Champions League
Der FCB will die Festung in der Stadt der Liebe stürmen

Der FC Basel weilt momentan in Paris. In der Stadt also, die sich als Hauptstadt eines Landes rühmen darf, das in den letzten Monaten und Jahren vom Terror gepeinigt wurde. In diesem Umfeld bemühen sich die Schweizer um einen Punktgewinn in der Königsklasse.

Sébastian Lavoyer
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In diesem Stadion treffen die Basler auf ihre Herausforderer - können sie hier gewinnen?

In diesem Stadion treffen die Basler auf ihre Herausforderer - können sie hier gewinnen?

Keystone

Paris ist in Alarmbereitschaft. Und damit ist nicht der Fussballklub Saint-Germain gemeint. Obschon Trainer Unai Emery vor der heutigen Partie gegen den FC Basel mit allem rechnet: «Meine Spieler erwartet ein schweres Spiel, wir werden mit unserer besten Elf auflaufen.»

Nein, gemeint ist die Stadt Paris, ja, eigentlich ganz Frankreich. Das Land ist im Ausnahmezustand, geprägt vom Terror, den Anschlägen der letzten Monate und Jahre.

Das zeigt sich schon bei der Ankunft des FC Basel. Es ist kurz vor 11 Uhr, als die A320 der Air Berlin auf dem Flughafen Charles de Gaulle landet. Eine Viertelstunde später betreten Trainer Urs Fischer und sein Team die Landebahn. Neben den zwei Bussen warten vier bewaffnete Gendarmen. Als die Spieler am Laufband auf ihr Gepäck warten, stehen im Hintergrund Sicherheitsleute. Die Maschinenpistolen im Anschlag.

Ein Armee-Helikopter fliegt über das Stadion Parc des Princes in Paris.

Ein Armee-Helikopter fliegt über das Stadion Parc des Princes in Paris.

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Rückblick. Am 7. Januar 2015 dringen Terroristen in die Redaktion des Satiremagazins «Charlie Hebdo» ein, richten mehrere Journalisten förmlich hin. Dann folgt der 13. November: Während Frankreich und Deutschland im Stade de France ein Freundschaftsspiel bestreiten, wütet ein islamistisches Terrorkommando in untermittelbarer Nähe. «Sie wollten ins Innere des Stadions eindringen, aber sie konnten nicht», sagte Thierry Braillard, Frankreichs Staatssekretär für Sport. Die Bomben zünden sie trotzdem, direkt vor den Toren des Fussballtempels. Torhüter Manuel Neuer sagte später, dass er eine leichte Erschütterung gespürt habe: «Aber dass es sich um einen Terroranschlag handelt, damit hätte ich nie gerechnet.»

Den Grossteil des Massakers vom 13. November verantworten nicht die Bomber vom Stade de France, sondern die Terroristen, die ins Konzertlokal Batanclan eindringen. Wahllos schiessen sie um sich. 88 Menschen sterben. 130 Tote beklagt Frankreich an jenem Abend insgesamt.

Am Tag darauf ist nichts mehr wie zuvor. Frankreich ist im Herzen getroffen. Es ist der Beginn des Ausnahmezustands. Seither können die Behörden Hausdurchsuchungen anordnen ohne richterlichen Beschluss, Ausgangssperren verhängen, Websites sperren und Veranstaltungsorte oder Kneipen schliessen. Eigentlich hätte Ende Juli Schluss sein sollen. Dann kam Nizza, der Anschlag am französischen Nationalfeiertag, am 14. Juli.

Cool bleiben – irgendwie

Mit einem Lastwagen rast ein Mann in die Menschenmenge am StrandBoulevard. 86 Menschen reisst er in den Tod. Premierminister Manuel Valls spricht im Parlament: «Es ist hart, dies zu sagen, aber es ist meine Pflicht: Es wird weitere Anschläge geben, und es werden weitere unschuldige Menschen getötet.» Es ist die Rechtfertigung, den Ausnahmezustand im Land um ein halbes Jahr bis Ende Januar 2017 zu verlängern.

Die Spieler aus Basel absolvieren erste Trainings in Paris.

Die Spieler aus Basel absolvieren erste Trainings in Paris.

Keystone

Jetzt also kommt Basel in diese Stadt im Ausnahmezustand. Goalie Tomas Vaclik erzählt, dass seine Frau auf die Reise verzichtet, weil sie «ein wenig Angst» habe, insbesondere auch der kleinen Tochter Nicole wegen. Renato Steffen meint: «Wenn man das zu nahe an sich ranlässt, ist man nur noch am Zittern.» Also gibt er sich cool, fügt an: «Wenn es sein muss, dann muss es sein. Aber ich glaube, meine Zeit ist noch nicht gekommen.» Dann lacht er.

Sportchef Georg Heitz sagt, dass die angespannte Lage in Frankreich die FCB-Planung nicht beeinflusst habe. «Das Einzige, was anders war, ist diese leidige Fangeschichte.» Während beim Arsenal-Spiel im Parc des Princes 2200 Gäste-Fans zugelassen waren, dürfen heute nur 800 FCB-Anhänger rein. Warum? Heitz: «Der Ausnahmezustand, mehr braucht es nicht.» Und mehr gab es auch nicht. Keine Begründung – nur der Fakt.

Die Muttenzerkurve hatte unmittelbar nach Bekanntgabe dieser Massnahme zum Boykott aufgerufen. Und so sind von den 800 verfügbaren Tickets bloss etwas mehr als die Hälfte abgesetzt worden. Auch, weil man nur mit einem personalisierten Voucher ins Stadion kommt. Diesen hätten die Fans in Basel beziehen müssen, um dann in Paris mit Voucher und Ausweis die Tickets zu erhalten.

So müssen die FCB-Spieler die Festung Parc des Princes heute fast ohne Fan-Unterstützung stürmen. Denn eine Festung ist dieses Stadion auch im fussballerischen Sinn: In den letzten zehn Jahres hat PSG auf europäischem Parkett nur ein einziges Heimspiel verloren.

FCB-Trainer Urs Fischer sagt: «Es wird eine ganz schwierige Aufgabe. Aber unser Ziel ist europäisch zu überwintern. Dafür brauchen wir Punkte.»