«Wir sollten einfach inne halten, geniessen und das schätzen», fordert Bernhard Heusler, als er einen Tag vor dem letzten Meisterschaftsspiels seines FC Basel vor die Medien tritt. «Dem Team und unserem Trainer gebührt grosser Dank, wenn man nach 35 von 36 Meisterschaftsspielen bereits eine Saison-Bilanz ziehen kann. Vor allem, wenn man sieht, wie eng es in anderen Ligen im Meisterschaftsrennen war», so der FCB-Präsident.

Dass dies so ist, sei vor allem der Tatsache zu verdanken, dass die Mannschaft unglaublich solidarisch sei und die Wünsche des Vereins vom ersten Tag an umgesetzt hat. Dies sei «nach den schwerwiegenden Verlusten vom letzten Sommer» umso bemerkenswerter. Viel davon, so Heusler, sei Trainer Urs Fischer zu verdanken. «Er hat einen Start-Ziel-Sieg hingelegt und damit schon am Anfang der Saison das Fundament gelegt.» Dieses Fundament führte dazu, dass der FCB an nur einem einzigen Spieltag nicht von der Tabellenspitze grüsste: am ersten. Und dies auch nur, weil er ein schlechteres Torverhältnis hatte als GC.

Während es in der Liga (fast immer) perfekt lief, musste Heusler aber auch zugeben, dass das Nicht-Erreichender Champions-League-Gruppenphase ein «Tolggen im Reinheft» sei, genauso wie das Ausscheiden im Cup im Penaltyschiessen gegen Sion. «Aber am Ende haben wir zum allerersten Mal eine Europa-League-Gruppe gewonnen, mit Saint-Étienne einen absoluten Top-Club eliminiert und sind letztendlich gegen den dreifachen Europa-League-Sieger ausgeschieden, den wir im Hinspiel sogar noch haben fordern können.»

Ansprüche und Abgänge

So zieht Heusler alles in allem eine sehr positive Bilanz. «Ich bin enorm glücklich, dass wir alle Ziele erreicht haben, die wir uns gesetzt haben.» Dass alles so gut geklappt hat, ist auch der Personalpolitik des Transfer-Gremiums zu verdanken, in das sich Fischer laut Heusler perfekt eingefügt hat. Das Gremium stellt sicher, dass es immer Spieler des Vereins sind, und nicht solche des Präsidenten oder des Trainers. «Und genau das wollen wir auch in Zukunft machen. Wir wissen auch, dass wir grosse Herausforderungen vor uns haben, aber die haben andere Vereine auch», sagt Heusler.

Eine davon ist es, die Spannung hochzuhalten, nachdem man schon so früh in der Saison Meister ist und schon weiss, dass man in der kommenden Saison sicher in der Champions League ist. «Aber andere Sportchefs und Vereine in der Schweiz würden da gerne mit uns tauschen, und deshalb wollen wir uns auch nicht beschweren.» Dass dadurch aber auch die Ansprüche immer höher werden, sei klar.

Um diesen Ansprüchen zu genügen, und vor allem auch um in der Champions League eine gute Figur machen zu können, bastelt der FCB bereits an seinem Kader für die nächste Saison. «Ich will keine Einschätzung machen, wie viele Wechsel es geben wird, aber es wird sie geben», sagt Georg Heitz, Sportdirektor des FCB. Während die Transfers und die grossen Umbrüche nach den letzten Saisons von Aussenstehenden immer als gravierend und speziell fordernd angesehen wurden, sagt Heitz, dass man davor keine Angst haben müsse. «Durch die Wechsel kommen auch immer wieder junge, hungrige Spieler zu uns, die sich hier beweisen wollen. Das ist ja auch eine Chance für uns.»

Planungssicherheit dank Champions-League-Millionen

Auf welchen Positionen der FCB genau reagieren wolle und müsse, das wollten Heusler und Heitz noch nicht sagen. Nur was die Innenverteidigung angeht, machten sie kein Rätsel daraus: «Angesichts dessen, dass Manuel Akanji noch eine Zeit lang nicht komplett fit sein wird und dadurch, dass Walter Samuel geht, kann man sich selber ausrechnen, dass wir da handeln müssen.» Helfen werden bei den anstehenden Transfers vor allem die Millionen der Champions League, die der FCB bereits auf sicher hat. «Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass diese Millionen keine Rolle spielen. Zusammen mit den Millionen aus dem Elneny-Transfer geben sie uns eine gewisse Grund-Planungssicherheit. Man kann sich ausrechnen, wie wichtig das ist.»

So könne man auf diesem so schnelllebigen Transfermarkt eben dank dieser finanziellen Absicherung schneller reagieren und müsse nicht mehr darauf warten, ob der eigene Spieler den FCB nun verlasse oder am Ende doch nicht. Definitiv verlassen werden den FCB in diesem Sommer bislang nur Walter Samuel, Philipp Degen (beide Karriereende) und Behrang Safari (Rückkehr nach Schweden). Mit einem Abschied von Breel Embolo muss gerechnet werden, fix ist aber offiziell noch nichts. «Wir werden uns morgen ganz sicher nicht von Breel verabschieden», sagt Heitz.

Safari-Einsatz unmöglich

Samuel, Degen und Safari hingegen wird vor dem Spiel morgen ein schöner Abschied geboten. Wobei es für Safari einen ziemlich grossen Wermutstropfen gibt: er wird nicht spielen können. «Es geht definitiv nicht bei ihm», sagt Urs Fischer. Degen und Samuel hingegen konnten am Tag vor dem Spiel gegen GC mit der Mannschaft trainieren. «Bei ihnen sind wir noch am überlegen. Aber wir wollen ihnen auf jeden Fall einen würdigen Abschied ermöglichen», sagt Fischer weiter.

Würdig wolle man sich aber auch von der Meisterschaft verabschieden und gegen GC so spielen, wie man das vom FCB eben erwarte. Danach geht es für die Mannschaft durch die Steinenvorstadt auf den Barfi, wo sie gegen 1 Uhr auf dem Balkon des Stadtcasinos den neuen Pokal präsentieren wird, den sie morgen als erster Club entgegen nehmen dürfen. Dass das letzte Spiel und damit die Pokal-Parade mitten in der Woche und erst noch so spät stattfinden, sei «unglaublich schade», wie Heusler sagt. So habe man sich beim FCB gar überlegt, die grosse Feier mit dem Pokal am Samstag nachzuholen, damit auch Kinder und die, die am Donnerstag arbeiten müssen, etwas davon haben. «Aber das ist völlig illusorisch, weil eine EM ansteht und die Spieler am Samstag deshalb grösstenteils nicht mehr da sind.»

Dies ist ein Opfer, das der Erfolg eben mit sich bringt. Denn der FCB stellt neun Spieler an die an der EM teilnehmenden Nationalmannschaften ab, mit dem verletzten Renato Steffen wären es sogar zehn gewesen. Aber damit wird man beim FCB leben können. Denn am Ende haben diese zehn Nationalspieler auch sehr viel zu dieser starken und – wenn denn morgen der Torrekord von 90 geschossenen Toren gebrochen wird – sogar historischen Saison beigetragen haben.