FCB-Analyse

Der FC Basel spielt heile Welt: «Keine Baustellen» laut Sportchef und Trainer

Marco Streller und Marcel Koller ziehen trotz der schlechtesten Hinrunde seit der Einführung der Super League vor 16 Jahren eine positive Bilanz.

Spielerrevolten und die schlechteste Hinrunde seit Einführung der Super League: Beim FC Basel läuft zurzeit einiges nicht so, wie man das gerne hätte. Und trotzdem ziehen FCB-Sportchef Marco Streller und FCB-Trainer Marcel Koller eine optimistische Hinrunden-Bilanz. Eine Analyse.

Schon der Auftritt der drei Herren macht deutlich, in welche Richtung diese offizielle Hinrunden-Bilanz gehen soll. Mit einem synchronen Lächeln betreten FCB-CEO Roland Heri, Trainer Marcel Koller und Sportchef Marco Streller das Podium im Medienzentrum des St. Jakob-Parks.

Die Beförderung von Roland Heri vom COO, dem Leiter des operativen Geschäfts, zum CEO, also zum Geschäftsführer, wurde vom FCB gezielt nur wenige Minuten vorher kommuniziert. Dabei ändert sich grundsätzlich nichts. Marco Streller wird sich – auf gleicher Stufe wie der CEO – um den Bereich Sport kümmern. Roland Heri wird auch als CEO das Geschäft leiten und zumindest bis zur nächsten GV nicht im Verwaltungsrat sitzen. Dafür müsste er sich erst zur Wahl stellen.

Nur die halbe Wahrheit

Nachdem sowohl Sportchef als auch Trainer dem neuen CEO artig zur Beförderung gratuliert haben, betonen alle drei in ihren Begrüssungsworten, wie froh sie sind, gemeinsam hier zu sitzen. Als Marcel Koller sein Statement mit «auch ich freue mich, hier zu sitzen und gemeinsam die Rückrunde in Angriff zu nehmen», beginnt, müssen alle drei selber lachen.

Zwar sagt Marco Streller auf Nachfrage, es habe nie einen anderen Plan gegeben, und legt sogar nach: «Es war immer klar, dass wir in dieser Konstellation weitermachen», doch tatsächlich ist das wohl nur die halbe Wahrheit. Denn wenn sich Spieler bei einem über den Trainer beklagen, wird sich auch Daueroptimist Marco Streller gefragt haben, ob Marcel Koller noch der Richtige ist.

Natürlich gibt es aus Sicht der Vereinsführung gute Gründe, am Trainer festzuhalten. Zum
einen hätte eine Entlassung Kollers, der noch einen Vertrag bis 2020 hat, den FCB einiges gekostet. Zum anderen wäre es eine rotblaue Bankrotterklärung gewesen, wenn Streller seine «letzte Patrone» in den Wind geschossen hätte. Auch der Sportchef wäre dann nur noch schwer tragbar gewesen, und bessere Alternativen sind ebenfalls rar.

Alles beim Alten beim FCB und trotzdem bald alles gut?

Jetzt geht es also vorerst mit der gleichen Besetzung weiter. Die FCB-Führungsriege ist überzeugt, dass die Gespräche der letzten Wochen reichen, um den FCB 2019 wieder in ruhigeres Fahrwasser zu lenken. Differenzen zwischen Sportchef und Trainer? Zitat Marco Streller: «Wir haben unsere Rollen definitiv gefunden.» Differenzen zwischen Mannschaft und Trainer? Zitat Marcel Koller: «Es geht nur gemeinsam. Dafür waren die Gespräche wichtig.»

Der Trainer zieht nur einen einzigen Schluss aus der Spielerrevolte: «Es muss auch in Zukunft mehr miteinander gesprochen werden.» Baustellen hat Marcel Koller nach eigener Aussage keine: «Seit ich hier bin, haben wir uns weiterentwickelt, und ich bin sicher, dass dieser Fortschritt noch weiter gehen wird.»

Zur Erinnerung: Vor einem Jahr betrug der Rückstand auf YB nur zwei Punkte und der FCB überwinterte in der Champions League. Bei jetzt 19 Punkten Rückstand und der schlechtesten Hinrunde seit der Einführung der Super League im Jahr 2003 wirkt ein solcher Optimismus dann schon etwas sehr blauäugig.

Kann der FC Basel auch mit neuem Konzept Titel holen?

Marcel Koller und Marco Streller begründen ihre Zuversicht. «Wir haben von unserem neuen Konzept viel umgesetzt. Der Erfolg ist noch nicht da, doch wir gehen diesen Weg weiter», sagt der Sportchef. Er strahlt, wenn er davon erzählt, wie Eray Cömert in der Hinrunde verantwortungsbewusst den Abwehrchef gab, wie Albian Ajeti mit 21 Jahren im Sommer Torschützenkönig wurde und mit Noah Okafor und Yves Kaiser zwei noch jüngere Eigengewächse ins Team integriert wurden. «Ich sehe bei vielen eine positive Entwicklung. Was fehlt, ist ein Titel», so Streller weiter. Die Mannschaft sei besser als ihr Punktekonto und mit den wiedergenesenen Spielern, und je nach Marktsituation auch dem ein oder anderen Neuzugang gehe der FCB voll motiviert ins Jahr 2019.

Als Fan kann man nur hoffen, dass alles so kommt, wie es sich die Verantwortlichen beim FC Basel vorstellen und es der FCB schafft, wieder eine «Euphorie zu entfachen». Doch irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass diese heile FCB-Welt auch 2019 schnell wieder in sich zusammenfällt.

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