Der Kampf um die WM-Torjägerkrone

Fünf Männer – ein Ziel: In den letzten beiden Spielen der WM geht es nicht nur um Titel und Medaillen, sondern auch darum, wer Torschützenkönig wird.

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Torjägerkrone
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Torjägerkrone

Keystone

Pele? Abgehängt. Just Fontaine? Überholt. Gerd Müller? Auf Augenhöhe. Ronaldo? Im Visier. Miroslav Klose war nach dem WM-Halbfinal zutiefst enttäuscht, doch ein Rekord für die Ewigkeit ist immer noch zum Greifen nahe. Der Angreifer von Bayern München kann sich noch an die Spitze der ewigen WM-Torjägerliste setzen - und bester Schütze der Endrunde in Südafrika werden. Doch die Konkurrenz ist gross. Fünf Männer wollen das sechste Tor und die Torjägerkrone 2010.

Klose hatte allerdings keine Kraft, sich sofort für das sportlich bedeutungsarme Spiel um Platz drei zu motivieren. «Egal, ob ich Torschützenkönig werde. Ich wollte Weltmeister werden - das zählt», sagte er und liess den Kopf hängen. Doch heute Abend kann er es trotzdem schaffen: Sein WM-Tor Nummer 15, die Tore Nummer 5 und 6 in Südafrika. Doch die Nase vorn haben derzeit ausgerechnet die einzigen beiden Spieler, die aus dem Fünferkreis noch Weltmeister werden können. Wesley Sneijder (Niederlande) und David Villa (Spanien) haben je fünf Tore erzielt, Klose, Shootingstar Thomas Müller und der Uruguayer Diego Forlan je vier.

Sneijder kann ausserdem erreichen, was noch niemandem gelungen ist: Das Quadruple aus Meisterschaft, Pokal, Champions League und WM-Titel. Für Klose ist das Duell mit Uruguay (und Forlan) die letzte Chance. WM 2014, das ist utopisch. Der Senkrechtstarter der deutschen Nationalmannschaft würde seinem Teamkollegen Klose deshalb jederzeit das entscheidende Tor auflegen. Erst recht im Spiel um die Goldene Ananas, dem Spiel um Platz drei gegen Uruguay (heute 20.30 Uhr). «Ich gönne Miro auf jeden Fall die Torjägerkrone», sagte Müller. Ein Treffer fehlt Klose noch, um mit Ronaldo gleichzuziehen. Der Brasilianer hat 15 WM-Tore auf dem Konto, Klose und Gerd Müller 14.

Doch es gibt Spieler, die momentan einfach heisser wirken. «Maravilla» (das Wunder) Villa zum Beispiel. «David hat einfach einen Lauf. Er steht goldrichtig, die Bälle fallen ihm vor die Füsse», sagt dessen Sturmpartner Fernando Torres. Auch Nationaltrainer Vicente Del Bosque lobt Villa über den grünen Klee. «Er ist ein aussergewöhnlicher Stürmer und rennt nicht nur nach vorn. David arbeitet auch viel nach hinten. Das macht ihn umso wertvoller.»

Forlan hat eine überragende WM gespielt, doch die letzten Halbfinal-Minuten waren eine Qual. Angeschlagen und ausgewechselt sass er auf der Bank, als seine Teamkollegen die Niederlande in der Schlussphase noch einmal ins Schwimmen brachten. Seine Füsse zuckten, der Oberkörper ging jede Bewegung mit. «Ich möchte so nicht von der WM-Bühne abtreten», sagte der 31-Jährige anschliessend. Zwei Treffer, und er nähme vielleicht zumindest den «Goldenen Schuh» mit nach Hause.

Auch Müller hätte stattdessen lieber den WM-Pokal gehabt. Es hat nicht sollen sein. Eine unnötige gelbe Karte bescherte ihm die Zuschauerrolle im Halbfinal und viel Frust. Immerhin dürfte Müller zum besten Nachwuchsmann der WM und damit zum Nachfolger von Lukas Podolski gekürt werden. Mit zwei Toren gegen Uruguay könnte er seine WM krönen. (sid)

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