Fussball

Der neue Pelé ist noch besser als Messi

Neymar de Silva Santos: der neue Pelé

Neymar de Silva Santos: der neue Pelé

Neymar da Silva Santos steht mit Brasilien an der Copa America doch noch im Viertelfinal. Der 19-jährige Angreifer gilt in seiner Heimat längst als Nachfolger von Pelé. Dieser findet Neymar gar besser als Superstar Lionel Messi.

Der Hang zum Exzentrischen liegt ihnen im Blut. Wer auch immer sich in der Vergangenheit das knallgelbe Trikot der brasilianischen Nationalmannschaft überstreifte – er paarte fussballerische Extraklasse meist mit ebenso schrillem wie divenhaftem Auftreten. Neymar da Silva Santos Júnior, kurz Neymar, bildet da keine Ausnahme in der langen Tradition der Romarios, Ronaldos und Ronaldinhos. In bester Punk-Manier sorgt der Offensivstar des FC Santos mit seinem wilden Irokesenkamm derzeit für Aufsehen bei der Copa America. Zunächst allerdings nur abseits des Platzes. Den Beweis seines sportlichen Ausnahmekönnens war Neymar in den ersten beiden Gruppenspielen schuldig geblieben.

Dabei haben die Medien seiner Heimat den 19-jährigen Angreifer längst in den Rang des Thronfolgers von Pelé gehoben. Seite an Seite mit der Fussball-Legende zierte Neymar jüngst das Titelblatt der Zeitschrift «Placar». Pelé selbst schürt die Hysterie: «Er ist besser als Messi.»

Den Dreh gerade noch gefunden

Viel Druck für einen Teenager, den die enormen Vorschusslorbeeren bei seinem ersten grossen Turnier eher zu hemmen, denn zu beflügeln schienen. Umso euphorischer fiel sein Jubel aus, als ihm am Mittwoch gegen Ecuador gleich zwei Treffer gelangen. Am Ende sicherte sich Brasilien mit einem 4:2 den Platz eins in der Gruppe B und korrigierte damit den schwachen Eindruck, den man zuvor bei der Südamerikameisterschaft hinterlassen hatte. Im Viertelfinal trifft der Titelverteidiger nun am Sonntag in La Plata auf Paraguay.

Das Machtwort von Captain Lucio scheint zur rechten Zeit gekommen zu sein. Ohne den Namen Neymar zu nennen, hatte der Verteidiger vor dem Duell mit Ecuador gepoltert: «Das Wappen auf der Brust ist wichtiger als der Name auf dem Rücken. Wir vertreten eine Nation. Die Selección ist kein Schaufenster, um sich selbst ins Rampenlicht zu stellen.»

Selbst Trainer Mano Menezes hatte seinem Jungstar Neymar kürzlich Egoismus vorgeworfen: «Er muss lernen, den Kopf hochzunehmen und den Ball zu seinem Mitspieler zu passen.» Erstmals während seines kometenhaften Aufstiegs bekam Neymar, der den FC Santos kürzlich zum ersten Sieg bei der Copa Libertadores seit
48 Jahren geführt hat, heftigen Gegenwind zu spüren. Gerade rechtzeitig hat er nicht nur mit seinen Treffern, sondern auch mit einer mannschaftsdienlichen Leistung seine Lernfähigkeit bewiesen.

Die Zukunft im Blick

Menezes, der vor einem Jahr das Erbe des gescheiterten Carlos Dunga angetreten hat, predigt derweil weiterhin Geduld. Das Projekt sei langfristig auf die WM 2014 angelegt, das Triple bei der Copa kein Muss. Auch Neymar nimmt er trotz Kritik in Schutz: «Er ist weder der neue König noch ist er ein schlechter Spieler, weil er mal zwei schlechte Tage hat.» Nun soll die junge Garde um den international noch weitgehend unbekannten Neymar den fünffachen Weltmeister zu neuem Ruhm führen. Der von vielen Top-Klubs umworbene Neymar ist dabei als Kandidat für die vakante Rolle des Strippenziehers in der Offensive fest vorgesehen.

Bei Neymars Karriereplanung wird nichts dem Zufall überlassen. Die Garderobe wählt ein Stilberater für ihn aus, ein Stylist kümmert sich um die Frisur. Eine Privatlehrerin paukt mit ihm Englisch für den Wechsel ins Ausland. Beraten wird er von der Agentur «9nine» – Inhaber: Ronaldo. Ein Scheitern bei der Copa würden ihm seine Landsleute wohl noch verzeihen. In drei Jahren – bei der Heim-WM – ist er aber zum Erfolg verdammt.

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