Super League

Dem FC St. Gallen droht der Untergang

AFG-Arena

AFG-Arena

Die Zeichen stehen auf Untergang. Heute Abend entscheidet das Sankt Galler Stadtparlament als erstes über das Schicksal eines der ältesten Fussballklubs Europas.

In Sankt Gallen geht es um alles oder nichts. Wieder einmal. Die leidgeprüften Espen-Anhänger sind die fast alljährlichen Bettelaktionen ihres Fussballvereins schon lange gewohnt. Aber mit über 16 Millionen Franken hat das Finanzdebakel heuer eine Dimension erreicht, bei der es nicht mehr genügt, Fans und Sponsoren um eine kleine Spende zu bitten.

Deshalb wurde in der Ostschweiz mit vereinten Kräften während einem vollen Jahr ein Rettungspaket geschnürt: Stadt, Kanton, Banken, Private. Sie alle haben ihren Platz darin. Es klingt wie ein im altgewohnten Solidaritätsdenken der Ostschweiz begründeter Beschluss. Doch die so bekannte Solidarisierung mit dem Verein gibt es so in der Ostschweiz nicht mehr. Die entstandene Vorlage ist vielmehr ein wackliges Kartenhaus, das von Politikern wie Bevölkerung seit Monaten zerredet wird.

Dunkle Wolken über der AFG-Arena

«Wir verfolgen die Debatte mit grossem Interesse», sind die einzigen Worte, die sich der Vereinssprecher Markus Scherrer zur bevorstehenden Zusammenkunft des St. Galler Gemeinderats entlocken lässt. Auch wenn man sich beim Verein scheinbar gelassen gibt: Über der AFG-Arena hängen dunkle Wolken.

Die einst klubfreundliche Stimmung in der fussballverrückten Ostschweiz ist längst gekippt. Zu schaffen macht der Bevölkerung ein intransparentes Konstrukt aus drei verschiedenen Aktiengesellschaften und eine alte Führungsriege, die so kaum einer will. Wegen dem komplexen Geflecht weiss bis heute keiner, wo das Geld des FC Sankt Gallen versickert ist.

Niemandem gelingt es, nachzuvollziehen, wie die AFG-Arena in den Schulden versinken konnte. Die Erbauer prognostizierten dem Stadion Gewinne ab einem Zuschauerschnitt von 8000 Fans pro Spiel. Es kamen deren 14 000 - doch statt zu einem potenten Geldgeber für den Verein, entwickelte sich die Stadion AG zu einem Finanzrisiko, das den ganzen Klub mit sich in den Abgrund zu reissen droht.

Vom Hoffnungsträger zur Bauruine

Die Stadt Sankt Gallen soll zum grossen Rettungspaket zwei Millionen Franken beisteuern. Wenn heute Abend der Sankt Galler Gemeinderat zur Debatte um die vergleichsweise schon fast kleine Summe zusammenkommt, könnte es trotzdem bereits um alles oder nichts gehen. Das Problem: Steigt einer der potentiellen Geldgeber aus, zieht sich das in langen Verhandlungen überredete und mit fünf Millionen beteiligte Banken-Konsortium wieder zurück; das Kartenhaus stürzt ein.

Und die Zeichen stehen schlecht: SP, Grüne und SVP haben bereits die Nein-Parole herausgegeben. Und selbst die für die Vorlage eingesetzte Geschäftsprüfungskomission rät zum Nichteintreten. «Wir sind nicht sicher, was bei einem Nein geschieht. Wahrscheinlich werden alle drei Firmen konkurs gehen. Wenn wir aber Ja stimmen, wird im Grunde wohl einfach eine Auffanggesellschaft gegründet und das Ganze läuft weiter wie bis anhin», sagte dazu GPK-Mitglied Michael Hugentobler (CVP) gegenüber toxic.fm.

Bei dem Radiosender reden sich auch Fans ihren Frust aus der Seele: «Der Verein muss jetzt selber aus diesem Mist herauskommen und für seine Fehler geradestehen», meint etwa der 21-jährige Marco. Ein anderer trifft die Stimmung in Sankt Gallen wohl auf den Punkt: «Der Verein muss transparenter sein. Kein Wunder verliert er das Vertrauen, wenn niemand weiss, wohin das Geld versickert. Deshalb muss es ein Nein geben, selbst wenn das für den FC St. Gallen den Abstieg bedeutet.»

Geschadet haben dürfte dem Image des Vereins auch die Personalia von Verwaltungsrat Dieter Fröhlich. Schon als Präsident von Fans und Beobachtern ungeliebt, hält er bis heute als Verwaltungsrat allerlei Fäden in der Hand. Und ist deshalb mitverantwortlich für die seit Jahren aneinandergereihten Spendenläufe. Und das Debakel um das Stadion, mit dem einst der grosse Aufschwung versprochen wurde. Erst unter dem Druck der enormen Schuldenlast begann der Verein, sich um die schon lange geforderte Transparenz zu bemühen. Das gelingt ihm nur zum Teil. Überzeugen kann er nicht.

Aus der Super League in die erste Liga

Der Verein braucht dringend einen Plan B. Denn scheitert die Vorlage, steht der Zwangsabstieg in die erste Liga unmittelbar bevor. Die Schweiz hätte ein zweites Servette. Keine rosigen Aussichten für den Traditionsklub.

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