Sie sind der jüngste von drei Brüdern, die alle Fussball spielen. Würden Sie sich manchmal wünschen, der Älteste zu sein, um den aufkommenden Vergleichen aus dem Weg zu gehen?

Francisco Rodriguez: Nein, etwas Besseres im Leben hätte mir gar nie passieren können als zwei Brüder zu haben, zu denen ich aufschauen kann. Das hat so viele Vorteile. Ich möchte nicht der Älteste sein.

Wo tätigten Sie Ihre ersten Schritte als Fussballer?

Auf dem Steinplatz der Schule in Zürich Schwamendingen. Wir nannten den Platz «Schueli». Wie es so ist, wollten die Grossen nicht immer, dass wir Kleinen mitspielen. Aber bei mir machten sie immer eine Ausnahme. Wahrscheinlich erkannten sie die Qualität schon damals. Und meine Brüder schauten natürlich auch noch ein wenig für mich.

Beim FC Zürich schafften Sie den Sprung in die erste Mannschaft. Anfangs spielten Sie immer von Anfang an, nun kommen Sie häufiger als Einwechselspieler zum Zug. Wie kommen Sie damit zurecht?

Das ist ein Prozedere, das meine Brüder früher auch durchgemacht haben. Meine Familie und mein Berater unterstützen mich dabei. Es ist natürlich mein Ziel, wieder Stammspieler zu werden. Dafür arbeite ich jeden Tag hart und konsequent an mir.

Vor einer Woche entschieden Sie das Derby mit Ihrem Tor zum 2:1.

Der FCB wollte uns mit dem Sieg am Tag zuvor gegen YB nervös machen – aber wir haben sehr gut reagiert. Im Stile eines Leaders. Und das Tor, ja, ich bin einfach mitgelaufen und habe ein gutes Näschen gehabt.

Wenn Sie Bruder Ricardo im Nationalteam spielen sehen, zum Beispiel gegen Argentinien und Messi, welche Gedanken kommen Ihnen?

Dann entstehen Träume. Zum Beispiel, selbst einmal an einer WM zu spielen. Warum nicht mit meinem Bruder?

Sie haben im Sommer ein Aufgebot vom A-Team Chiles bekommen.
Welche Überlegungen gaben den Ausschlag, es nicht anzunehmen?

Erst einmal war das ein Riesending für mich. Ich schaute auf die Liste und sah meinen Namen neben Alexis Sanchez oder Arturo Vidal. Aber der Zeitpunkt für eine Entscheidung ist noch nicht gekommen. Ich möchte mir jetzt nicht alle Türen verschliessen. Wenn sie mich eine einzige Minute eingesetzt hätten, wäre ich nun gesperrt für die Schweiz.

Dafür debütierten Sie im Schweizer U21-Team.

Ja, und diese Mannschaft hat einen guten Namen im Business. Da brauchen wir uns nur an Shaqiri und Co. zu erinnern, die den EM-Final erreichten und Spanien forderten. Ich gebe in der U21 Gas. Ich denke, ich habe bei meinen zwei ersten Einsätzen im offensiven Mittelfeld einen guten Eindruck hinterlassen (u.a. 1 Tor erzielt; d.Red.).

Ihr Vater ist Spanier, Ihre Mutter
Chilenen. Was an Ihnen ist typisch spanisch, was chilenisch und was schweizerisch?

Ich würde sagen, der Erfolgshunger ist spanisch. Mein Temperament chilenisch. Und die Exaktheit sowie die Disziplin in der täglichen Arbeit typisch für einen Schweizer.