Dennis Hediger, der FC Thun hat sich Ende der letzten Saison wieder einmal und schlussendlich souverän, trotz kleinstem Budget aller Super Ligisten, in der höchsten Liga gehalten. Wie ist das Jahr für Jahr möglich?

Dennis Hediger: Es gibt verschiedene Arten von Fussball. Es gibt Teams mit enorm viel individueller Klasse und es gibt Mannschaften, die vor allem durch Disziplin, Mentalität und Teamgeist überzeugen. Wir zählen im krassen Vergleich zu Basel und YB zur zweiten Sorte und das ist auch okay so.

Gibt es beim FC Thun ein Geheimrezept dafür?

Ein Geheimrezept ist es nicht. Wie gesagt investieren wir sehr viel Zeit und Arbeit, dass wir es untereinander gut haben. Die Spieler, welche beim FC Thun sind, kennen sich gut. Die Begegnungen sind von gegenseitigem Respekt geprägt. Wenn wir es gut haben miteinander, dann sind wir auch auf dem Feld eine Einheit und jeder kämpft für den anderen. Ich mit der Captainbinde gehe da mit gutem Beispiel voran und versuche dieses Selbstverständnis täglich vorzuleben.

Beim FC Thun ist das Team der Star.

Beim FC Thun ist das Team der Star.

Der FC Thun verliert jeweils am Saisonende immer wieder wichtige Spieler. Ist das nicht mühsam?

Nein, denn es darf nicht als Ausrede gelten. Nahezu alle Vereine auf der ganzen Welt verlieren wichtige Spieler an grössere, reichere Clubs. Ausnahmen sind hier wohl höchstens Barcelona, Real Madrid, Bayern München oder Manchester City. Schlussendlich geht es aber bei uns vor allem um die Spieler, welche beim FC Thun sind. Und nicht darum, welcher gute Spieler nun nicht mehr da ist. Der Thuner Geist bleibt hier. Wir verlieren unsere Identität nicht, wenn ein Spieler uns verlässt.

Sie sprechen vom Thuner Geist…

…ja, der Thuner Geist ist das, was wir hier täglich leben. Ein gutes Zusammensein, ein gesunder Konkurrenzkampf, Vollgas in jedem Training und wie gesagt alles geprägt von gegenseitigem Respekt.

Sandro Lauper (links) ist der nächste Thun-Spieler welcher zum Kantonsrivalen YB wechselt. Dennis Hediger gönnt ihm diesen Wechsel.

Sandro Lauper (links) ist der nächste Thun-Spieler welcher zum Kantonsrivalen YB wechselt. Dennis Hediger gönnt ihm diesen Wechsel.

Vor allem wechseln immer wieder Spieler von Thun zu YB. Bringt man als Thuner Leitwolf Verständnis für diese Wechsel zum Kantonsrivalen mit?

Klar, denn das hat auch wieder mit dem gegenseitigen Respekt zu tun. Spieler wie Fassnacht und Lauper, welche diesen Schritt gegangen sind, haben sich das mit starken Saisons beim FC Thun verdient. Dazu ist YB Thun sympathisch und auch umgekehrt stimmt das Verhältnis.

Wie ist die Vorbereitung auf die neue Saison verlaufen?

Sehr positiv. Wir konnten intensiv und konzentriert trainieren. Vor allem aber hatten wir mit 26 Feldspielern jede Position mindestens doppelt besetzt. Somit herrscht ein Konkurrenzkampf, den wir letzte Saison beispielsweise nicht hatten. Ich denke, dass wir im Vergleich zum letzten Jahr breiter aufgestellt sind.

Wie sieht die Zielsetzung für den FC Thun aus?

Ich bin kein Fan von Zielsetzungen. Gegen aussen ist klar, dass wir den Ligaerhalt schaffen wollen – damit verbindet der neutrale Beobachter den FC Thun. Mir geht es mehr darum, dass wir in jedem Training und in jedem Match versuchen das Maximum abzurufen. Immer an die Grenze gehen und Vollgas geben. Dann werden zwangsläufig am Wochenende auch die Resultate stimmen.

Seit 2010 spielt Dennis Hediger (links) für den FC Thun. Die Frage nach einem Vereinswechsel stellt sich für ihn nicht, weil es ihm in Thun bestens gefällt.

  

Sie sind Captain und Identifikationsfigur des FC Thun und seit 2010 beim Club – denken Sie nie über einen Transfer zu einem grösseren Verein nach?

Diese Frage stellt sich für mich momentan nicht. Wenn man bei einem Verein ist, muss man immer das Gesamtpaket anschauen und sich vor Augen führen, was man hier alles hat. Fakt ist, dass es mir beim FC Thun sehr wohl ist, ich kann hier so sein wie ich bin und habe eine tragende Rolle im Team. So lange diese Beziehung zwischen mir und dem FC Thun funktioniert, passt das so für mich.

Mit Ihren 31 Jahren gehören Sie auch schon zu den älteren Super League Spielern. Sie überzeugen in Ihrem Spiel vor allem mit Ihrer physischen Stärke. Ist das auch ein Grund, weshalb Sie weiterhin topfit auf diesem Niveau agieren können?

Je älter man wird, desto verletzungsanfälliger ist man. Dieses Problem habe ich nicht. Das führe ich auf meine bewusste Lebensweise zurück. Dass ich mich gesund ernähre, viel schlafe und meiner Regeneration viel Zeit widme. Mein Körper fühlt sich nicht wie 31 Jahre alt an. Ich denke, dass ich mir dies erarbeitet habe mit Zusatzschichten, die ich Woche für Woche auf und neben dem Fussballplatz geleistet habe.  

Wie viele Spielzeiten hängen Sie nach dieser Saison noch an?

Ich war seit vier Jahren nie mehr ernsthaft verletzt und habe kaum mal ein Training versäumt. Wie gesagt fühle ich mich körperlich topfit und ich komme jeden Tag gerne zur Arbeit. So lange diese Komponenten stimmen, mache ich sehr gerne weiter.

Seit vier Jahren war Dennis Hediger (rechts) nie mehr ernsthaft verletzt. Die Frage nach dem Ende der Karriere stellt sich ihm nicht.

  

Noch ein Ausblick in die obere Tabellenhälfte für die anstehende Saison: Schafft YB die Titelverteidigung?

YB hat das gut formuliert und gesagt, wenn Dortmund in der Bundesliga mal Meister wird, ist die nächste Saison trotzdem wieder Bayern der Favorit. So verhält es sich wohl auch wieder in der Schweiz mit dem FC Basel. Man darf gespannt sein.

Und für welche Teams wird’s eng in der unteren Tabellenhälfte?

Auch das ist schwierig zu sagen. Aufsteiger Xamax kommt aufgrund der vielen Siege in der Challenge League mit viel Selbstvertrauen. Sie haben das Selbstverständnis des Gewinnens intus. Ich denke aber, dass es wie in der vergangenen Saison ein harter und langer Kampf mit vielen involvierten Teams um den Ligaerhalt geben wird.