EM-Viertelfinal

Der isländische EM-Walk of Fame ist zu Ende

Arsenal-Stürmer Olivier Giroud führt Frankreich zu einem 5:2-Triumph gegen Island

Arsenal-Stürmer Olivier Giroud führt Frankreich zu einem 5:2-Triumph gegen Island

Frankreich deklassiert Island in Paris im letzten EM-Viertelfinal 5:2 und setzt dem nordländischen Fussball-Zwergenaufstand ein spektakuläres Ende.

Bart ab! Die wunderbare isländische Sport-Saga endete im Stade de France abrupt. Der Gastgeber fegte die Fussball-Mini-Nation aus der Arena. Im 80. Spiel im Pariser Prunkbau zelebrierte das Team von Didier Deschamps die erste Halbfinal-Qualifikation seit dem letzten Titelgewinn vor 16 Jahren.

Frankreich - Island - 1:0 Giroud

Nach dem höchsten Erfolg seit der Heim-EM 1984 peilen die Franzosen in Marseille am kommenden Donnerstag gegen Deutschland nun die grosse Revanche für die zahlreichen bitteren Niederlagen auf WM-Niveau an. In den Achtzigerjahren scheiterten sie zweimal im Halbfinal, vor zwei Jahren sorgte Mats Hummels in Rio in de Runde der letzten acht für den minimalen Unterschied. 

2:0 Pogba

Nach der einseitigsten ersten Halbzeit der diesjährigen EM führte der Favorit 4:0, die regelrecht zur Schau gestellten Achtelfinal-Helden resignierten. Ihre bislang erstklassige Organisation verflüchtigte sich, innerhalb von 45 Minuten hatten sie gleich viele Gegentore hinzunehmen wie zuvor in vier Partien ohne Fehltritt.

3:0 Payet

Ein weiteres kräftiges Hu oder doch eher ein französisches Ha? Olivier Giroud, der robuste Stürmer von Arsenal, sorgte früh für den kursweisenden Akzent - das perfekte Steilzuspiel Matuidis verwertete er zum 1:0. Islands Anhänger verstummten ein erstes Mal, eine weitere Sensation bahnte sich nicht - im Gegenteil.

4:0 Griezmann

Der Bann war gebrochen, die Mannschaft mit dem geringsten Ballbesitz aller Turnier-Teilnehmer zerschellte in der Folge richtiggehend. Paul Pogba lenkte einen Cornerball perfekt ab, und als Island nur noch taumelte, entzauberte das Topskorer-Duo Dimitri Payet und Antoine Griezmann die Insulaner unmittelbar vor der Pause endgültig.

4:1 Sigthorsson

Viermal hatte der EM-Debütant überrascht. Portugal und Ungarn fanden keine Lösung, Österreich düpierten die Nordländer ebenso, das englische Star-Ensemble liess sich vom krassen Aussenseiter im Achtelfinal gar demütigen. Eine Fortsetzung der isländischen Festwochen liessen "Les Bleus" nicht mehr zu, Giroud und Co. nahmen Fahrt auf.

5:1 Giroud

Obschon sich seit der jugoslawischen Equipe (1:6 gegen die Niederlande im Jahr 2000) kein EM-Viertelfinalist derart dominieren lassen musste, ist den couragierten Fussball-Widerstandskämpfern vom nördlichen Polarkreis anzurechnen, dass sie trotz des einheimischen Schaulaufens wirksam Schadensbegrenzung betrieben. Der Basler Professional Birkir Bjarnason dämmte die Differenz mit seinem zweiten EM-Tor sogar noch etwas ein.

5:2 Bjarnason

Der kolossale englische Absturz dürfte Frankreich auf dem Weg zur weitgehend problemlosen Kür in die Karten gespielt haben. Im Gegensatz zur FA-Auswahl, die sich eine Runde zuvor eine beispiellose 1:2-Blamage geleistet hatten, nahm Deschamps Elf den Kontrahenten ernst.

In England dürften die blossgestellten Premier-League-Millionäre die französische Gala unter Umständen mit Schamesröte im Gesicht verfolgt haben. Gary Lineker, einst Stürmer-Ikone und heute scharfzüngiger BBC-Kommentator, setzte im Verlauf des Abends einen entsprechend sarkastischen Tweet ab: "Ich weiss gar nicht, weshalb wir so kritisch waren mit England. Schaut, wie schwer es den Franzosen fällt, gegen Island zu spielen."

Telegramm:

Frankreich - Island 5:2 (4:0)

Stade de France, Saint-Denis. - 76'833 Zuschauer. - SR Kuipers. - Tore: 12. Giroud (Matuidi) 1:0. 19. Pogba (Griezmann) 2:0. 43. Payet (Griezmann) 3:0. 45. Griezmann (Giroud) 4:0. 56. Sigthorsson (Gylfi Sigurdsson) 4:1. 59. Giroud (Payet) 5:1. 84. Bjarnason (Skulason) 5:2.

Frankreich: Lloris; Sagna, Koscielny (72. Mangala), Umtiti, Evra; Pogba, Matuidi; Sissoko, Griezmann, Payet (80. Coman); Giroud (60. Gignac).

Island: Halldorsson; Saevarsson, Arnason (46. Ingason), Ragnar Sigurdsson, Skulason; Gudmundsson, Gunnarsson, Gylfi Sigurdsson, Birkir Bjarnason; Bödvarsson (46. Finnbogasson), Sigthorsson (83. Gudjohnsen).

Bemerkungen: Frankreich ohne Kanté und Rami (beide gesperrt), Island komplett. Verwarnungen: 58. Bjarnason (Foul). 75. Umtiti (Foul).

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