Koller-Nachfolge

Der FC Basel macht Ciriaco Sforza zum Trainer – ein grosser Name im Schweizer Fussball

Ciriaco Sforza, hier während eines Spiels des FC Wil. Er soll neuer Basel-Trainer werden.

Ciriaco Sforza, hier während eines Spiels des FC Wil. Er soll neuer Basel-Trainer werden.

Ciriaco «Ciri» Sforza wird wohl die Nachfolge von Marcel Koller antreten. Ein Name mit GC-Vergangenheit, als Trainer wie auch als Spieler. Erfahren Sie hier, was Ciriaco Sforza in seiner Karriere schon alles erreicht hat und was es mit seinen Depressionen auf sich hat.

Jetzt ist es fix: Der FC Basel ernennt den 50-jährigen Ciriaco Sforza zum neuen Trainer. Dies gibt der Verein in einer Medienmitteilung bekannt. Am Donnerstagnachmittag wird es dazu eine erste Pressekonferenz geben.

Ciriaco Sforza wurde am 2. März 1970 in Wohlen, Aargau, als italienischer Staatsbürger geboren. Erst seit 1990 besitzt er das Schweizer Bürgerrecht. Sforza zählt zu den erfolgreichsten Schweizer Fussballspieler der 1990er-Jahre.

In der Jugend spielte der gebürtige Aargauer beim FC Villmergen und dem FC Wohlen. Bereits als 16-Jähriger kam er 1986 in die Jugendabteilung der Grasshoppers, wo er schon früh in der ersten Mannschaft eingesetzt wurde. 1988 holt er mit GC den Schweizer Cup.

Regelmässige Wechsel zwischen den Vereinen

Nach einem kurzen Zwischenstopp in Aarau reifte Sforza bei den Hoppers im Mittelfeld zum Stammspieler heran und wurde bereits in seiner ersten Saison 1991 Schweizer Meister. Kurze Zeit später gab er sein Debüt in der Schweizer Nationalmannschaft. Insgesamt kam er in der Nati zu 79 Einsätzen und erzielte 7 Tore. 1993 wurde Ciri gar als Schweizer Fussballer des Jahres und 1999 als Bester Schweizer Nationalspieler ausgezeichnet.

1993 zog es Ciriaco Sforza ins Ausland zum 1. FC Kaiserslautern in die Bundesliga. Doch bereits nach einer Saison holte ihn Bayern München für sieben Millionen Mark (rund 3.85 Millionen Franken). In München konnte er sich jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht optimal entfalten und so wechselte er schon eine Saison später in die Serie A zu Inter Mailand. 1997 stand er dann mit Inter im Finale des damaligen UEFA-Pokals. Doch auch in Italien war nach einer Saison wieder Schluss und es ging zurück zum 1. FC Kaiserslautern, der gerade erst wieder in die Bundesliga aufgestiegen war. Mit dem Schweizer als Captain gewann der Verein in seiner ersten Saison zurück in der höchsten Liga 1998 überraschend die Deutsche Meisterschaft.

Ciriaco Sforza stemmt 1998 «die Schale» als Captain von Kaiserlautern in die Höhe.

Ciriaco Sforza stemmt 1998 «die Schale» als Captain von Kaiserlautern in die Höhe.

Nach zwei weiteren Saisons in Kaiserslautern erfolgte erneut ein Wechsel zu den Bayern mit denen Sforza seinen zweiten Deutschen Meistertitel holte sowie die Champions League und den Weltpokal gewann. Nach zwei Jahren beim Deutschen Rekordmeister führte Ciris Weg dann erneut zurück zu Kaiserslautern. 

Zweite Karriere im Trainergeschäft lanciert

Im Oktober 2005 bestritt er sein letztes Spiel als Profi. Da er während seiner letzten Spielzeit bereits die A-Lizenz als Trainer erworben hatte, war klar, dass er eine zweite Karriere im Trainergeschäft lancieren wird.

Seinen ersten Trainer-Job hatte Ciriaco Sforza beim FC Luzern von 2006 bis 2008. Danach war er für drei Saisons tätig bei den Grasshoppers bevor er eine Pause einlegte, in welcher er auch mit einem Burn-Out zu kämpfen hatte.

