Europa League

Der Pokal, den auch die Stars nicht wollen

Der FC Basel und die Young Boys spielen ab heute in der Europa League. Doch vielen Top-Clubs liegt überhaupt nichts am guten Abschneiden in dieser Spielklasse. Zu sehr trauern sie der Champions League und den Millionengewinnen nach.

Es ist ein grosser Tag für Harry Kane. Es geht um alles in der Europa League gegen PAOK Saloniki. Und ausgerechnet jetzt wird der 18-jährige Junior, der noch nie in der Premier League gespielt hat, in die Startformation der Tottenham Hotspurs berufen; Stars wie Gareth Bale und Rafael van der Vaart dagegen müssen zuschauen.

Doch die Partie geht 1:2 verloren, und die Engländer verspielen ihre Chance, international zu überwintern. Tränen fliessen allerdings keine. Das Out ist ganz im Sinne von Trainer Harry Redknapp. Tottenham kann sich nun voll auf seine Kernaufgaben in der Liga und im FA-Cup konzentrieren.

Das Beispiel aus der letzten Saison zeigt, wie wenig den Topklubs aus den grossen Ligen ein gutes Abschneiden in der Europa League am Herzen liegt. Wie sehr aus finanziellen Gründen nur die Champions League zählt. Hat mit Atlético Madrid der Gewinner der Europa League 2012 10,5 Millionen Euro an Prämien verdient, so strich Chelsea in der Champions League 60 Millionen ein.

Auch Manchester United hatte zu Beginn dieses Jahres krass seinen Unmut darüber deutlich gemacht. Vom FC Basel aus der Königsklasse in die Achtelfinals des unbeliebten Wettbewerbs gestossen, war die Motivation beim englischen Meister im Eimer. Beide Partien gegen Athletic Bilbao gingen verloren. Manager Alex Ferguson war es aber recht, den Fokus nun ganz auf das Titelrennen mit Manchester City richten zu können. Dumm bloss, dass auch die Citizens gegen Sporting Lissabon mit dem Hintergedanken angetreten waren, es sei klüger, sich aus der Europa League zu verabschieden. Und als hätte es noch eines Beweises für das Desinteresse grosser Namen am Gewinn des Europa-League-Pokals bedurft, ist gestern Liverpool mit einer besseren Reservemannschaft zum Spiel gegen YB nach Bern gereist.

Der «Europacup der Verlierer»

Mit Atlético Madrid, Porto, Donezk, Zenit Sankt Petersburg, Sevilla, ZSKA Moskau und Valencia haben zwar in den letzten zehn Jahren gut klingende Namen den zweitwichtigsten Vereinswettbewerb gewonnen und ihre Vitrinen ergänzt, gleichwohl aber nicht so schillernde wie jene des FC Barcelona oder von Inter Mailand. Obwohl auch sie, genau wie die beiden Klubs aus Manchester, zwischenzeitlich zum Teilnehmerfeld gehört hatten. Schon bevor der 1971 ins Leben gerufene Uefa-Cup 2004 durch eine Gruppenphase aufgewertet und 2009 in Europa League umbenannt wurde, hatte der damalige Bayern-Trainer Franz Beckenbauer den Wettbewerb als «Europacup der Verlierer» bezeichnet.

Unter diesen Umständen verwunderte es nicht besonders, als im April dieses Jahres die folgende Schlagzeile verbreitet wurde: «Platini will die Europa League abschaffen!» Vermutlich im Wissen, dass der Uefa-Präsident sein Herz häufig auf der Zunge trägt und noch lange nichts beschlossen war, erschütterte die Meldung die Fussballwelt nur marginal. «Wenn ich Überlegungen zum Europacup anstelle, heisst dies nicht, dass sich auch etwas ändern wird», relativierte Platini sein lautes Nachdenken, die Champions League ab 2016 von 32 auf 64 Mannschaften aufzustocken und die Europa League zu beerdigen. Was schon 1999 dem Europacup der Cupsieger widerfahren war. Als «völligen Unfug» tat Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke Platinis Idee ab. «Die Fans wollen nicht den Dritten aus Litauen sehen, sondern lieber den Fünften aus Deutschland, England oder Spanien», sagte Watzke.

Abschaffung kein Thema

Auch die European Club Association (ECA), die Vereinigung der europäischen Klubs, sieht im Moment keinerlei Handlungsbedarf, was die Formate der europäischen Klubwettbewerbe betrifft. «Wir sind glücklich damit, so wie es ist», sagt Marc Schmidgall, Kommunikations-Manager der ECA. Deren Vorsitzender Karl-Heinz Rummenigge sagt: «Ich teile Beckenbauers Ansicht, die Europa League sei ein Wettbewerb der Loser, nicht. Die Teilnehmer der Champions League sind mit sehr ordentlichen Beträgen bereit gewesen, die Europa League finanziell attraktiver zu machen.» Es gebe seitens der ECA keinerlei Überlegungen, sie abzuschaffen, sagt Rummenigge. «Wir sind hochzufrieden mit den aktuellen Produkten.»

Auch aus Sicht der Young Boys ist dem so. «Für uns stimmt es», sagt CEO Ilja Kaenzig. Angesichts einer Gruppe mit Liverpool, Udinese und Anschi Machatschkala ist dies jedoch leichter zu sagen, als etwa für den VfB Stuttgart, der es mit Steaua Bukarest, Kopenhagen und Molde zu tun bekommt. Wobei die «Mogelpackung aus Liverpool» nun gewiss auch Kaenzig enttäuscht hat.

Dass es bezüglich Europa League Optimierungsmöglichkeiten gibt, lässt Kaenzig nicht unerwähnt. «Man könnte darüber nachdenken, auch die Qualifikationsphase in Gruppen zu bestreiten, das würde mehr Spiele garantieren», sagt Kaenzig. So könnte vermieden werden, dass für einen Verein, der sich die Qualifikation für den Europacup durch einjährige harte Arbeit verdient hat, schon nach zwei Spielen alles vorbei ist. Mit einem solch zwiespältigen Erlebnis musste zuletzt der FC Luzern klarkommen. Dass sich die Europa League finanziell der Champions League weiter annähert, glaubt Kaenzig nicht. «Die Prämien sind stark erhöht worden, mehr liegt nicht drin.»

Platini sagt derweil: «Es ist klar, dass wir die Europa League aufwerten müssen.» Eine zündende Idee dafür hat er bisher aber nicht gehabt.

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