Cup
Der FC Biel ist auf dem Weg zum Profiklub

Das Cupspiel gegen Thun könnte für die alte Gurzelen in Biel eines ihrer letzten Highlights sein. Denn der FC Biel rüstet auf – sowohl sportlich wie auch in Sachen Infrastruktur.

Markus Brütsch, Biel
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Kommt es in der Gurzelen nochmal zu einer Überraschung (Archiv)

Kommt es in der Gurzelen nochmal zu einer Überraschung (Archiv)

Keystone

Draussen auf der Baustelle im Bözingenfeld arbeiten elf Kräne auf Hochtouren. In gut anderthalb Jahren sollen in den Stades de Bienne der Ball rollen und der Puck flitzen. Der FC Biel/Bienne und der EHC Biel/Bienne werden dann in ein neues Zeitalter aufbrechen – und vor allem die Fussballer davon träumen, irgendwann im Stil ihrer Vorfahren Heldentaten zu produzieren. Wie 1947 mit dem Meistertitel und 1961 dem Einzug in den Cupfinal.

Und deshalb gibt es auch auf dem vor hundert Jahren eingeweihten Stadion Gurzelen eine Baustelle. Allerdings nur im übertragenen Sinn, denn der Technische Direktor Stefan Freiburghaus und der neue Trainer «Bidu» Zaugg arbeiten nicht mit Pickel und Schaufel, sondern mit Fachverstand und Leidenschaft, um den FC Biel bis Sommer 2015 fit für den Einzug ins neue Stadion zu trimmen. Jene Strategie umsetzend, die vor gut einem Jahr vom Verwaltungsrat auf Antrag von Freiburghaus abgesegnet worden war: Die Professionalisierung des Vereins.

Daran hatten jedoch nicht alle ihre Freude. Der während fünf Jahren sehr gut arbeitende Philippe Perret etwa wäre gerne Trainer in Biel geblieben, war aber nicht bereit, sein Pensum als Sportlehrer so anzupassen, dass das Training nicht mehr erst nach Beendigung seines Arbeitstages beginnen konnte. Feierabendfussballer jedoch konnten und wollten die Bieler definitiv nicht länger sein. Mit der Reduktion der Challenge League auf zehn Mannschaften ist die zweithöchste Spielklasse noch mehr zu einer Profiliga geworden.

14 von 23 Spielern mit Profivertrag

«Mit Profitrainern zu arbeiten, war für uns der einzig gangbare Weg», sagt Freiburghaus, der zuvor während sechseinhalb Jahren bei YB als Trainer und Technischer Leiter Nachwuchs gearbeitet hatte. Neben Zaugg ist seit dem Beginn dieser Saison mit Brian Weber ein Assistenz- und Konditionstrainer fest angestellt. 14 von 23 Kaderspielern besitzen einen Profivertrag. Schon ein Jahr zuvor war der im Halbamt tätige Sportchef Arturo Albanese wegen Vertrauensbruchs entlassen worden. Weil dieser aber ein Bieler Urgestein ist und deshalb viele im Umfeld des Vereins mit Unverständnis auf die Absetzung reagierten, stand Freiburghaus im heftigen Gegenwind und fühlte sich ziemlich unwillkommen.

Ausser bei der Vereinsführung um VR-Präsident Jean-Pierre Senn und dessen Nachfolger Werner Könitzer, die ihm den Rücken stärkten. Freiburghaus trieb die Professionalisierung trotz eines auf 1,2 Millionen Franken reduzierten Budgets weiter voran und wähnt sich auf gutem Weg, die besprochenen Ziele zu erreichen. «Wir wollen vorerst einmal zu den 15 besten Mannschaften der Schweiz gehören», sagt der 49-Jährige, selber Inhaber der Uefa-Pro-Trainerlizenz. In den ersten 14 Runden haben die Bieler sechsmal gewonnen, fünfmal verloren und belegen mit einem Spiel weniger als Winterthur Rang sechs. Das ist zwar nur unmerklich besser als Perrets Bilanz vor einem Jahr, doch bis die getroffenen Massnahmen Früchte tragen, braucht es halt noch etwas Geduld. Wie bei der forcierten Zusammenarbeit mit Super-League-Klubs, um Talenten von diesen eine Spielgelegenheit in der Challenge League zu ermöglichen. Der inzwischen vom FC Thun fest übernommene Jérémy Manière und Gianluca Hossmann von den Grasshoppers sind Beispiele dafür.

Viel zu reden gegeben hat das von Freiburghaus portierte System, Sponsoren zu Spielersponsoren werden zu lassen und einen Teil des Salärs zu übernehmen. Mit dem Verdacht, dass die «Besitzer» nun Druck auf den Trainer ausüben, damit ihre Spieler auch immer spielen und vielleicht einmal mit Gewinn verkauft werden können, kann Freiburghaus nichts anfangen. «Den Investoren geht es nicht in erster Linie um eine Rendite. Sie wollen dem Klub helfen», sagt Freiburghaus. «Und Zaugg würde es sich auch nicht gefallen lassen, wenn ihm in die Aufstellung dreingeredet würde.»

Derzeit sind die fünf Spieler Ivo Zangger (20), Cristian Miani (20), Nico Siegrist (22), der Kameruner Emmanuel Nlend (21) sowie der Ägypter Sherif Ashraf (26) in diesem Projekt drin. Ein Blick auf die Statistik zeigt indes, dass einzig Siegrist und – mit Abstrichen – Miani die Erwartungen erfüllt haben. Freiburghaus ist selbstkritisch genug, um zu sagen, dass es betreffend Scouting und Betreuung neuer Spieler Verbesserungspotenzial gebe.

Ab 2014 Gewinn erwirtschaften

Weil der FC Biel in der letzten Saison nicht mehr in der alten Gurzelen spielen durfte und nach Neuenburg ausweichen musste, ist er per Ende des letzten Jahres mit einem Minus von 150 000 Franken in eine finanzielle Schieflage geraten. Nun, da der Klub wegen des Baubeginns der Stades de Bienne wieder im eigenen Stadion spielen darf und im Schnitt knapp tausend Zuschauer mehr kommen als im Exil, ist Freiburghaus zuversichtlich, Ende 2013 eine schwarze Null zu schreiben und ab 2014 Gewinn zu erwirtschaften.

Eine gute Hilfe könnte dabei der Cup sein. Zwar erwarten die Bieler im heutigen Achtelfinal-Nachtragsspiel gegen den Super-League-Klub FC Thun nicht mehr als 2000 Zuschauer, doch mit einem Einzug in die Viertelfinals gegen GC würde sich für die Seeländer die Prämie aus dem Vermarktungspool um 60 000 Franken auf 75 000 Franken erhöhen. «Wir haben Aussenseiterchancen», sagt Freiburghaus. «Wenn wir eine Topleistung erbringen und Wettkampfglück haben, können wir die Thuner schlagen.»