Todesängste und Burn-Out

Bis zu dieser Zeit schien Ciri der ganze psychische und physische Druck, der durch seine Karriere ständig auf ihm lastete, kaum etwas auszumachen. Seit seiner Jugend drehte sich sein Leben fast ausschliesslich um den Fussball. Doch nachdem GC ihn 2012 entlassen hatte, ging es mit dem ehemaligen Spieler und jetzigem Trainer bergab.

Sforza wurde verfolgt von Todesängsten und war psychisch krank (die Aargauer Zeitung berichtete). Der heute 50-Jährige nahm die Hilfe eines Psychologen in Anspruch und spricht bis heute offen über seinen Leidensweg. Nach rund zwei Jahren war der Trainer wieder auf den Beinen und konnte seiner Tätigkeit wieder nachgehen.

Sforza als Ausbilder junger Spieler

Sein Comeback feierte Sforza 2014 in Wohlen. Mit ihm erreichte der Zweitligist mit dem dritten Platz sein bestes Ergebnis in der Vereinsgeschichte. Zudem zeigte der Trainer sein Talent als Ausbilder: Unter ihm schafften einige junge Spieler den Sprung in die Super League, darunter Roman Buess, Simone Rapp und Matteo Tosetti.

Nach seiner Zeit in Wohlen ging es 2015 weiter nach Thun, wo aber bereits nach zwei Monaten wieder Schluss war. Wieder folgte eine Pause, dieses Mal aber, um mehr Zeit mit seiner Familie verbringen zu können.

Seit Sommer 2019 ist Ciriaco Sforza nun Trainer des FC Wil. Auch hier zeigte er seine Fähigkeit als Ausbilder und rückte einige junge Spieler in den Fokus der Super League. Eigentlich läuft sein Vertrag in Wil erst 2022 aus, doch eine Ausstiegsklausel könnte ihm den Wechsel zum FC Basel ermöglichen. Entsprechende Gespräche seien gemäss dem FC Wil im Gange.

Ein Mann, der stark polarisiert

Entscheidend für den FCB könnte wohl Sforzas Ausbildungs-Gespür werden. Immerhin kündigte die Führung mit Bernhard Burgener bei ihrer Übernahme 2017 bereits an, vermehrt junge Spieler aus dem Nachwuchs fördern zu wollen. In diesem Punkt könnte Ciri als Trainer also ins theoretische Konzept passen. Zudem ist er einer, der den Fussball liebt und lebt. Und das wird in Basel geschätzt - eigentlich.

Doch Sforza polarisiert. Er hat Talent, das ist unbestritten. Bekannt ist der 50-Jährige aber auch für seine Eigenwilligkeit und wird nicht selten als arrogant bezeichnet. In der Öffentlichkeit polarisiert er deshalb stark. Da hilft es auch nicht, dass man bei ihm kaum eine Verbindung zu Basel finden kann.

Glückliche Fans klingen anders

Die ersten Reaktion in den Medien zeugen deshalb auch nicht gerade von grosser Freude. Kurz nach der Veröffentlichung des Gerüchts über Sforza als neuer Trainer via Blick gestern Abend kursierte auf Instagram der Hashtag #burgenerout einmal mehr explosionsartig. Unter verschiedenen Posts sowie auf Twitter kann man Dinge lesen wie: «Das wird nicht gut gehen», «Schlimmer geht's offensichtlich immer» oder «Sforza? Das ist doch ein Witz».

Reaktion auf Twitter zu Ciriaco Sforza als Koller-Nachfolger

Reaktion auf Twitter zu Ciriaco Sforza als Koller-Nachfolger

Und auch die Medien blicken dem allfälligen Wechsel skeptisch entgegen. Nau.ch titelt beispielsweise «Es wird kompliziert und schwierig», 20Minuten bezeichnet das Vorhaben als «sportliches Abenteuer» und Blick schreibt von einer «gewagten Wahl».

Immerhin eins ist klar: Sollte Ciriaco Sforza tatsächlich das Traineramt in Basel übernehmen wäre es seine bisher grösste Herausforderung in seiner Zeit als Coach. Ob er sich allerdings in der aktuellen Situation auch in das rotblaue Herz coachen kann, ist fraglich.

Meistgesehen

Artboard 1