Das nächste Abenteuer
Der Fussball-Wandertrainer: Otto Pfister will mit Afghanistan an den Asien-Cup

Der 79-jährige Otto Pfister will mit Afghanistan an den Asien-Cup 2019. Der in Köln geborene Fussballtrainer hat mit seinem Trainerberuf schon die halbe Welt besucht.

Markus Brütsch
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Otto Pfister an der WM 2006 in Deutschland als Trainer von Togo.

Otto Pfister an der WM 2006 in Deutschland als Trainer von Togo.

Keystone

Die Katze lässt das Mausen nicht. Als Otto Pfister im Januar als Beobachter des Afrika-Cups in Gabun weilte, wurde er gefragt, ob er nicht mehr als Trainer arbeiten wolle. «Auf der Suche nach einem Job bin ich nicht. Ich habe ja schon fünf Mal endgültig aufgehört», sagte der Deutsche, der seit Jahrzehnten in der Schweiz lebt. «Aber dann läutet das Telefon, jemand will dich als Trainer haben und schon sitzt du wieder auf der Bank. Ausschliessen darf man im Fussball nichts.»

Palaver in Kabul

Wenig später hat dann Pfisters Handy tatsächlich geklingelt. Am anderen Ende ein Funktionär, welcher verzweifelt einen Coach suchte, der gewillt war, die afghanische Nationalmannschaft zu übernehmen. Ein Himmelfahrtskommando, wie Vorgänger Petar Segrt bestätigen könnte. Nicht nur weil sich das Land im Griff des Terrors befindet und jederzeit und überall eine Bombe explodieren kann. Nein, für einen Trainer kann es auch sonst ungemütlich werden.

Die Stationen von Pfister (als Trainer)

- 1961–1963 FC Vaduz

- 1963–1966 FC St. Gallen

- 1966–1968 FC Nordstern Basel

- 1968–1969 FC Moutier

- 1969–1972 FC Chur 97

- 1972–1976 Ruanda

- 1976–1978 Obervolta

- 1979–1982 Senegal

- 1982–1985 Elfenbeinküste

- 1985–1989 Zaire

- 1992–1993 Ghana

- 1995–1997 Bangladesch

- 1997–1999 Saudi-Arabien

- 1999–2002 Al-Zamalek

- 2002–2004 CS Sfaxien

- 2004–2005 Nejmeh SC

- 2005 El-Masry

- 2006 Togo

- 2006–2007 Al-Merrikh

- 2007–2009 Kamerun

- 2011–2012 Trinidad und Tobago

- 2014 Al-Merrikh

- 2015 USM Algier

- 2017– Afghanistan

Bevor die afghanische Mannschaft Mitte November 2016 nämlich zu einem Freundschaftsspiel ins benachbarte Tadschikistan flog, wurde dem Trainer befohlen, einen bestimmten Spieler in die Mannschaft zu nehmen. Weil es dabei um einen Gefälligkeitsdienst des Verbandspräsidenten gegenüber einem Stammesfürsten ging, der Spieler aber vom Team wegen früherer Geschichten nicht akzeptiert wurde, weigerte sich Segrt, diesen Akteur zu berücksichtigen. Am Verbandssitz in Kabul gab es ein Palaver ohne Ende, und als die Zeit bis zum Abflug immer knapper wurde, beorderte der Präsident den Spieler zur Mannschaft in den Bus.

Als sich Segrt dann weigerte, in diesen einzusteigen, liessen ihn die Afghanen allein in Kabul zurück und der Trainer musste zusehen, wie er am schnellsten aus dem Land kam.
Auch wenn Pfister die Story inzwischen kennen sollte, so würde ihn diese Episode nicht abschrecken, den Job auszuüben.

Dafür war er schon zu lange in vielen Krisengebieten. So meldete er nun fröhlich aus Duschanbe: «Bei uns ist alles okay.» In der Hauptstadt von Tadschikistan beginnt für ihn und seine Equipe heute Nachmittag die letzte Qualifikationsphase zum Asien-Cup 2019. Die besten zwei Teams der Vierergruppe mit Afghanistan, Jordanien, Kambodscha und Vietnam werden dabei sein. Weil es zu gefährlich wäre, Länderspiele in Kabul auszutragen, müssen die Afghanen ihre Heimspiele im Ausland austragen. «Wir hoffen dennoch auf Unterstützung, denn viele Afghanen leben hier», sagt Pfister.

Vorbereitet hat er sein Team in Katar, wo es in einem Testspiel gegen Singapur 2:1 gewann. «Wenn man bedenkt, dass wir nur drei Tage zusammen trainieren konnten, war das eine gute Leistung.» Es ist zu spüren, wie der Mann, der in seinem Leben weltweit gegen 30 Mannschaften trainiert hat, dem Spiel gegen Vietnam entgegenfiebert.

Schon 1972 in Ruanda tätig

Otto Pfister am Africa Cup 2008 Trainer mit Kamerun.

Otto Pfister am Africa Cup 2008 Trainer mit Kamerun.

Keystone

1959 aus Köln zum FC Chiasso gekommen, spielte er noch ein Jahr beim FC Grenchen, ehe Pfister als Spielertrainer Vaduz übernahm. Seine Karriere als Nationalcoach und Vereinstrainer begann 1972 in Ruanda. Er war mit Ausnahmen wie Bangladesch und Trinidad immer in Afrika beschäftigt und hatte seine grössten Erfolge, als er mit Ghana U17-Weltmeister wurde und 2001 mit Zamalek ägyptischer Meister.

Im November wird Pfister 80 Jahre alt. Dennoch hat er die Anfrage aus Afghanistan ohne Zögern positiv beantwortet. «Die Arbeit mit jungen Leuten hat mich jung gehalten», sagt Pfister. «Ich bin ein Abenteurer. Die Leidenschaft für den Fussball treibt mich an. Und ich fühle mich auf der ganzen Welt zu Hause.»

Was aber sagt die Familie, die im Rheintal zu Hause ist? «Ohne deren Einverständnis ginge das alles natürlich nicht», sagt Pfister. «Für einen Trainer, der familiengebunden ist und keine Fremdsprachen spricht, wäre eine solche Tätigkeit nichts. Der muss dann halt Aarau oder Winterthur trainieren.»