Der Blick geht ins Leere. Wieder und wieder. Die Gewissheit dringt langsam ins Gehirn: Nein, es hat wieder nicht gereicht. Wieder einmal ein Aus im Achtelfinal. Einige Minuten später steht Granit Xhaka im Bauch des wunderbaren Stadions von St. Petersburg, das eben ein nicht wirklich wunderbares Spiel erlebt hat. Er versucht, zu beschreiben, was in ihm vorgeht. Dann sagt er: «Es kann einmal passieren. Es kann zweimal passieren. Aber ein drittes Mal? Dann findest du irgendwann keine Worte mehr. Es ist mühsam. Und traurig.»

Der Frust über das erneute Ausscheiden im Achtelfinal ist gross. Gerade bei Xhaka. Dreimal hat er diesen Frust nun erlebt. An der EM war er mit seinem Fehlschuss im Elfmeterschiessen direkt beteiligt. Nun ist es ihm nicht gelungen, das Schweizer Spiel so anzukurbeln, wie man das von ihm erwartet hätte. Dass er das besser könnte, hat er im Spiel gegen Serbien in der zweiten Hälfte angedeutet. Doch Xhaka konnte, wie das ganze Schweizer Team, dieses Level nicht halten. Warum? «Schwierige Frage. Man kann es Pech nennen, oder einen Fluch – oder einfach anerkennen, dass die anderen besser waren.»

Die grosse Leere: Granit Xhaka.

  

Enttäuschende WM für Xhaka

Die Probleme im Schweizer Spiel waren offensichtlich. Es gelang kaum einmal im Ansatz, für Gefahr zu sorgen. Neu ist das nicht wirklich. Wer die Partien gegen Brasilien (1:1), Serbien (2:1) und Costa Rica (2:2) in der Gruppenphase sah, musste schon da erkennen: Nein, wirklich viele Chancen erarbeiten sich die Schweizer nicht. Xhaka sagt: «Wir haben unser Spiel gut aufgezogen und wohl so viele Flanken geschlagen wie noch nie. Aber es ist ja nicht das erste Mal, dass uns etwas fehlt auf den letzten Metern.»

Am Ende liegt es auch an ihm, dem Chef Spielgestalter der Schweizer, dass nicht mehr Tempo und Kreativität im Spiel war. Xhakas persönliche WM ist so enttäuschend wie nun das Ende für die Schweiz.

Schweiz-Schweden: die Schlüsselszenen des Spiels

Schweiz-Schweden: die Schlüsselszenen des Spiels

«Wir können stolz auf uns sein»

Ein paar Meter nebenan steht Xherdan Shaqiri. Wenn die Schweiz auf ein Bollwerk zurennt und immer wieder stecken bleibt, dann erwartet man von ihm etwas Geniales. Das tut er auch selbst. Und gerne gibt er auch zu verstehen, wie sehr er gemacht ist für die grosse Bühne. Nur bleibt auch Shaqiri an diesem enttäuschenden Nachmittag ziemlich diskret. Nichts ist zu sehen von seinen Sturmläufen. Die schwedischen Verteidiger wissen ganz genau, wie sie gegen ihn verteidigen wollen – und lassen ihn schon gar nicht mit dem linken Fuss zum Schuss ansetzen

Switzerland's Xherdan Shaqiri reacts during the round of 16 match between Switzerland and Sweden at the 2018 soccer World Cup in the St. Petersburg Stadium, in St. Petersburg, Russia, Tuesday, July 3, 2018. (AP Photo/Gregorio Borgia)

Xherdan Shaqiri: «Wir können stolz sein auf uns und auf das, was wir geleistet haben an dieser WM.»

Switzerland's Xherdan Shaqiri reacts during the round of 16 match between Switzerland and Sweden at the 2018 soccer World Cup in the St. Petersburg Stadium, in St. Petersburg, Russia, Tuesday, July 3, 2018. (AP Photo/Gregorio Borgia)

Im Gegensatz zu Xhaka und den meisten anderen Schweizern verzichtet Shaqiri auf allzu viele negative Worte. «Wir können stolz sein auf uns und auf das, was wir geleistet haben an dieser WM», wiederholt er immer wieder. Man hätte ihm nicht so viel Selbstzufriedenheit zugetraut. Auch die Sichtweise, dass die Schweizer um einiges besser waren als Schweden, war zumindest fragwürdig. Einen halbwegs kritischen Satz brachte Shaqiri dann doch noch über die Lippen. «Wir müssen irgendwie lernen, solche Spiele zu gewinnen.»

Behrami behält den Humor

Valon Behrami brach nach dem Out an der EM 2016 in Tränen aus. Er hatte daran zu nagen, weil er realisierte, wie viel mehr möglich gewesen wäre. Nun steht er schon wenige Minuten nach dem Spiel zu einer Analyse bereit. «Wir waren nicht gut genug. Und darum haben wir uns den Viertelfinal nicht verdient», sagt er. Auf die Frage, ob dieses Out einfacher zu verdauen sei als in den beiden Achtelfinals 2014 und 2016, antwortet er: «2006 nicht vergessen – ich bin schon ein richtiger Achtelfinal-Out-Experte.» Und ergänzt: «Ja, es ist so. Diese Niederlage kann ich akzeptieren. Es war einfach, uns vor Probleme zu stellen.»

«Unser Traum endet hier»

«Unser Traum endet hier»

Die Reaktionen der Fans und Spieler in den sozialen Medien.

Bei Behrami stellt sich immer diese eine Frage: Wie lange trägt ihn sein Körper noch? Wie lange kann er die Belastungen des Nationalteams noch ertragen? Nun, vielleicht noch sehr lange. Zumindest, wenn es nach seinem Kopf geht. «Ich werde weiterspielen. Ich brauche ein Ziel am Horizont. Auch mit 33.» Eines ist klar: Dem Schweizer Team tut ein Behrami weiterhin sehr gut. Auch auf dem Weg an die EM 2020.

Valon Behrami: «Wir waren nicht gut genug. Und darum haben wir uns den Viertelfinal nicht verdient.»