Fussball
Der FC Zürich gibt in zehn Minuten ein Unentschieden aus der Hand

Fünf Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit kann der FC Zürich gegen Luzern noch ausgleichen. Doch die Freude hält nicht lange an. Luzern schaltet einen Gang höher und gewinnt zum Schluss gleich mit 5:2.

Dean Fuss
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Lange Gesichter beim FC Zürich, viel zu jubeln gab es gegen Luzern nicht.

Lange Gesichter beim FC Zürich, viel zu jubeln gab es gegen Luzern nicht.

Keystone

Wie aus dem Nichts kommt der FC Zürich in der 84. Minute doch noch zum Ausgleich – in Unterzahl notabene. Sadiku verlängert einen Grgic-Freistoss aus gut und gerne 35 Metern mit den Haarspitzen und düpiert damit Luzern-Goalie Zibung – 2:2 steht es zu diesem Zeitpunkt. Die Gäste aus Luzern scheinen sich die Butter doch noch vom Brot nehmen zu lassen.

Doch der Zürcher Jubel hält keine zwei Minuten an, da liegen sie schon wieder zurück. Lezcano trifft vom Penaltypunkt, nachdem er selber zuvor von FCZ-Goalie Yanick Brecher von den Beinen geholt worden ist. Das 3:2 entscheidet die Partie zugunsten der Innerschweizer. Dass Kryeziu (89.) und erneut Lezcano (94.) das Skore schliesslich noch auf 5:2 ausbauen, ist nicht mehr als eine statistische Zugabe.

Unerfreuliche DVD für den neuen Trainer

Gut 2000 Kilometer vom Stadion Letzigrund entfernt dürfte sich in den kommenden Tagen ein blonder Hüne vor dem Bildschirm die Haare raufen. Ob Sami Hyypiä sein Engagement beim FCZ bereits bereut? Denn was der 41-Jährige, der am Freitag unmittelbar nach seiner Vorstellung als FCZ-Trainer mit DVDs der bisherigen Auftritte seines neuen Teams im Gepäck – und der Bemerkung: «Ich werde sie mir genau anschauen» – gleich wieder in seine Heimat Finnland zurückreiste, auf der nachgesendeten DVD vom jüngsten Auftritt seiner neuen Mannschaft zu sehen bekommen wird, dürfte ihm einige Sorgenfalten auf die Stirn zaubern.

Seiner Mannschaft in spe war nach einer beidseits verhaltenen ersten Halbzeit der ideale Start in den zweiten Durchgang gelungen: In der 50. Minute hämmerte Christian Schneuwly die Zürcher mit einer sehenswerten Direktabnahme aus vollem Lauf in Führung. Wie auch später beim zwischenzeitlichen Ausgleich zum 2:2 hatte nichts darauf hingedeutet, dass der FCZ einem Torerfolg nahe stehen würde.

Spielentscheidene rote Karte

Nur fünf Minuten später, mitten in der nach dem Führungstor folgenden Sturm- und Drangphase des FCZ, sorgte der ansonsten eher blass gebliebene Jakob Jantscher mit einer starken Einzelleistung im FCZ-Strafraum für den 1:1-Ausgleich. Den Knackpunkt der Partie erlebten die 7621 Zuschauer im Letzigrund dann aber in der 72. Minute. Einen Kopfball von Remo Freuler konnte Burim Kukeli für den geschlagenen Brecher auf der Linie nur noch mit der Hand klären. Der FCZ-Verteidiger sah dafür zu Recht Rot und Lezcano verwandelte den fälligen Penalty souverän zur 2:1-Führung für die Innerschweizer – und bejubelte danach den ersten seiner insgesamt drei Treffer frenetisch.

«Wenn wir solche Fehler machen, dürfen wir uns über eine solche Niederlage nicht wundern», sagte FCZ-Verteidiger Philippe Koch unmittelbar nach dem Schlusspfiff. Und Massimo Rizzo, Interimstrainer und Noch-Statthalter Hyypiäs, ergänzte: «Das ist ein ganz brutales Verdikt heute.»

Währendessen zügelt der neue Trainer Hyypiä

Dass Bald-FCZ-Trainer Hyypiä momentan in seiner finnischen Heimat und nicht schon bei seinem neuen Klub weilt, hat einen einfachen Grund: Bis vor zwei Wochen hatte er noch in England gewohnt. Jetzt steckt er zusammen mit seiner Familie mitten im Umzug zurück nach Finnland. «Er wollte seiner Frau die ganze Zügelei nicht alleine aufhalsen. Ich finde, das ist eine gute Sache», sagte FCZ-Präsident Ancillo Canepa zur Abwesenheit des Nachfolgers des Anfang August entlassenen Urs Meier.

Hyypiä wird deshalb erst in acht Tagen und damit nach dem Schlagerspiel des FCZ vom kommenden Sonntag beim FC Basel zum ersten Mal das Training der Zürcher leiten. Ob es dem FCZ gelingt, dem Trainer zur Ankunft ein Willkommensgeschenk in Form von einem oder drei Punkten zu machen, darf nach dem Auftritt gegen Luzern bezweifelt werden.