Unglaubliche Serie
Der FCB hat in elf Heimspielen in Serie keinen Gegentreffer zugelassen

Der FC Basel erhielt zuhause in elf Pflichtspielen in Serie kein einziges Gegentor. Hält die unglaubliche Torsperre des FC Basel im St. Jakob-Park auch gegen Tottenham an, ist die Halbfinalteilnahme in der Europa League gesichert.

Markus Brütsch
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Objekt der Begierde: Yann Sommer.

Objekt der Begierde: Yann Sommer.

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Vielleicht hat André Villas-Boas bei Steven Lang nachgefragt. Sich beim Spieler von Servette das Rezept geholt, wie man im St. Jakob-Park ein Tor schiesst. Lang ist nämlich jener Mann, der am 7. Oktober 2012 als Letzter die Heldentat geschafft hat, im Stadion des FC Basel ein Tor zu erzielen. «Das ist ganz einfach», hätte Lang dann zum Trainer von Tottenham gesagt, «Sie müssen nur Cabral umdribbeln und den Ball aus 25 Metern in den Winkel jagen. Dann hat selbst Yann Sommer keine Chance.»

Die Sache hat allerdings einen Haken. Als Lang gegen den FCB nach 65 Minuten das 2:3 schoss, stand beim Meister noch Heiko Vogel als Trainer an der Linie. Erst danach, nachdem Murat Yakin den Deutschen abgelöst hatte, setzten die Basler am 3. November beim 2:0 im Heimspiel gegen YB zu einer brillanten Serie an. Sie blieben sage und schreibe in elf Pflichtspielen zu Hause – sieben in der Super League, vier in der Europa League – ohne jegliches Gegentor und schossen bei zehn Siegen ein Torverhältnis von 22:0 heraus. Gelingt es dem FCB nun morgen, das Dutzend vollzumachen und auch gegen Tottenham Hotspur kein Tor zu kassieren, dann hat er nach dem 2:2 im Hinspiel an der White Hart Lane die Halbfinalqualifikation in der Europa League auf sicher.

Klar verbesserte Defensivarbeit

Natürlich hat auch eine Portion Glück zu dieser unglaublichen Torsperre beigetragen. Denn in diesen 990 Minuten plus den Nachspielzeiten hat den Gegnern die eine oder andere hochkarätige Chance gewinkt, den Bann zu brechen. Die Thuner Ghezal und Demiri, der YB-ler Frey, die St. Galler Etoundi und Abegglen, GCs Michael Lang und St. Petersburgs Danny scheiterten an Goalie Sommer oder brachten den Ball nichts aufs Tor; und gegen Sporting hätte es nach einem Handspiel von Aleksandar Dragovic Penalty für die Portugiesen geben müssen. Auch wenn also das eine oder andere Gegentor hätte fallen können, ist unter dem Strich zu einem erheblichen Teil die klar verbesserte Defensivarbeit seit Yakins Amtsantritt für die Wunderserie verantwortlich. «Wir müssen die Abwehr stabilisieren, das ist das Schwergewicht meiner Arbeit in den ersten Wochen», hatte Yakin damals gesagt.

Zwar wirbelt der Trainer seine Mannschaft sehr oft gehörig durcheinander, und kaum einmal tritt sie zweimal in Folge unverändert an. Doch die Rotationen, die Rotblau so unberechenbar machen, beschränken sich auf das Mittelfeld und den Angriff. Nur bei Sperren, Verletzungen oder wenn ein Akteur zwingend eine Pause braucht, stellt Yakin die Abwehr um. Zusammen mit Sommer bildet die Viererkette einen eingespielten Verbund, der sich allerdings nicht nur auf die Abwehrarbeit konzentriert. Vor allem Fabian Schär und Philipp Degen schalten sich oft ins Angriffspiel mit ein, Park und Dragovic etwas weniger. «Der Hauptfaktor für unsere Serie ist schon die extrem gute Konzentrationsfähigkeit», sagt Sommer. Andere, wie Stürmer Marco Streller, können die Zu-Null-Serie zwar kaum fassen, weisen aber darauf hin, dass halt auch die Offensivabteilung ihren Part an Defensivarbeit erfülle.

Einen Rekord aufgestellt haben die Basler allerdings nicht. Der FC Barcelona zum Beispiel blieb in der Saison 2011/12 in zwölf Pflichtheimspielen (Champions League, Primera Division, Copa del Rey) in Folge ungeschlagen. Andere beeindruckende Serien ohne Gegentor schafften auch Dino Zoff (zwölf Länderspiele für Italien), der FC Tirol (kassierte 2001 am 12. Spieltag der Liga das erste Gegentor), Edwin van der Sar (Manchester United, 1311 Minuten), Abel Resino (Atletico Madrid, 1275), Timo Hildebrand (VfB Stuttgart, 875) oder Roman Bürki (GC, 660)

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