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«Der Goalie bin ig» – «oder ig» – «oder ig»: YB und sein Luxusproblem

Mit Fussball soll noch lange nicht Schluss sein: Marco Wölfli will sich noch mindestens während viereinhalb Jahren die Torhüterhandschuhe anziehen. freshfocus

Mit Fussball soll noch lange nicht Schluss sein: Marco Wölfli will sich noch mindestens während viereinhalb Jahren die Torhüterhandschuhe anziehen. freshfocus

Bei den Berner Young Boys stellt sich die Frage: Wer spielt im Tor, Wölfli oder Mvogo? Oder steht beim ersten Spiel gar von Ballmoos zwischen den Torpfosten?

«Der Goalie bin ig» singt YB-Fan Kuno Lauener zum gleichnamigen Film nach dem Roman von Pedro Lenz. Bei «seinem» Team gibt es momentan zwei Kandidaten für den Posten im Goal. Einer ist 20 Jahre jung, U21-Nationalgoalie und eines der grössten Schweizer Goalietalente: Yvon Mvogo. Der gebürtige Kameruner war zuletzt Stammgoalie bei den Young Boys. Wieso «war»? Nun, weil nicht mehr ganz so klar ist, ob Mvogo es denn weiterhin sein wird.

Der andere Kandidat ist YBs eigentliche Nummer 1, Marco Wölfli. Bis vor kurzem auch die Nummer drei der Schweizer Nationalmannschaft. Wölfli zog sich im Dezember einen Achillessehnenriss zu. Eine schmerzhafte und vor allem langwierige Verletzung, da sie eine Pause von mindestens einem halben Jahr nach sich zieht. Mvogo ersetzte Wölfli während der gesamten Rückrunde ansprechend. Seine Fortschritte waren unübersehbar – auch für die sportliche Führung bei YB.

Mvogo beginnt als Nummer eins

Wölfli wollte zum Saisonstart am Wochenende wieder fit genug sein, um im Tor zu stehen. «Er hat zuerst gedacht, es reicht. Doch im Trainingslager musste er sich eingestehen, dass es noch zu früh ist», erzählt YB-Trainer Uli Forte. Also steht gegen St. Gallen Yvon Mvogo zwischen den Pfosten. Oder vielleicht sogar David von Ballmoos, die Nummer drei. Denn Mvogo hat sich auch leicht verletzt: Im Training zog sich der Goalie eine Verletzung am rechten Sprunggelenk zu. Es ist noch unklar, ob es für das erste Spiel reicht.

Doch zurück zur Frage, wer denn nun die Nummer 1 im YB-Tor sein wird. «Yvon Mvogo», antwortet Forte. Und auch Sportchef Fredy Bickel sagt: «Ich gehe davon aus, dass es Mvogo ist.» YB setzt tatsächlich auf den U21-Nationalgoalie und verbannt Klublegende Wölfli auf die Bank?

Forte und Bickel ergänzen sofort, dass dies nur für den Saisonstart gelte. Und wenn Wölfli, der mit seiner Reputation bestimmt nur schwer damit leben kann, auf der Bank zu sitzen oder nur im Cup zu spielen, zurückkommt? «Mvogo ist die Nummer eins», wiederholt Forte. «Aber klar: Wölfli will spielen. Jeder will das. Aber dafür muss er 100 Prozent fit werden. Es bringt nichts, jetzt zu werweissen, was sein wird.»

Es klingt ehrlich und man spürt heraus, dass Mvogo durchaus eine Chance hat, bei YB langfristig die Nummer eins zu bleiben. Mit der Verletzung von Wölfli wurden die Berner quasi zu ihrem Glück gezwungen: Mvogo musste fortan ins Tor, spielte stark und strahlte Ruhe aus. Ein zweiter «Fall Roman Bürki» konnte so möglicherweise vermieden werden.

Drei Klassetorhüter sind zu viel

Der künftige Bundesligagoalie beim SC Freiburg und Ex-YB-Junior Bürki kam bei den Bernern nicht an Wölfli vorbei. Also wechselte das Riesentalent 2011 zu den Grasshoppers. Für die Zürcher ein Bombentransfer. Doch auch bei YB weint man Bürki scheinbar nicht nach. «Niemand hat verstanden, weshalb wir Roman Bürki damals verkauften. Wir haben jedoch gesehen, dass wir ein Problem bekommen würden. Mit Mvogo, Wölfli und Bürki – da hätten wir drei Klassetorhüter gehabt. Deshalb haben wir Bürki verkauft», erklärt Bickel.

Wölfli muss sich nach seiner Verletzungspause jedenfalls zuerst wieder beim Trainer beweisen: «Yvon hat nun seine Chance, und wenn er seine Arbeit gut macht, dann wird es schwierig für Marco. Es kann nur gut sein für die Mannschaft, wenn wir zwei gute Goalies haben. Das ist eine schöne Situation», sagt Bickel.

Erfahrung sprich für Wölfli

Für Wölfli spricht allerdings seine Erfahrung, und dass er ein absoluter Leader ist. Und Leader kann YB auf dem Platz gut gebrauchen. Die vermeintlichen Leader sind nämlich zurzeit fast alle verletzt: Gerndt, Vitkieviez, Vilotic und von Bergen fallen alle bis auf weiteres aus. Spycher ist zurückgetreten. «Ich dachte, die Verletzungshexe sei endlich weg aus Bern. Aber sie ist immer noch da!», wettert Forte. «Nun müssen halt andere Verantwortung übernehmen.»

Ist Wölfli wieder fit, ist er einer, der eine Leaderrolle einnehmen kann. Vielleicht ist das dann doch ausschlaggebend. Oder zeigen die YB-Chefs Mut und setzen auf Mvogo? Wenn nicht, würde sich der junge Goalie sicherlich seine Gedanken machen. Und – wie Bürki damals – möglicherweise den Verein wechseln.

«Das denke ich nicht. Mvogo hat bei YB einen langfristigen Vertrag unterschrieben», sagt Forte. Allerdings weiss auch er, wie schnelllebig das Fussballbusiness ist. Und der Name Mvogo dürfte schon auf dem einen oder anderen Notizzettel stehen.

Mvogo bekommt jetzt seine Chance. «Dr Goalie bin ig» singt Kuno Lauener. Und vielleicht singt auch Mvogo zu Hause unter der Dusche: «Der Goalie bin ig.»

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