Marco Ackermann, Johannesburg

Brasilien hat sich nach Holland als zweites Team vorzeitig für die Achtelfinals qualifiziert. Die «Seleçao» besiegte im Soccer-City-Stadion von Johannesburg die Elfenbeinküste mit 3:1. Zum Mann des Abends avancierte Luis Fabiano. Der Stürmer vom FC Sevilla verschaffte den Brasilianern bis zur 50. Minute einen beruhigenden Zwei-Tore-Vorsprung. Er nützte die beiden Chancen, die er sich bis zu diesem Zeitpunkt erarbeitet hatte, kaltblütig aus. Mitte der ersten Hälfte traf er aus spitzem Winkel mit einem satten Schuss in den Netzhimmel. Kurz nach der Pause tanzte er auf engstem Raum gleich drei Gegenspieler aus, ehe er mit links konsequent vollstreckte.

Diesem Treffer haftete der Makel an, dass Luis Fabiano auf dem Weg in den Strafraum mit einem Arm nachgeholfen hatte. Der französische Schiedsrichter Lannoy wollte allerdings keine unerlaubte Aktion gesehen haben.

Die letzten Zweifel am Sieg und am Weiterkommen der Brasilianer wurden nach einer Stunde ausgeräumt, als der (später verletzungsbedingt ausgewechselte) Elano aus geringer Torentfernung den Ball unbehelligt über die Linie drückte. Dieses 3:0 war wie das 1:0 von Kaká eingeleitet worden. Der Regisseur von Real Madrid antwortete seinen Kritikern mit zwei Geniestreichen. Vor dem ersten Treffer liess er Didier Zokora vorbeigrätschen, um dann zwischen Kolo Touré und Siaka Tiéné hindurch einen «tödlichen» Pass in die Gasse zu spielen. Dem zweiten Assist lag ein Durchsetzen am linken Flügel und eine präzise Rückgabe zugrunde. Dass Kaká den Rasen mit gemischten Gefühlen verliess, ist darauf zurückzuführen, dass er in der Schlussphase wegen eines leichten Ellbogenstosses gegen Kader Keita mit Gelb-Rot bestraft wurde. Das Opfer hatte sich theatralisch am Boden gewälzt.

Brasilien benötigte nicht viele Versuche, um die entscheidende Differenz zu schaffen. Die Rechnung von Coach Carlos Dunga mit sehr resultatorientiertem Fussball geht bislang prima auf. Trotzdem war nicht alles weltmeisterlich, was die Zauberer vom Zuckerhut den knapp 85000 Zuschauern präsentierten. In der ersten Halbzeit musste in der einen oder anderen Situation eine zu steile Vorlage oder ein Stockfehler festgestellt werden. Gegen den «Bruder» Portugal kann Brasilien nun den Gruppensieg sichern. Ein möglicher Kontrahent zu Beginn der K.o.-Phase ist... die Schweiz.

Lucio hatte Drogba im Griff

Die Elfenbeinküste war mit einer ähnlichen Strategie wie beim torlosen Remis gegen Portugal in die Partie gegangen: abwartend, diszipliniert und auf defensive Stabilität bedacht. Im Angriff ruhten die Hoffnungen auf ihrem unumstrittenen Star Didier Drogba. Der Chelsea-Profi vermochte die in ihn gesteckten Erwartungen aber nur teilweise zu erfüllen. Zwar erzielte er per Kopf den Anschlusstreffer, doch als das Skore noch ausgeglichen war, mangelte es ihm an Durchsetzungsvermögen. Brasiliens Captain und Abwehrchef Lucio liess ihn keine Sekunde aus den Augen.