WM14
Der Krampf gegen Honduras – solche Bilder wollen wir nicht wieder sehen

Die Schweiz spielte an der WM 2010 bereits gegen Honduras. In einem der schlechtesten Spiele der WM-Geschichte gabs nur ein 0:0. Benjamin Huggel und Hakan Yakin erinnern sich an das WM-Out der Schweizer 2010 gegen Honduras.

Etienne Wuillemin, Porto Seguro
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Das WM-Spiel 2010 der Schweizer Nati gegen Honduras
16 Bilder
Diego Benaglio wird nach dem 0:0 gegen Hondruas von Trainer Ottmar Hitzfeld getröstet
Hakan Yakin kann das Out nach dem Grottenkick nicht fassen
Benjamin Huggel bei einem Kopfballduell
Die Startformation der Schweizer im Spiel gegen Honduras vor vier Jahren
Xherdan Shaqiri wurde beim Spiel in Südafrika eingewechselt
Steve von Bergen nach Spielende bitter enttäuscht am Boden
Stephan Lichtsteiner
Alex Frei im Gespräch mit Mario Eggimann
Diego Benaglio nach dem Schlusspfiff
Yakin nach einer vergebenen Chance
Alex Frei ausgelaugt am Boden
Die Schweiz kreierte kaum Chancen Im Bild Gökhan Inler

Das WM-Spiel 2010 der Schweizer Nati gegen Honduras

Keystone

Das Drama ist knapp vier Jahre her. Am 25.6.2010 scheidet die Schweiz nach dem 0:0 im letzten WM-Gruppenspiel gegen Honduras aus. Seither hat sich dieses Gespenst «Honduras» in den Köpfen des Nationalteams eingenistet.

Die «Nordwestschweiz» hat das Spiel von Bloemfontain, eines der schlechtesten der ganzen WM-Geschichte, noch einmal in voller Länge angeschaut. Von den heutigen Stammspielern waren Benaglio, Lichtsteiner und Inler dabei. Shaqiri wurde eingewechselt. Nachfolgend die Erkenntnisse aus der Partie:

Die Schweiz erarbeitete sich nur eine echte Chance. Nkufo vergab sie mit der Brust. Gefahr kam sonst nur - wenigstens im Ansatz - nach einigen Standardsituationen auf. Die Fehlpassquote war viel zu hoch, vor allem bei Captain Inler. Die Schweiz verpasste es, schnell und direkt zu spielen. Nicht ein einziges Mal kam sie hinter die Abwehr von Honduras.

Am hoffnungsvollsten war noch das Spiel über die Flügel. Nach einem schnellen Seitenwechsel (mehrheitlich von links nach rechts) gab es einige Momente, wo sich Lichtsteiner und Barnetta eine Überzahl erarbeiten konnten.

Am Ende stand aber Honduras mit Kontern dem 1:0 bedeutend näher. Die Abwehr um Grichting und von Bergen spielte indes stark, auch Benaglio zeigte einige starke Paraden.

Im Mittelfeld neben Inler spielte damals Beni Huggel. Als er am Telefon über seine Erinnerungen an das Spiel spricht, sticht ihn zu Hause im Garten gerade eine Biene. Als ob das Schicksal noch immer eine Strafe für die Direktbeteiligten vorsähe.

«Es war eine vergebene Chance», sagt Huggel, «wir waren nicht fähig, Torchancen zu kreieren, hatten keine Feldüberlegenheit, schlicht und einfach keinen Plan, wie wir mit den defensiven Honduranern umgehen sollten.»

Und fügt an: «Ich erinnere mich, wie ich in der Pause dachte: ‹Uff, das wird schwierig...› Dann setzten wir darauf, dass wir eigentlich fitter sind als sie und deshalb vielleicht spät im Spiel noch etwas geht. Aber vielleicht haben wir uns das nur eingeredet. Wir hatten ganz grundsätzlich zu wenige gelungene Offensiv-Aktionen im Spiel.»

Hakan Yakin erinnert sich: «Es war wie so häufig: Wenn du unter Druck bist und unbedingt Tore schiessen musst, dann läufst du gegen eine Wand. Nkufo hatte in der ersten Halbzeit noch eine Chance. Wenn er das Tor macht, sieht es vielleicht anders aus. Aber am Ende hätte ja nicht einmal ein knapper Sieg gereicht für den Achtelfinal.»

Yakin ist derzeit beim Erstligisten Zug Assistenztrainer von Martin Andermatt. Und betreut zudem die U15. Einen Spieler wie ihn damals hat die Schweiz heute nicht mehr.

Einen, der mehr kann als Kreativität und Fantasie nur zu buchstabieren. «Der klassische Spielmacher existiert nicht mehr. Überhaupt wird es die Schönheit des Fussballs von einst nicht mehr geben. Ordnung und Disziplin lassen keinen Platz mehr für die Strassenfussballer von früher, die ihre Fähigkeiten in Tausenden von Minuten auf dem Schulhaus-Platz erlernten.»

Xherdan Shaqiri kam gegen Honduras zu seinen ersten 12 WM-Einsatzminuten. «Danach kamen wir etwas in Schwung», sagt er lachend. «Ganz generell waren diese Minuten für mich wichtiger als sie auf dem Papier aussahen. Ich konnte ein erstes Mal Luft schnuppern auf der grössten Bühne.»

Shaqiri war sofort der unbekümmerte, aufsässige Spieler, der er in seinen besten Tagen noch immer ist. Aufregen über Schiedsrichterentscheide konnte er sich zwar schon damals, einmal warf er nach einem Foul wutentbrannt den Ball weg.

Er war jedenfalls ein Element, das der behäbigen Schweiz gut tat. Der Verdacht liegt nahe: Ottmar Hitzfeld hat zu lange gewartet mit der Einwechslung des damals 18-Jährigen. So ist das eben mit Hitzfeld, dem berechnenden, risikoscheuen Schweizer Trainer.

Nach dem Umbruch 2011 kamen Gedanken auf, Hitzfeld würde auf seine alten Tage hin noch über seinen Schatten springen. Würde mehr wagen. Eine offensivere Spielweise forcieren.

Diese Spiele gab es. Aber nun, kaum hat die WM begonnen, bleibt die ernüchternde Feststellung, dass die Schweiz von einem Rückfall in alte Zeiten heimgesucht wird. Und sieht sich nun erneut mit dem Honduras-Gespenst konfrontiert. Auf den Tag genau vier Jahre später.