Fussball
Der FC Basel kann nicht einmal an Ruhe denken

Das Debüt von Murat Yakin als Trainer des FC Basel misslingt mit der 0:1-Niederlage in Luzern total. Damit dürften die Diskussionen der vergangenen Woche weitergehen.

Sebastian Wendel
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Jahmir Hyka und Dario Leczano bejubeln Luzerns Siegestor, erzielt hat es Arlind Ajeti (r.) per Eigentor. key

Jahmir Hyka und Dario Leczano bejubeln Luzerns Siegestor, erzielt hat es Arlind Ajeti (r.) per Eigentor. key

Sechs Tage lang, von Montag bis Samstag, wurde über den FC Basel gesprochen. Die Bombe, die zu Beginn der Woche mit der Freistellung von Heiko Vogel und der sofortigen Installation von Murat Yakin als Cheftrainer die Fussball-Schweiz erschüttert hatte, produzierte viel Lärm. Diese äusserte sich in den Diskussionen über die Gründe, die Richtigkeit des Handelns und vor allem um die glitzernde Person Yakin. Gestern, am siebten Tag, sollten die Gespräche ruhen, zumindest für einige Stunden. Es sollte wieder um die Sache, um Sport, um Fussball, um Yakins Einstand an alter Wirkungsstätte gehen.

Doch halt. Von wegen Ruhe. Als kenne Yakin dieses Wort nicht, sorgte er höchstpersönlich für den nächsten Lärm. Denn kaum machte in der Luzerner Swisspor Arena die Aufstellung des FC Basel die Runde, gingen die Diskussionen wieder los. Yakin änderte nicht nur das System von 4-4-2 auf 3-5-2, er baute das Team im Vergleich zur letzten Partie unter Heiko Vogel gegen Servette (3:2) auch gleich auf fünf Positionen um. In der Abwehrreihe spielten neben Aleksandar Dragovic zum einen der 19-jährige Arlind Ajeti, ein Eigengewächs mit der Erfahrung von gerade mal 23 Super-League-Minuten. Zum anderen spielte der Abwehrchef Radoslav Kovac, den Heiko Vogel nach schwachen Leistungen aussortiert hatte. Gaston Sauro hingegen, der argentinische Neuzugang und unter Vogel gesetzte Innenverteidiger, fand sich auf der Tribüne wieder.

Fünf Tage nur arbeitete Yakin mit dem Kader, und doch solch monumentale Änderungen. Das trauten sogar ihm, dem gewieften Taktiker, nur die Wenigsten zu.

Wohin mit dem Ball?

Die Ausgangslage war klar: Entweder wird Yakins Risiko belohnt, oder die Modifizierungen gehen nach hinten los. Schnell einmal war klar, dass das Eintreten von Letzterem wahrscheinlicher ist.

Ansätze, dass die Systemänderung bei den Baslern bereits gegriffen habe, machte man einzig in den ersten zehn Minuten aus. Was erstaunte. Anstatt mit zunehmender Spieldauer an Sicherheit zu gewinnen, zeigte die Leistungskurve gestern während der gesamten 93 Minuten nach unten. Die Ballsicherheit im zentralen Mittelfeld ging Cabral, Gilles Yapi und Fabian Frei komplett ab. Zeitenweise machten sie gar den Eindruck, als wüssten sie nicht wohin mit sich und dem Ball. Sie wurden umrahmt von den nicht besseren Degen-Zwillingen auf den Aussenbahnen und vom Sturmduo Alex Frei/Marco Streller. Der Captain sagte es so: «Wer heute bei uns den Ball hatte, war eine arme Sau.» Oder so: «Wenn die sieben Offensivspieler alle Totalausfälle sind, kann man nicht gewinnen.»

Kann man doch. Nämlich dann, wenn man eine der wenigen Chancen verwertet, die sich jeder Mannschaft auch bei einer noch so schlechten Leistung bietet. Drei hatte der FCB gestern davon, alle Alex Frei. Doch
der steckt in der Torkrise, was er bei seinem Kopfball (39.), seinem Volleyschuss vor dem Pausen- und seinem zu langem Zögern nach dem Wiederanpfiff wiederholt unterstrich.

Pechvogel Arlind Ajeti

Es passte zur verkorksten Premiere von Murat Yakin, dass das Siegestor für dessen ehemalige Mannschaft ausgerechnet ein Spieler seiner neuen erzielte. Arlind Ajeti war es, der nach 60 Minuten nach einem verheerenden Ballverlust von Fabian Frei und der Flanke von Luzerns Winter den Ball, abgelenkt von Goalie Yann Sommer, unglücklich ins eigene Gehäuse beförderte. Das Selbsttor soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Ajeti ansonsten ein ansprechendes Spiel ablieferte.

Vier hochkarätige Chancen des FCL später pfiff Schiedsrichter Grobelnik die Partie ab. Der Grossteil der FCB-Spieler gab sich im Moment der Niederlage wortlos. Doch dürfte ihnen bewusst sein, dass die Diskussionen in dieser Woche nahtlos weitergehen. An Ruhe ist nicht zu denken.