Für Marcel Koller, den Schweizer Cheftrainer der österreichischen Nationalmannschaft, ist die Rollenverteilung klar: «Für Basel spricht die internationale Erfahrung. Aber für Salzburg spricht die aktuelle Hochform. Deshalb sind sie für mich auch der Favorit.»

Der Lauf der «Bullen» ist in der Tat beeindruckend. In der heimischen Liga trampeln sie mehr oder weniger alles nieder, was sich ihnen in den Weg stellt: 20 Siege in 26 Spielen. Bereits am kommenden Wochenende, neun Spieltage vor Schluss, kann Salzburg Meister werden. Mindestens so beeindruckend wie die Punkte- ist die Torausbeute. 88 Treffer, im Schnitt mehr als drei pro Partie, stehen zu Buche. Ebenso überragend präsentiert sich die Bilanz in der Europa League: zehn Siege in Serie, zuletzt ein 3:0 und ein 3:1 in den Sechzehntelfinals gegen Ajax Amsterdam, seines Zeichen holländischer Meister und Tabellenführer.

Müssen diese Zahlen dem FC Basel Angst machen? Bestimmt sind sie Warnung genug, den Gegner nicht zu unterschätzen. Aber Angst? Nein. Denn im Gegensatz können die Schweizer etwas vorweisen, was in der K.-o-Phase des Europacups immer zum Tragen kommt: die langjährige internationale Erfahrung.

Ein kaum greifbarer Begriff, und trotzdem wird er immer wieder bemüht, wenn am Schluss Nuancen über Ausscheiden oder Weiterkommen entscheiden. Mittelfeldspieler Fabian Frei: «Was ich von Salzburg gesehen habe, hat mich beeindruckt. Wir sind zurzeit nicht auf absolutem Topniveau, aber das kann mit einem Spiel ändern. Ich erwarte ein Duell auf Augenhöhe.»

Die jüngste Ersatzbank aller Zeiten

Wie schon in den Sechzehntelfinals gegen Maccabi Tel Aviv kehrt Yakin gegen Salzburg zur Dreierabwehr zurück. Einerseits, um im Zentrum die gegnerische Offensivmaschinerie in Schach zu halten. Andererseits bleibt ihm auch nicht viel anderes übrig. Mit Kay Voser und Behrang Safari sind zwei von vier Aussenverteidigern verletzt, wobei von den gesunden wohl nur Philipp Degen zum Einsatz kommt. Für den jungen und talentierten Linksverteidiger Naser Aliji scheint die Europa-League-Bühne noch zu gross.

Damit nicht genug: Auch in den vorderen Reihen hat sich die Personalsituation weiter verschärft. Seit dem Wochenende und dem 1:1 gegen St. Gallen stehen auch Marco Streller und Geoffroy Serey Die auf der Verletztenliste. Zudem ist Neuzugang Davide Callà in der Europa League nicht spielberechtigt.

«Die Mannschaft stellt sich von alleine auf», sagt denn auch FCB-Trainer Murat Yakin. So kommt wohl auch wieder einmal David Degen zum Zug und wird zusammen mit Zwillingsbruder Philipp die Basler Flügelzange bilden. Auf der Bank nehmen mit Simon Dünki, Albian Ajeti, Breel Embolo und Aliji gleich vier Nachwuchsspieler Platz – wohl die jüngste FCB-Ersatzbank aller Zeiten.

Wie immer in K.-o-Duellen geht es heute (19.00 St. Jakob-Park) für die Heimmannschaft darum, die 90 Minuten möglichst ohne Gegentor zu überstehen. «Mein Wunschresultat ist ein 2:0», sagt Yakin. Ein österreichischer Reporter kann sich ein Grinsen nicht verkneifen, als er den Satz hört: «Salzburg kann zurzeit nicht verlieren. Absolut unmöglich ist, dass sie kein Tor erzielen.»

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