Es war von Beginn weg eine Idee, die zum Scheitern verurteilt war. Als Sions Präsident Christian Constantin im vergangenen Oktober die Nachfolge des entlassenen Paolo Tramezzani regeln musste, machte er falsch, was falsch zu machen möglich war. Er vertraute die Aufgabe, eine Gruppe von individuell durchaus guten Spielern zu einer Mannschaft zu formen, einem Trainer an, der über keine Erfahrung im Profi-Fussball verfügte und der sowohl als Spieler wie auch als Trainer im Mikrokosmos des FC Barcelona gross geworden ist.

Sprich: fussballerisch, atmosphärisch und wirtschaftlich im puren Gegenteil zum FC Sion. Oder: vom Tiqui-taca der katalanischen Junioren-Abteilung zum Abstiegskampf der Schweizer Super League. Das konnte für Gabri nicht gut kommen.

Gabri wurde bei Sion entlassen

Gabri wurde bei Sion entlassen

Es kam dann nicht nur nicht gut, es wurde sogar sportlich verheerend unter Gabri. Als der 38-jährige Katalane kam, war der FC Sion Siebter mit vier Punkten Vorsprung auf den Tabellenletzten FC Lugano.

Acht Spiele und sechs Niederlagen später ist Sion am Tabellenende klassiert, abgeschlagen mit sechs Zählern Rückstand auf den FC Luzern. Gabri gab dem Team keine Identität, dafür hinterlässt er ein organisatorisches Chaos, das 22 Gegentore begünstigte, sowie atmosphärische Störungen. In den turbulenten Spätherbsttagen musterte Gabri sieben Spieler aus.

Abstieg muss verhindert werden

Nun also muss der 55-jährige Jacobacci den ersten Abstieg seit 2002 (damals war es eine Zwangsrelegation) verhindern. Immerhin weiss der Italo-Berner, worauf er sich einlässt. Nicht nur weil er seit letztem Sommer Nachwuchstrainer in Sitten ist. Jacobacci war im Wallis Anfang 2008 schon einmal eingesprungen. Es war damals eine Phase von acht Spielen, die damit endete, dass der FC Sion zur Lachnummer wurde.

Jacobacci war der Strohmann für den lizenzlosen Charles Rössli. Als er mehr Verantwortung wollte, aufbegehrte und gegenüber Medien sagte, es sei für ihn schwierig, in der Öffentlichkeit taktische Ideen zu verteidigen, welche er nicht selber getroffen habe, war das Tischtuch rasch zerschnitten. Constantin trennte sich von beiden, von Rössli und von Jacobacci, und holte den wenige Monate zuvor freigestellten Alberto Bigon zurück.

Nach dem unwürdigen Intermezzo im Wallis lieferte Jacobacci in der Deutschschweiz, abseits des medialen Fokus, durchaus beachtliche Arbeit ab. Mit Kriens und Schaffhausen stieg er von der 1. Liga in die Challenge League auf und schaffte dort mit beschränkten Mitteln jeweils den Klassenerhalt. Im letzten Frühjahr trainierte er den FC Wil während neun Spielen. Zuvor war er im Herbst 2016 beim FC Wacker Innsbruck engagiert; nach zehn Runden musste er gehen. Und die Frage lautet nun natürlich: Darf er in Sitten länger tätig sein als zuletzt in Innsbruck und Wil?