Doch Wicky und Hütter sprechen über Angst. «Unsere ersten 25 Minuten waren sehr schwach. Wir waren richtig ängstlich», sagt Wicky. Er kann es nicht erklären: «Warum haben wir Angst? Es ist ein Spiel. Ich habe versucht, die Spieler richtig einzustellen, ihnen Vertrauen zu geben, ihnen gesagt, dass sie rausgehen und das machen sollen, was sie am besten können. Fussball spielen. Sie sind Profis. Und dann das ...»

In Basel hoffte man, dass mit dem erkämpften Sieg gegen den FC Sion vor zwei Wochen endlich die Wende zum Guten gekommen sei. Aber der Start in den Spitzenkampf lässt alles andere vermuten: Fehlpässe, Verunsicherung, Zweifel. Der FCB ein Schatten vergangener Tage, als müsste man bestätigen, dass YB zurecht vorne liegt. Und dann gehen die Berner auch tatsächlich in Führung. Zuckerflanke Roger Assalé, Fallrückzieher Guillaume Hoarau. Ein Zungenschnalzer von einem Tor, die verdiente Führung für die Gastgeber.

Wenn Stocker die Knie zittern

Es sieht alles danach aus, als würde das eine noch eindeutigere Angelegenheit als der Cup-Halbfinal, den YB hoch verdient mit 2:0 gewann. Doch es kommt anders. Plötzlich ist YB weniger präsent, weniger aggressiv, steht tiefer, überlässt Basel mehr Raum und lädt den Serienmeister so quasi zum Ausgleich ein. Michael Lang scheitert in der 38. Minute zuerst aus der Distanz. Aber dann hat Taulant Xhaka alle Zeit der Welt, den Abpraller zu verwerten. Er donnert den Ball aus rund 25 Metern ins Lattenkreuz. 1:1 und plötzlich ist Basel wie verwandelt, die Angst ist weg, das Vertrauen zurück. «Ich verstehe nicht, wie das möglich ist», sagt Wicky.

Genauso wenig wie YB-Trainer Adi Hütter. Und als er dann an der Pressekonferenz gefragt wird, ob bei seinem Team da vielleicht sogar so etwas wie Angst vor dem Meistertitel aufgekommen sei, sagt er: «Nein, Angst haben wir nicht. Wir haben Respekt vor dem, was uns noch bevorsteht, aber keine Angst.» Noch neun Spiele bleiben YB, zehn dem FCB. Der Vorsprung der Berner beträgt 16 Punkte und das bei noch 27 respektive 30 zu vergebenden Punkten. Weil die Berner gestern, obwohl sie direkt nach der Pause und einem Tor von FCB-Captain Marek Suchy in Rückstand geraten, wieder aufstehen und sich nicht aus dem Konzept bringen lassen. Sie drücken auf den Ausgleich und markieren ihn durch Christian Fassnacht nur knappe zehn Minuten nach der Basler Führung. Als ob sie zeigen möchten: Wir fürchten uns nicht, wir sind bereit für diesen Titel.

Berner jubel im Wankdorf

Berner jubel im Wankdorf

Und der FCB? Raphael Wicky mag dem Kontrahenten aus Bern noch nicht zum Titel gratulieren, obwohl es seinem Team nicht gelang, den Rückstand zu verkürzen. Die Chancen dazu wären vorhanden gewesen. Valentin Stocker hat gleich zweimal das Tor zum 3:2 auf dem Fuss und kriegt dann zittrige Knie. Erst versucht er den Ball zu Albian Ajeti zu passen und gibt so YB-Abwehrchef Steve von Bergen die Möglichkeit zu klären (60.) und dann verstolpert er allein vor Wölfli (82.). «Bei der ersten Chance muss ich es alleine probieren», sagt Stocker selbstkritisch. Und bei der zweiten sei die Annahme schlecht und deswegen die Chance verpufft. Sein Trainer sagt: «Vali ist in aufsteigender Form. Er hatte in Berlin kaum Rhythmus, trainiert aber seit Wochen stark bei uns. Und heute kam er drei, vier Mal gefährlich vors Tor. Ich bin überzeugt, dass die Fans schon bald wieder den alten Vali sehen werden, der diese Tore dann auch macht.»

Hassfigur in Bern

Es hat fast symbolischen Charakter, dass ausgerechnet Stocker es verpasst, YB noch einmal Bibbern zu lassen. Er, der gegen YB zweimal in einer Finalissima geglänzt hat, auch deswegen zu einer Hassfigur in Bern wurde. So sehr, dass auch gestern jeder Stocker-Ballkontakt mit Pfiffen garniert wird. Aber Stocker sticht nicht mehr, Stocker zittert.

Valentin Stocker ist nicht wirklich beliebt bei den Bernern

    

Der FCB zeigt sich so also auf Augenhöhe mit YB. Aber eben nicht mehr. Und genau das hätten die Basler gebraucht, wenn sie noch einmal ein kleines bisschen Spannung in die Liga hätten bringen wollen. Aber dann war da diese Angst. Ausdruck des angeschlagenen Selbstvertrauens der Basler. Man hat gedacht, genau dieses Vertrauen sei zurück nach der Krise im Herbst. Aber mit den vielen Wechseln im Winter ist das Team aus der Balance geraten, das bestätigte Raphael Wicky gestern, in dem er sagte: «Wir sind daran, uns als Mannschaft wieder zu finden. Und wir sind auf gutem Weg.»