17. Meistertitel

Der FCB schreibt mit dem fünften Meistertitel in Folge Fussball-Geschichte

Der FC Basel hat allen Grund zu jubeln.

Der FC Basel hat allen Grund zu jubeln.

Der FC Basel sicherte sich vorzeitig den fünften Meistertitel in Folge und übertraf damit den Rekord der Young Boys aus den Fünfzigerjahren - trotz anhaltender Unruhe um Trainer Murat Yakin.

Am Ende nahm alles seinen gewohnten Lauf: Dem FC Basel gelang in Aarau zwei Runden vor Schluss die erfolgreiche Titelverteidigung. Trotz anhaltender Misstöne rund um die Mannschaft, trotz interner und externer Kritik an Trainer Murat Yakin, trotz der gewichtigen Abgänge von Aleksandar Dragovic und Mohamed Salah, trotz 15 Unentschieden, trotz vieler Ausfälle, trotz der Dreifachbelastung, die Rot-Blauen waren auch in der vergangenen neun Monaten das Mass aller Dinge im Schweizer Fussball.

Der FCB verewigte sich mit dem fünften Titel in Serie, dem neunten in den letzten 13 Jahren, in den Annalen des Schweizer Fussballs und übertraf damit die Young Boys, die unter dem legendären Albert Sing von 1957 bis 1960 vier Titel in Serie gewonnen hatten.

Nicht nur sportlich, sondern auch neben dem Feld verzeichnete der FCB ein Rekordjahr. An der Generalversammlung vergangene Woche wies der von Bernhard Heusler präsidierte, 1893 gegründete Verein bei einem Umsatz von 88,2 Millionen Franken einen Bruttogewinn von 11,6 Millionen Franken aus. Und dank den Transfers von Salah, der in der Winterpause für die Rekordsumme von rund 16,5 Millionen zu Chelsea wechselte, und Yann Sommer, der nach Mönchengladbach zieht, sowie der bereits jetzt feststehenden Teilnahme an der kommenden Champions League wird auch die nächste Jahresrechnung der Basler positiv ausfallen.

Anhaltende Unruhe

Trotz sportlichem und wirtschaftlichem Erfolg war beim FCB zuletzt aber nicht nur alles Gold was glänzt. Im letzten Herbst kam innerhalb der Mannschaft erstmals Unruhe auf, als sich Spieler via Öffentlichkeit über den Trainer und dessen Kommunikationsstil beklagten. Auch die Verantwortlichen stellten sich in der Folge nicht immer nur vorbehaltlos hinter den Trainer. Zwar modifizierten sie in der Winterpause Yakins Vertrag, so dass dieser Gültigkeit bis 2015 hat, ein klares öffentliches Bekenntnis zum 39-Jährigen gab es aber nie. Ob Yakin den Meister auch in die neue Saison führen wird, ist nicht gesichert.

Yakin ist hoch anzurechnen, dass er trotz der Widrigkeiten den Fokus und die Fassung bis auf einige wenige Ausnahmen nicht verlor. Auch wenn zwischen ihm und dem FCB nicht die grosse Liebe entflammt ist, bewegt sich der frühere Abwehrpatron seit seiner Verpflichtung im Herbst 2012 von den Resultaten her nahe am Maximum: Zwei Meistertitel, zwei Cupfinal-Teilnahmen, die Teilnahme an der Champions League sowie die Viertelfinal- und Halbfinal-Qualifikation in der Europa League, die grossen Schlagzeilen im Schweizer Klubfussball lieferte fast ausschliesslich der FCB. Die zwei Siege im Herbst in der Gruppenhase der Champions League gegen das von Jose Mourinho trainierte Chelsea sorgte auch international für Aufsehen.

Neben den latenten Diskussionen um die Kommunikationsfähigkeit und die (zu defensive) Taktik des Trainers leisteten sich die Basler auch auf dem Transfermarkt den einen oder anderen kostspieligen Fehlgriff. Raul Bobadilla wurde nach seinem Raservergehen im letzten Sommer bei erstbester Gelegenheit nach Augsburg abgeschoben. Und auch die Verpflichtung des Publikumslieblings Matias Delgado kostete bislang in erster Linie viel Geld, brachte sportlich aber noch wenig Ertrag. Den grössten Tiefschlag erlitt der FCB im März in Salzburg, als die Fans im Achtelfinal-Rückspiel der Europa League Gegenstände auf das Feld warfen und beinahe einen Spielabbruch provozierten. Ein Geisterspiel und ein gehöriger Imageschaden für den FCB waren die Folge, nachdem bereits im Champions-League-Heimspiel gegen Schalke eine Aktion von Greenpeace-Aktivisten für ungewollte Schlagzeilen gesorgt hatte.

Fehlende Konkurrenz

Am Ende konnten aber auch die teilweise hausgemachten Probleme das wichtigste Saisonziel, den Gewinn des 17. Meistertitels, nicht gefährden. Dies lag allerdings nicht nur an der sportlichen Klasse der Basler, sondern auch an der Schwäche der Konkurrenz. Die Grasshoppers konnten zwar ihre Rangierung aus dem Vorjahr unter dem neuen Trainer Michael Skibbe und trotz der Abgänge von Steven Zuber, Izet Hajrovic und Milan Vilotic und dem Wechsel an der Vereinsspitze etwas überraschend bestätigen, wer aber im Titelkampf gegen Thun (0:5) und Aarau (0:4) Kanterniederlagen kassiert, hat den Titel nicht verdient.

In Bern schaffte es auch Uli Forte noch nicht, dem schlafenden Riesen YB neues Leben einzuhauchen und in der Bundeshauptstadt eine Euphorie zu entfachen. Dem FC Zürich blieb es zwar vorbehalten, als einziges Team den FCB in dieser Saison zweimal zu bezwingen (u.a. Cupfinal), den Zürchern fehlte aber die Konstanz und die Breite im Kader, um auch in der Meisterschaft den Baslern auf Augenhöhe zu begegnen.

Auch wenn mit Sommer und möglicherweise auch Valentin Stocker (Stuttgart?), neben dem herausragenden Captain Marco Streller die zwei wichtigsten Teamstützen, den Verein verlassen werden, deutet nichts auf ein baldiges Ende der FCB-Dominanz hin. Finanziell sind die Basler der nationalen Konkurrenz schon lange enteilt, und auch sportlich kann ihnen niemand das Wasser reichen, auch wenn dies in dieser Saison in der Super-League-Tabelle nicht immer deutlich zum Ausdruck kam. Der grösste Gegner des FCB sind und bleiben die Basler selber.

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