bis zum Ende der Vorrunde wäre angemessen gewesen.» Was aber passiert, wenn Constantin am Sonntag ins Stadion geht, ohne dass er gegen das Urteil eine aufschiebende Wirkung erreicht hat? «Dann könnte die Polizei Constantin wegen Hausfriedensbruchs aus dem Stadion weisen», sagt Kaiser.

Constantin will das Spiel besuchen

Constantin sagte gegenüber der Westschweizer Zeitung «Le Matin»: «Weshalb sollte ich nicht zum Spiel gehen? Ich bezahle die Miete für das Tourbillon. Wenn mir jemand sagen würde, ich könne nicht in meinem eigenen Bett schlafen, würde ich es trotzdem tun, oder nicht?»
Das kann heiter werden am Sonntag.